Josh Groban

#MusicMonday … Letters

Eine neue Woche, ein neuer #MusicMonday!

Meine derzeitig Begeisterung für “Natasha, Pierre & the Great Comet of 1812” ist spätestens nach meinem Artikel vor anderthalb Wochen kein Geheimnis mehr. Die Casting-Stunts und das damit verbundene Drama machen mich ein bisschen besorgt, dass – sollte ich tatsächlich im März mal wieder nach New York kommen – ich das Stück schon nicht mehr zu sehen bekommen werde. (und wer dieses ganze Drama verpasst hat, der mein lieber Niklas hat dazu bei Kulturpoebel einen Kommentar geschrieben)

Wie dem auch sei, lustigerweise habe ich meinen erste Zugang zu diesem Stück nicht durch das humoristische Opening (ich erzählte davon…), sondern durch einen weniger lustigen, dafür dramatischen Song gefunden, der während der Zugfahrt von Wiesbaden nach Berlin zu Beginn meines Urlaubs in ENDLOSSCHLEIFE lief, die Rede ist von “Letters”.

Abgesehen davon, dass ich Briefe privat auch ganz toll finde (auch wenn man sich manchmal vor dem Lesen drückt…), leistet dieser Song einmal mehr ganze Arbeit, die vielen verschiedenen Figuren miteinander zu verknüpfen, jeder ihren Raum zu geben und die richtigen dramatischen Spitzen zu setzen.

Was mich am meisten berührt: “Dear Andrey….what more can I write after all that has happened?” (vor allem die Pause, die für das, was das Metrum wie auch alles Vorangegangene erwarten lassen, unendlich lang ist, dass es schon fast plakativ ist)

Das größte Ohrwurm-Potenzial dieses Songs: “Natalie, Natalie, Natalie, I must love you or die” (ich geb’s zu, ich bin Freundin von latent fatalistischen Lyrics)

Ich wünsche euch allen ein gutes Hören und gut gespitzte Ohren in der neuen Woche!

#FavouriteFriday – Musikimport

Natasha, Pierre & the Great Comet of 1812

Wenn ich meinen Soundtrack des Sommers beschreiben müsste, würde ich sagen: Natasha, Pierre & the Great Comet, Hunchback of Notre-Dame und Georgia Stitt gewürzt mit einer großen Prise Dear Evan Hansen und “One Day” aus Groundhog Day.

Ich habe mich während der Off-Broadway-Spielzeit nicht besonders für Natasha, Pierre & the Great Comet of 1812 interessiert – zum großen Teil, weil ich einfach nicht wusste, was sich hinter diesem Titel verbrigt. (Schuldig im Sinne der Anklage!) Und dann hat’s mich auf meiner Fahrt aus Wiesbaden nach Berlin einfach eingeholt.

Wenn ich ganz ehrlich bin, gewinnt der Score schon in dem Moment, in dem man mir als erste gesungene Worte des Stücks “There’s a war going on out there somewhere – and Andrej isn’t here” präsentiert. Like: Ok, I don’t know anything about Andrej, but apparently he isn’t here” – das ist schon wieder ganz mein Humor. Was sich im Anschluss an diese Zeile entfaltet, ist quasi eine Tolstoi-Extravaganza: Es wird Krieg und Frieden, das Monster-Werk der russischen Literatur, verhandelt (“It’s a complicated Russian novel, everyone has got nine different names” – auch hier wieder: mein Humor). Es wird viel gelitten, euphorisch geliebt und dramatisch intrigiert.

Neulich habe ich in diesem Artikel in der New York Times gelesen, dass The Great Comet eindeutig auf der Bühne besser sei als auf CD, und das glaube ich tatsächlich auch – zumal ich vergangenen Sommer Rachel Chavkin’s Inszenierung Hadestown am New York Theatre Workshop habe sehen können und ihre Arbeiten anscheinend gern die traditionelle Trennung von Bühnen- und Zuschauerraum auflösen. Wenn ich mir jetzt quasi versuche, Hadestown in den Dimensionen des Imperial Theatre mit weniger antik-griechischem, dafür mehr 19. Jahrhundert-russischem Drama vorzustellen – HALLELUJA, YES PLEASE!

Dennoch finde ich die CD auch ohne Bühnenspektakel ganz ganz großartig, man kann sie tatsächlich auch gut beim Sport hören (und wenn wir Showtunes-Kinder ehrlich sind, ist das das einzige, was zählt…kleiner Scherz) und “Dust and Ashes”, in dem Pierre seine Suche nach dem Sinn des Lebens artikuliert, hat schon einmal dafür gesorgt, dass ich vor dem Konservenregal im Edeka anfangen musste zu weinen (das ist KEIN Scherz).

der beste Einstieg: man mag es kaum glauben, aber es ist tatsächlich der Prolog.
Was man unbedingt hören muss, wenn man keine zwei Stunden Zeit es, es einmal komplett zu hören: Natasha & Bolkonskys, Dust and Ashes, The Ball, Letters, Preparations, Pierre & Natasha
die Nebenwirkungen: man will irgendwie dann plötzlich “Krieg und Frieden” lesen – ich ‘musste’ zumindest in meinem Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte die neue deutsche Übersetzung kaufen. Nur leider schlafe ich immer ein.