Berlin

4 Dinge …

die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner gelernt hab

Ich darf mich zwar seit über einem Jahr großspurig Master of Arts nennen und manche würden an dieser Stelle denken, sie müssten nichts mehr lernen – allerdings glaube ich tatsächlich an lebenslanges Lernen (dass ich in meinem Vorhaben, in meinen vier Wochen Spielzeitferien Französisch zu lernen, grandios gescheitert bin, ist Stoff für einen anderen Tag…..) und ich glaube tatsächlich noch mehr daran, dass (wiederholte) Theaterbesuche einem wirklich Sachen beibringen können, wenn man nur wach genug zuschaut.

Nun also….Vorhang auf für 4 Dinge, die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner von Notre-Dame gelernt hab:

Ich liebe erzählerische Klammern
Das ist ein bisschen gelogen, das habe ich nicht gerade erst gelernt. Ich liebe erzählerische Klammern ungefähr seit der 5. Klasse, nachdem man mir überzeugende Argumente bot, dass “und sie wachte auf und alles war nur ein Traum” KEIN Moment guten Erzählens ist – generally speaking. Erzählerische Klammern können genau diese Funktion aber übernehmen, oder viel mehr: mit eben so einer haben wir’s beim Glöckner zu tun.Aus irgendeinem Grund habe ich erst jetzt wirklich realisiert, dass die ersten solistisch gesungenen Phrasen von Chlopin kommen – und er auch ganz zum Schluss auch gewissermaßen als Spielleiter (man könnte auch sagen Conferencier, Lisanne!) ganz selbstbewusst das Wort wieder ergreift, Quasimodo seine Quasimodo-Requisiten abnimmt und so das Spiel ‘Glöckner von Notre-Dame’, was in dem Moment angefangen hat, in dem sie ihm den Buckel anlegen, beendet. Solche Konstruktionen machen mich doch immer wieder sehr, sehr froh, auch weil ich ein erzählerische Distanz (“Du, sag mal, ist das jetzt deine Brechtsche Distanz?” – das hab leider nicht ich gesagt…ich find’s trotzdem lustig) ganz toll finde – und da bin ich in diesem Inszenierung nunmal sehr richtig.

und Theatermomente
Das ist jetzt auch nicht das große Geheimnis, das hier entdeckt wird – es ist ja auch schon in meinem ersten Artikel zu dieser Produktion deutlich geworden. Aber ich konnte bei meinem zweiten Besuch genauer lokalisieren, wo das, was ich Theatermoment nenne, anfängt – und das ist tatsächlich viel früher der Fall als ich bis jetzt gedacht habe. Diese Inszenierung braucht nicht einmal diese sprossenwand-artigen Holzrequisiten, die Turmgeländer, Pufftür oder Gefängniszelle sein können. Der ‘einfachste’, wenn man so will ‘spießgste’ – und vielleicht gerade deshalb so befriedigende – Theatermoment wird gewissermaßen PERMANENT erzeugt, nämlich indem die Erzählerstimmen wechseln, sich ablösen (auch in der Bewegung im Raum, übrigens) und die Geschichte so vor uns, dem Publikum, ausbreiten und es uns so möglich machen in die Handlung rein- und dann wieder rauszuzoomen (und ganz nebenbei wäre die Erzählstruktur ein Paradebeispiel für Gerard Genette mit seinen verschieden Zeitformen des Erzählens….).

Diese Produktion ist ein Ensemble-Stück par excellence
Ich weiß, letzte Woche habe ich vor allem von zwei Herren geschrieben, die mich wahnsinnig beeindruckt haben – und das hat sich beim zweiten Besuch nicht geändert…eher im Gegenteil. Allerdings fällt bei genauerem Hinsehen relativ schnell auf, dass diese Menschen nur so scheinen können (“All you really have to do is shine” as Mrs. Wilkinsons aus Billy Elliot sings…), weil sie über diesem eng gewebten Netz aus Ensembleaktion schweben. Das ist natürlich besonders augenscheinlich in Momenten, in denen Kollegen einander tatsächlich Hilfestellung geben oder als Sicherheit da sind (Sprünge, Hebungen, ‘Stunts’ etc), allerdings sind sie auch vor allem durch die Auflösung der Wasserspeier in das Ensemble immer auch quasi-solistisch präsent, wenn es eigentlich ganz kleine, intime Szenen sind.
Also: Brava, Ensemble, brava! (as Seth Rudetzky would put it)

auch in solchen GIGANTISCHEN Produktionen gibt es bessere….und schlechtere Vorstellungen
Ich hab ja damals (2010….uaaaaah) noch angefangen unter Erika Fischer-Lichte zu studieren und ich glaube, wir können alle von damals noch herunterbeten, dass ja jede Aufführung tatsächlich einzigartig ist durch die autopoietische Feedbackschleife, durch die Energien, die sich gewissermaßen zwischen Bühnen. und Zuschauerraum (so denn eine klare Trennung tatsächlich möglich ist) und natürlich auch durch die jeweils eigene Disposition während der Aufführung. Gerade bei so großen Produktionen, in denen es unter Umständen manchmal auch einfach darum gehen kann, alle Markierungen zu treffen, alle Schritte zu erinnern und zur richtigen Zeit das richtige Requisit dabei zu haben, neigt man immer wieder dazu eben das zu vergessen – ich auch, obwohl die Kategorien “gute Vorstellung” und “schlechte Vorstellung” tatsächlich in meinem täglichen Leben im Repertoirebetrieb vorkommen. Wahrscheinlich macht eben diese Leugnung von Tagesform, Energiedifferenzen und autopoietischer Feedbackschleife (ich geb’s zu, ich wollt’s einfach nochmal schreiben…) die Einteilung zwischen ‘tatsächlichem Theater’ (dem ernsten Theater, das, was WIRKLICH relevant ist…Ironie…) und “Kunst als Objekt kapitalistischer Spekulationen, als Ware”,* als die wir Musical-Großproduktionen wahrzunehmen scheinen, so einfach. Aber so ist das nicht. Ich weiß nicht genau warum, was da passiert ist – es lag schließlich weniger als eine Woche zwischen meinen beiden Besuchen – die zweite Vorstellung erschien mir eindeutig konzentrierter, wacher und deshalb auch präsenter, mit mehr Sendungsbewusstsein und NOCH mehr erzählerischem Potenzial. Und dass ich mit diesem Eindruck nicht allein bin, beweist mir in solchen Momenten immer meine Mutter, die mit mir zwar über die Jahre schon durch eine harte Schule der ewigen Theaterbegleiterin einer Tochter in verschiedenen Stadien der Professionalisierung gegangen ist, sich aber eine gewisse Unbedarftheit bewahrt hat – sie drehte sich in der Pause zu mir um und sagte: “Heute ist es irgendwie [noch] besser als letzte Woche.”

Bin ich allein mit meiner Vorliebe dafür, Produktionen / Inszenierungen durchaus mehrfach anzusehen? Beim Glöckner hat sich mein Eindruck jetzt nicht grundlegend geändert – obwohl das auch manchmal beim mehrmaligen Zusehen der Fall sein kann.

Ist euch das auch schon einmal passiert?

*dieses Zitat ist leider nicht von mir, sondern wird sinngemäß so von Thomas Siedhoff im Vorwort zu seinem “Handbuch des Musicals. Die wichtigsten Titel von A bis Z” (Mainz, 2007) erläutert.

Draußen!

über Disney’s Der Glöckner von Notre Dame in Berlin

Mit diesem Stück habe ich mich glaub ich so um 2005 zum ersten Mal geärgert. Nämlich darüber, dass ich es in seiner Uraufführungsspielzeit im Theater am Potsdamer Platz nicht gesehen habe. 1999 war ich 8 und 2002 11 Jahre alt und somit war Der Glöckner von Notre-Dame irgendwie das erste Stück, dass ich rückblickend RICHTIG KNAPP verpasst hab.

Komischerweise resultierte das nicht in einer totalen (Pubertäts-)Obsession, die kam erst leicht abgemildert, als 2014/15 in den USA das Quasi-Revival gefeiert wurde, nur um dann NICHT an den Broadway transferiert zu werden.

Letzten Sommer wurde dann die aktuelle Produktion für Deutschland angekündigt – in meiner Heimatstadt! – und ich zog nach Wiesbaden. Egal, denn nun hab ich’s endlich nachgeholt.

Viele Leute haben nach dieser Premiere inzwischen viel geschrieben über dieses Stück, und deshalb mag ich gar nicht so alles durchhecheln, sondern ‘nur’ über die Dinge sprechen, die besonders beeindruckend waren und die mich nun einmal mehr zuversichtlich in die Zukunft dieses Genres gucken lassen.

Letztes Jahr beendete ich meine Masterarbeit sinngemäß mit der Frage, was passieren würde, wenn wir Musical-Inzenierung egal welcher coleur und egal welchen Bugets politisches Potenzial zutrauen würden – und mit der Aufforderung, das auch zu tun (ob meine Betreuerinnen, die einzigen Leserinnen bisher, das jetzt tun, ist anzuzweifeln…). Und als ich nun am Samstag im Publikum saß und das Treiben auf der Bühne beobachtete, dachte ich mir: YES! Lasst uns das mal wirklich tun!

Denn gerade bei diesen Mega-Produktionen in den “Kommerztempeln” (so ein wörtliches Zitat einer meiner Dozentinnen aus dem Masterstudium…) ist es leicht, auf Bespaßung zu setzen, auf die totale Illusion und auf Knalleffekte, Trickkostüme, Bühnenverwandlung an Bühnenverwandlung. Und das wird ja auch häufig, gut und gern getan.

Scott Schwartz, der Regisseur, hat sich hier allerdings auf das genaue Gegenteil gestürzt: wir bekommen hier quasi den Vorgang des Erzählens selbst zu Gesicht, wir lernen, wie Geschichte(n) geschrieben wird, und so lernen wir auch, das Inkonsistente, das Konstruierte und das Uneindeutige der Figuren zu sehen. Indem reihum Ensemblemitglieder in (Teil-)Sätzen erzählende Passagen sprechen, indem sie zwischen Quasimodos ‘Freunden’ aus Stein und der Bevölkerung Paris’ wechseln, die jeweils nur eine Mönchskutte voneinander entfernt sind, knüpft das Stück hier an eine frühe Tradition der mündlichen Überlieferung an: vielstimmige Erzähler machen mit Worten Geschichten größer, kleiner, detailreicher oder abstrakter – und konstruieren so die Geschichte(n) und ihre Figuren immer ein bisschen neu.

Überhaupt steht Konstruktion im Mittelpunkt dieser Inszenierung. Das Prozesshafte der Erschaffung von Figuren, Charakteren und Persönlichkeiten wird uns hier immer und immer wieder vor Augen geführt – und wirft uns so auch zwangsläufig die eigenen Konstruiertheit und Performanz der eigenen Identität (ja, ja, Lisanne, du kleiner Butler-Nerd, ist gut!) zurück. Nicht zuletzt steht hier auch immer wieder Behinderung und Behindertsein als etwas, das ausschließlich oder zumindest zu einem großen Teil im Verhältnis bzw. in Abgrenzung zu einer Mehrheitsgesellschaft existiert, im Mittelpunkt. Sei es, dass Quasimodo als normaler Menschen auftritt und auf offener Bühne erst zum Buckligen, Deformierten gemacht wird, oder am Schluss alle ‘irgendwie Quasimodo’ werden, dass es einen deutlichen Unterschied gibt, ob Quasimodo mit sich selbst oder mit anderen spricht: Behinderung und Deformation sind hier Eigenschaften, die wie alle anderen Abgrenzungs-Eigenschaften (‘Zigeuner’-Sein, Soldat-Sein, Kirchenmann-Sein),  vor allem durch Zuschreibungen und Wiederholung aus allen Richtungen existieren. Durch diese stetige Neu- und Wiedererzählung der Charaktere, von Gut und Böse bleibt die Produktion auf einer Meta-Ebene ständig in der Schwebe – auch wenn natürlich (auch für mich) eindeutig klar ist, bei wem die Sympathien liegen.

Der ‘neue Glöckner’ hat mich ganz persönlich vor allem auf einer intellektuellen Ebene abgeholt und befriedigt hat, der Produktion ist anzusehen, dass sie durchdacht ist, dass die den Figuren und dem theatralen Erzählen an sich traut und damit schließlich auch, dass sie dem Publikum zutraut, einer erzählten Handlung im Erzählen zu folgen, aus der sich dann schon fast episodenhaft die einzelnen Szenen herausschälen.

Weil ich nun aber trotzdem nicht drum herum komme(n will), auch etwas über die Menschen auf der Bühne zu schreiben, hier in aller Kürze: Es können vor allem die Herren überzeugen, allen voran Felix Martin als Frollo und David Jakobs als Quasimodo. Beide habe ich schon häufiger und in diversen Rollen auf diversen Bühnen gesehen (David Jakobs u.a. als ich sechs Wochen lang die Gärtnerplatz-Produktion von Hair als Dramaturgie-Hospitantin beobachtete), hier beide haben es auch hier wieder geschafft, mich zu überraschen, zu beeindrucken und zu berühren – wenn man so will an unterschiedlichen Enden der Sympathie-Skala.

Wobei – im Grunde steht auch diese Zuordnung mit dieser Produktion irgendwie in der Schwebe. Und das ist doch ziemlich angenehm.

Music Monday … Aber bitte mit Sahne

Well THIS might come as a surprise to those who either know me pretty well or whitnessed me watching “Ich war noch niemals in New York” a German musical featuring the songs of Udo Jürgens (like the Mamma Mia of German Schlager-king Udo Jürgens) during its Berlin-run, but during our roadtrip I grew to like at least the recording of that show. Overall it’s a fun and easy listen and exactly what you need on a roadtrip driving on what is your continental European wrong side of the road….

Anyway – this past week I was rather emotional (you could say hormonal) and I was like “Get me ALL the cheesy videos on Youtube – asap!” so I watched a lot of Ich war noch niemals in New York bootleg clips. Even though “Aber bitte mit Sahne” isn’t the most cheesy one from the show I chose this to be this week’s #MusicMonday because I really like the arrangement of it. After all the original one is a good ol’ German Schlager from 1976 and if you get that to sound kind of contemporary then you got something right, I’d say.

Plus: Sarah Schütz’s (the lead’s) voice!

What are you listenting to today?

Im Gespräch mit … Dennis Hupka

Alltag auf der Bühne

Für die neue Spielzeit habe ich mir einige neue Sachen ausgedacht und einige Ziele gesetzt, die ich jetzt erreichen will. Eines davon ist eine Serie mit Interviews und Gesprächen, die ich hier veröffentlichen will. Ob das klappt? – Keine Ahnung.

Zum Start habe ich mich ein bisschen mit Dennis Hupka unterhalten, der neben seinem Musicalstudium an der UdK Berlin seit Mitte Juni als Gabe in Next to Normal im Renaissance Theater auf der Bühne steht. Anlässlich der Wiederaufnahme nach der Sommerpause habe ich ihn gefragt,  was er zu seiner Rolle und zu Next to Normal im Allgemeinen zu sagen und welche Einblicke er mir in sein Studium gegeben hat, könnt ihr nun hier lesen.

Theaterkind: In der Next to Normal Produktion im Berliner Renaissance Theater spielst du Gabe. Nach Aaron Tveit am Broadway und Dirk Johnston in der deutschsprachigen Erstaufführung in Fürth bist du also der ältere Sohn der Familie Goodman. Hattest du das Gefühl, du trittst in große Fußstapfen?

Dennis Hupka: Eigentlich nicht. Dadurch, dass die Rolle erst so selten gespielt wurde – das heißt vor allem im deutschsprachigen Raum noch relativ unbekannt ist – hat man als Zuschauer noch nicht so ein Bild davon, wie es unbedingt gemacht werden muss. Natürlich kann man es dann auch gerade anders machen, aber bei Gabe ist das jetzt cool, weil man eben irgendwie immer ein ‘Original’ ist. Dazu kommt, dass die Rolle sehr vielfältig ist, weil sie eben so alltäglich ist. In jeder Produktion ist sie ganz anders, weil jeder sie ganz anders anlegt.

Was genau heißt für dich Gabe ist eine alltägliche Figur?

Diana sieht ihn ja ziemlich deutlich und auch der Zuschauer sieht ihn bis etwa zur Hälfte als eine ganz normale Figur, eben als den Sohn, der am Leben teilnimmt. Ob er jetzt tot oder lebendig ist, stellt sich mir als Frage eigentlich gar nicht.  Es ist gewissermaßen sein Wille da zu sein, was er ja auch in „I’m alive“ sehr deutlich formuliert. Verstorbene bleiben immer im Gedächtnis und die bleiben dann – jedenfalls für mich – nicht wie man sie in Erinnerung hat, sondern die sind dann einfach da. Wenn ich an meine tote Oma denke, dann denke ich nicht an sie wie sie in der Küche steht oder sonst wo, sondern als wäre sie einfach hier neben mir. Alle fragen immer, wie es ist einen Toten zu spielen, aber ich hab ihn nie nur als toten Sohn gesehen, sondern immer als jemanden, der einfach da ist. Der Unterschied ist einfach nur, wie die anderen mich sehen – es kann mich eben nur die Mutter sehen. Aber das macht ihn nicht zwangsläufig zu einer Figur, die anders ist als die anderen. Das einzige, wie ich ihn vielleicht sehe ist, dass er mächtiger ist als die anderen, weil ich natürlich aus einem ganz anderen Blickwinkel gucken kann, viel mehr wahrnehmen kann und eben überall da bin, aber ich würde nicht sagen, dass er anders zu behandeln oder anders anzugehen ist.

Viele sehen Gabe ja immer – auch weil ja oft ein bestimmter, ich sage jetzt mal, „Sunny-Boy“-Typ in dieser Rolle besetzt wird – als den perfekten Sohn. Wir beide haben ja schon öfter mal darüber nachgedacht, ob er jetzt nun eher gut oder eher böse ist. Was wäre momentan dein finales Votum zu diesem Thema?

v. l. n. r.: Gunbert Warns, Katherine Mehrling, Devi-Ananda Dahm, Dennis Hupka in Fast Normal – Next to Normal am Renaissance Theater. (Foto: Franziska Allner – Fränzy Fotografie)

v. l. n. r.: Gunbert Warns, Katherine Mehrling, Devi-Ananda Dahm, Dennis Hupka in Fast Normal – Next to Normal am Renaissance Theater.
(Foto: Franziska Allner – Fränzy Fotografie)

Beides. Als ich angefangen hab an Gabe zu arbeiten, hab immer versucht so mit dem Charme zu spielen, dass jede Mutter ihm einfach hinterher weinen würde, aber beim Arbeiten hat Torsten Fischer sehr viel Wert darauf gelegt, ihn gar nicht so leiden zu lassen, sondern viel mehr als ein Arschloch zu denken. Ein Sohn, der nachts um vier heimkommt, während seine Mutter sich Sorgen macht, der ist eigentlich der Arsch, der sie die ganzen Sachen – bis zum Selbstmordversuch – machen lässt. Er ist der, der eigentlich den ganzen Haushalt umschmeißt und sagt „Hey, Leute, ich will, dass ich am Leben bleibe, ich will nicht, dass ihr mich vergesst“ und deshalb muss er auch irgendwie ein Arschloch sein. Er ist eben das, als was die Mutter ihn sieht, Engel und Teufel gleichermaßen. Es macht natürlich mehr Spaß den Teufel zu spielen, weil man da natürlich mehr Macht auf der Bühne hat, aber er ist definitiv beides. Auch musikalisch ist das ja deutlich, da ist auf der einen Seite eben die aggressivere Rock-Star-Nummer „I’m Alive“, aber dann gibt’s eben auch „Komm mit mir“ als die Engelsballade, die extrem falsett-lastig ist und in der er seine Mutter versucht in den Tod zu ziehen.

Ich weiß, dass du auch die deutschsprachige Erstaufführung in Fürth gesehen hast vor zwei Jahren. In Erinnerung daran und jetzt mit der Erfahrung eurer Produktion – was ist für dich der große Unterschied zwischen den beiden? 

Ich hab Fürth noch sehr Broadway-ähnlich in Erinnerung, von der Musik als auch vom Counting her sehr ähnlich, von der Schnelligkeit bis hin zum Bühnenbild – ich glaube schon, dass sie sich da die Broadway-Produktion als Vorbild genommen haben. Bei uns ist das natürlich schon allein durch die Treppe [aus der das Bühnenbild besteht] ganz anders. Ich würde zwar nicht sagen „minimalistischer“, aber die Berliner Inszenierung ist eben mehr an Berlin angepasst, also ans Renaissance Theater. Außerdem ist Torsten [Fischer] manchmal auch sehr von der Musik weg- und mehr zum Schauspiel hin gegangen.

Obwohl sich mir da auch damit in manchem Momenten die Frage stellt wie und zu welche Zweck, aber andererseits ist es eben dadurch sehr auf den Inhalt gebürstet ist und was dabei eben manchmal passiert ist, dass plötzlich jedes Wort so eine Wichtigkeit bekommt – und dadurch entstehen manchmal peinliche Momente. Zum Beispiel wenn Texte ent-musikalisiert und aus einer rezitativischen Form herausgelöst werden, aber dann einfach trotzdem gebunden gesprochen werden. Das sind dann Momente, in denen man plötzlich so eine Gedicht-Assoziation hat. Der eine Schritt weiter wäre dann doch irgendwie cool gewesen.

Obwohl man dem Text natürlich noch irgendwo treu bleiben muss. Wir haben eben gesagt, dass bestimmte Textstellen zwar gesungen toll sind, aber wir sie trotzdem sprechen wollen, damit wir es noch „echter“ machen können.
Was vielleicht bei uns noch ein wenig vom Gefühl her anders ist, ist der Freiraum, den Torsten uns mit den Choreografien gegeben hat. Er hat nur Bilder gestellt und jeder sollte seine eigenen Bewegungen finden, eben dadurch wird es sehr echt und tagesabhängig. Das merke ich schon immer, ich glaube, wir haben nie wirklich die safen, viel ge-counteten Momente. Dadurch merken glaub ich nicht nur wir auf der Bühne, dass da eine ganz andere Spannung und Ernsthaftigkeit auf der Bühne ist, als wenn wir die ganze Zeit denken „Ah, ok, jetzt kommt das und jetzt muss ich das sagen….“. Ich fühle mich an manchen Tagen selbst umgehauen davon, wie berührend die Szenen sind. Auch dadurch, dass wir fünf ‘Jugendliche’ und zwei Ärzte [die sich die Vorstellungen teilen] haben, war bis jetzt fast jede Vorstellung anders. Dazu kommt auch auch, dass das Publikum nicht unbedingt ein typisches Musicalpublikum ist und dass – das muss man ja auch nicht verheimlichen – die Zuschauer sehr viel älter sind als das normale Musicalpublikum wie zum Beispiel in den Stage-Häusern. Trotzdem sind viele sehr begeistert.

Next to Normal ist deine erste größere Produktion außerhalb des Studiums. Letzte Spielzeit warst du noch in La Cage aux Folles in Potsdam und dann gab es natürlich noch Grimm an der Neuköllner Oper. War die Arbeit an Next to Normal anders als vor allem bei Grimm?

v. l. n. r.: Feline Zimmermann, Devi-Ananda Dahm, Dennis Hupka in GRIMM! (Foto: Silvie Firat)

v. l. n. r.: Feline Zimmermann, Devi-Ananda Dahm, Dennis Hupka in GRIMM!
(Foto: Silvie Firat)

 Ja, sehr. Unsere Grimm-Produktion war ja die deutsche Erstaufführung. Die Uraufführung war in Graz, aber das Stück wurde schon größtenteils für uns geschrieben. Peter [Lund] hat sich ein Thema überlegt und wir als Studenten haben uns dann überlegt, was es für Rollen geben könnte. Dadurch war die Arbeit natürlich schon sehr experimentierfreudig, wir konnten zum Beispiel selbst gucken, was unsere Rollen für Beziehungen zu den anderen Tieren haben könnten. Schon allein deshalb hatten wir sehr viel Freiraum. Die Rollen sind aber schon sehr nah an uns dran, deshalb wird es wahrscheinlich nie einen Didi geben wie bei uns in Berlin. Bei Next to Normal war natürlich schon so, dass das natürlich irgendwie schon dem Bild des Stückes entsprechen muss. Da kann man nicht einfach sagen “Ich springe jetzt hier die ganze Zeit rum, weil ich schizophren bin!”. Und Torsten hatte natürlich auch sein klares Bild. Ist es natürlich ein Unterschied, ob da jetzt 10 Studenten drinhängen, die natürlich alle irgendwie zu ihrem Moment kommen sollen. Bei Grimm gibt es nur mich als Didi und bei Next to Normal teile ich die Rolle ja mit JP [Kommilitone Jan-Philipp Rekeszus]. So konnte ich zum Beispiel auch Next to Normal einmal von außen sehen, nach etwa einem Monat, als JP zum ersten Mal Gabe gespielt hat, nachdem er sich zuerst vor allem auf Henry, den er auch spielt, konzentriert hat. Ich wusste vorher überhaupt nicht wie das überhaupt wirkt und wusste dann auch erst – Ah, so ist da das Licht! So ist das aus! – das war dann auch krass. Gleichzeitig war mir aber auch sofort bewusst, dass das mit ihm ja ganz anders ist. Da ist es eben wirklich JP als Gabe und das bin ich als Gabe. Das finde ich wichtig und das ist uns gut gelungen. Und ich würde nicht sagen, dass einer besser ist – auch nicht bei den Henrys oder Nathalies. Es ist einfach eine andere Besetzung. Deshalb ist es auch so spannend die Konstellation Nathalie und Henry zu sehen oder die Konstellation Gabe und Nathalie oder sogar Gabe und Henry, weil die haben natürlich auch eine Beziehung zu einander, was man eigentlich erst nicht glaubt, aber ich finde, dass die größer ist, als man erst glaubt.

Wir haben ja schon öfter drüber gesprochen, dass für mich der wichtigste Satz des Stücks “Kannst du sagen, was es ist, das dir Angst macht“ ist. Und dieses Nachfragen und natürlich auch das anschließende Zuhören ist – auch bei uns – bei vielen Familien das Problem, an dem sie scheitern. Die Thematik des Zuhörens ist ja später auch noch eine, die Henry später noch problematisiert, wenn er sagt, dass er da ist für Nathalie und ihr zuhören kann.

Das Problem des Stücks ist ein bisschen – das wurde auch oft bei Publikumsgesprächen thematisiert, dass die Leute sich fragen, ob wir „so was“ in Deutschland haben oder ob Depressionen eher unter den Teppich gekehrt werden und man eher davor zurückschreckt, von seiner Therapie zu erzählen und das ist hier eher ein Tabuthema. Diese Probleme, die die konkrete Familie Goodman hat, die sind natürlich nicht so alltäglich, aber das Problem des “nicht miteinander Redens”, das kennt glaub ich jeder. Probleme aussprechen und sagen, wo die eigenen Fehler sind, ist ja auch immer so ein Zeichen von Schwäche und darum geht es auch eigentlich in dem Stück, dass sich keiner eingestehen will, wie schwach er eigentlich ist. Oder wie hilflos.

Wir haben mit GRIMM ja schon einmal über dein Studium gesprochen, nun noch einmal etwas genauer – wie sind deine Erfahrungen?

Ich bin tatsächlich der älteste in meinem Jahrgang, ich bin jetzt auch der älteste der Fachrichtung, das fühlt sich seltsam an und alle, denen ich das erzähle, lachen mich aus, weil ich immer so wie der kleine, junge, freche Jugendliche wirke. Jetzt steht mein letztes Studienjahr an und das wird sehr spannend. Das dritte Jahr war so das Projektejahrl, was ich jetzt im August besonders gemerkt habe, als es einmal ganz ruhig war. Wir hatten durchgängig seit Weihnachten Uni mit sechs oder sieben Projekten, von Opernworkshop über eine Mini-Eigenarbeit, verschiedene Auftritte bis zu Produktionen wie Grimm und Next to Normal – da muss man schon ganz schön planen. Ab jetzt habe ich weniger Unterricht, weil ich gerade ein paar Prüfungen gemacht habe, muss jetzt also nicht mehr so oft in die Uni und kann mich dann auf ein paar Sachen spezialisieren, die ich dann machen möchte. Und natürlich wird es auch nochmal anders, weil es jetzt an die Auditions geht und wir alle nur noch relativ wenig in die Uni gehen. Ich glaube aber, dass das ein ganz gutes Sprungbrett ist, um sich klar zu machen: „Okay, ich brauche diesen Anlauf jetzt, um ins Berufsleben einzusteigen.“ Deshalb kam Next to Normal gerade ganz passend, da war es schön, auch neben der Uni noch etwas zu haben, wo man noch mal außerhalb dieser Strukturen etwas lernen kann. Ich glaube, bis zu einem gewissen Grad ist dieser Beruf auch ein bisschen Learning by Doing. Hinsetzen ist da einfach nicht.

Neben den Vorbereitungen aufs Berufsleben und den Studienabschluss nächstes Frühjahr steht auch bald die Wiederaufnahme von Grimm an?

Genau, von November bis Januar spielen wir nochmal ungefähr 25 Vorstellungen, dann machen wir als Abschluss jeder eine Eigenarbeit, so zwischen März und Mai. Das sind dann 40 bis 45 Minuten, die man selbst gestaltet, mit allem, was man so gelernt hat, verpackt in einem eigenen Stil und dann natürlich Auditions, Auditions, Auditions! Das 4. Jahr ist wirklich das persönlichste Jahr – jeder macht so das, worauf er sich fokussieren möchte, jeder arbeitet an seiner Eigenarbeit – außer bei der Wiederaufnahme jetzt, wo alle noch einmal zusammenkommen. Aber es ist auf jeden Fall nicht so wie das 2. oder 3. Jahr, wo man die ganze Zeit nur in dieser Gruppe zusammen Projekte macht.

Noch eine Frage, die genauso klischee-beladen wie interessant ist: Was ist deine Traumrolle, was willst du auf jeden Fall einmal spielen?

Ich muss sagen, meine richtigen “Traumrollen” hab ich schon gespielt. Das ist wirklich meine Antwort. Es gibt zwar noch so ein paar Sachen, auf die ich richtig Bock hätte, aber [Gabe] war schon so die Rolle, die ich gesehen hab, die mich umgehauen hat und bei der ich gesagt hab: Die MUSS ich spielen. Nachdem ich die Produktion in Fürth gesehen hab, hab ich auf dem Heimweg im Auto zu meiner Mutter gesagt: Mama, die Rolle spiel ich irgendwann!
Was ich auch noch gern machen würde mal, wäre auf jeden Fall Pippin oder Spring Awakening – vor allem Spring Awakening wäre wirklich was! Dann Billy natürlich, aber dafür bin ich ja inzwischen leider zu alt – aber ich träume weiter. Aber was ja eigentlich noch viel besser ist, als eine Rolle zu spielen, die man sich wünscht, ist eine Rolle zu spielen, die für dich geschrieben wurde oder die du selbst entwickeln kannst und das war bei Grimm ja der Fall, weshalb ich momentan auch sehr zufrieden bin. Ehrlich gesagt, bin ich jetzt auch ein bisschen gespannt, mal etwas zu spielen, was nicht teilweise für dich geschrieben wurde oder wo man sich so entwickeln kann, wie es jetzt bei unserer Produktion mit Gabe der Fall war und die vielleicht nicht unbedingt eine Traumrolle ist.

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Dennis Hupka zog – nach semiprofessionellen Theater- und Musicalproduktionen während der Schulzeit – 2012 zum Musicalstudium an der Universität der Künste aus Erlangen nach Berlin. Im Rahmen des Studiums stand er in mehrern Hochschulproduktionen wie zum Beispiel in der Operette Frau Luna (Regie: Peter Lund) auf der Bühne. Im März 2015 feierte er als Schweinchen Didi in der deutschen Erstaufführung von Grimm! an der Neuköllner Oper Premiere. Außerdem war er als Cagelle Hanna in La Cage aux Folles am Hans Otto Theater Potsdam zu sehen. Wer ein schnelles, gutes Auge hat, kann ihn darüber hinaus als Kleindarsteller in diversen Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen sehen.

Fast Normal – Next to Normal ist wieder ab heute (8. September) bis einschließlich 17. September zu sehen. Regie führte Torsten Fischer, musikalische Leitung: Harry Ermer.

Auf dem Blog gibt es schon zwei Posts zu dieser Produktion die ihr hier und hier nachlesen könnt.

GRIMM! ist ab dem 21. November wieder in der Neuköllner Oper zu sehen.

Porträt-Foto Dennis Hupka von Diana Kozacek.

8 more things I’ve learned from Berlin’s Next to Normal

(after re-visiting this production) Read my original 10 things I’ve learned from Berlin’s Next to Normal here: English / Deutsch Here come the new 10 things I’ve learned – in no particular order…..

1. Chemistry between folks is EVERYTHING! I’d rather not comment any further on this one, but boy! This Natalie I saw last Friday (which wasn’t Devi-Ananda Dahm as on opening night, but the other Natalie Sophia Euskirchen) got some serious skills and intensity! And then again – chemistry!

2. Advertising something the right way is so important. You simply cannot imagine how often I heard “Do they sing?” or “Is that with people singing?” or “Wait….that’s a MUSICAL?!”. That might be happening because Ithe Renaissance Theater isn’t normally a place for straight musicals – which also might be the reason the production turned out the way it is. It’s for small-ish revues with songs in them, evenings with songs (“Liederabend”) and it’s for plays with kind of famous-ish actors. The people sitting next to me went home during intermission after he was like “Wait….it’s a Musical!?” right before curtain, probably when he spotted the band. Plus the theatre was half empty on a Friday night.

3. Musical Directing is a serious thing when it comes to a musical. You really should do that. It’s not always “The loudest one wins”.

4. Large groups of middle aged women on some kind of “Ladies’ Night Excursion” are NOT a good idea as audience members. Right after “Just another day” which Diana has her meltdown after juggeling (not literally, though!) all these breakfast supplies including Cornfalkes one of these ladies said – very loud and clear: “And where’s the milk?” And probably thought it was super-mega-funny. And I was like: Is this your problem right now?

5. People grow. Not literally. I mean Dennis Hupka as Gabe was good(man – haha!) on opening night, but now after 1.5 months of performances he owns this. Also Jan-Philipp Rekeszus as Henry was super cool and again….this chemistry with the Nathalie of the night….During “A Promise” I usually am more interested in the story of Diana and Dan, but they made it their story, all about them, the youth, about giving a story a different turn. So: Yay, young people!

6. One thing I’ve come across a lot in my life as a theatre person focussing on musical theatre when talking to people mostly dealing with plays and/or performance only, was them saying: “You know, these actors, singers, whatever – when singing they look not natural. They look like they are just passing various stations they were told. They are weird.” Luckily I think the training of young singers for musical theatre of any kind as somehow evolved in the direction of acknowledging the acting part of musical theatre. Right now in this production of Next to Normal there are two actors with no (not to much) musical theatre background. Guntbert Warns (whom I’ve talked about in the last article…) and Matthias Freihof who is subbing for Felix Martin as Dianas doctors until the end of the week. The funny thing is, that these two usually do all these singers’ cliché poses much more than those who are actually trained singers. 🙂 – on that note: Good job, singers!

7. I realized once again that this whole story/musical itself – at least to me – evolves around a line Dan sings pretty late during the first part: in “You don’t know” he sings Can you tell me what it is you’re afraid of? and btw. I also really LOVE the German version of this line (“Kannst du sagen, was es ist, das dir Angst macht?”). Not being able to talk about things is the key to most of the things dealt with in this show and apparently it is something Nathalie learned at home (not really talking about problems and thoughts, but rather shut people out), which causes all these numbers titled “Hey” in the second act sung by Henry who refuses to be shut out. When this line (“Can you tell me….”) works, when you get the urge to make things kind of alright, when you are touched by this line – the whole production is going to work.

8. I’m still not over most of the things I’ve pointed out right after seeing it on opening night. I still get really worked up about certain things. And by really I mean REALLY!

10 Dinge, die mir die Berliner Next to Normal-Produktion (über mich) beigebracht hat

There’s also an English version of this article which can be found by clicking here – English!

  1. Wenn man Teile der Übersetzung nicht mag und sie deshalb ändert, sollte man sie wirklich zum Besseren ändern. Es ist total okay, wenn man Dinge nicht mag, auch (und vielleicht sogar vor allem) auf diese Übersetzung bezogen – wie ich ja auch schon mehrfach erwähnt hab. Und Änderungen sind auch super – sofern man immer auch die Einwilligung des Originalautors der (deutschen) Textfassung einholt, falls es sehr einschneidende Änderungen sind oder mehr als eine bestimmte Prozentzahl des Texts geändert wird (Urheberrechtsseminare, juhuu!). Andererseits ist es nicht okay, Dinge einfach nur zu ändern, weil man sie ändern möchte – man muss eine wirklich bessere Idee haben. Wenn man sich unsicher ist, ob die Idee wirklich besser ist, kann man den_die Dramaturg_in fragen.
  1. Man kann demselben Regisseur in einigen Punkten sehr zustimmen und in anderen Punkten so sehr anderer Meinung sein. Okay, das hab ich vorher gewusst – es wäre verstörend, wenn nicht, aber kaum eine (Musical)Produktion in den letzten Jahren hat mir das so deutlich gezeigt. Als ich vor knapp zwei Jahren nach Fürth gefahren bin, um mir damals die erste deutschsprachige Produktion von Next to Normal anzusehen, war ich irgendwie enttäuscht davon, wie Gabe in dieser Inszenierung zu sehen war. Für mich ist Gabe nicht der coole, liebenswerte Traumsohn. Für mich ist er böse. Sehr, sehr böse. Ich meine, wenn Diana ihre Familie verlässt, wendet er sich – als Figur jedenfalls, was das psychologisch für eine Art Traumaübertragung ist, ist eine ganz andere Geschichte – Dan zu. Wenn ich eine Produktion von Next to Normal betreuen müsste….nun gut. Thorsten Fischer, der Regisseur der Berliner Inszenierung, stellt hier Gabe wenigstens irgendwie diabolisch, ambivalent und ja, auch böse, zorning und manchmal geradezu bockig vor – was ich sehr mochte. Viele andere Dinge aber, haben mich sehr geärgert, was mich zum nächsten Punkt bringt….
  1. Kümmere dich um deine (Schau-)Spieler. Wer glaubt an einen seltsamen Zufall, dass fast keine Kritik (keine, die ich gelesen hab, jedenfalls…) über Guntbert Warns schreibt? Die Menschen, die in Berlin über Musical schreiben, scheinen einen stillen Pakt geschlossen zu haben und zu versuchen, negative Stimmen über bestimmte Mitglieder der Besetzung zu vermeiden. Das tue ich auch, es gibt mir verhältnismäßig wenig, zu schreiben: DU BIST SCHLEEEEEEEEEECHT! Allerdings: Es ist schlecht. Als ich neulich erst wieder die Broadway-Aufnahme des Stücks gehört hab, ist mir einmal mehr aufgefallen, was für eine musikalisch schöne und (NATÜRLICH!) bedeutungsvolle Partie Dan ist. Herr Warns bringt es da – leider – einfach nicht. Es wird ziemlich viel gesprochen, parlando oder rezitativisch fällt einem da zuerst ein, wenn man über seinen Gesang nachdenkt, und dann leider nur noch schlechter Gesang, was die Inszenierungen auf verschiedene Arten unterwandert. Ich habe irgendwann angefangen, das Musical Next to Normal in seinem Genre anzuzweifeln (so weit muss es erst einmal kommen!): Warum singt jemand, wenn er offensichtlich sehr viel besser sprechen kann? Wie „unnatürlich“ ist denn Musiktheater bitte? Und zumindest in der Premiere hat er für mich so unsicher und ‚unbehaglich’ (das ist ein doofes Wort, aber im englischen Original des Artikels steht uncomfortable, das ist es) gewirkt, dass ich mich wirklich gefragt habe, warum Diana Dan nicht schon viel früher verlässt. Wie auch immer, ich möchte jetzt hier nicht über Guntbert Warns ablästern oder ihn ‚mobben’. Es ist nämlich nicht seine Schuld, dass er für eine Rolle besetzt wurde, die er (stimmlich) nicht erfüllen kann. Der Regisseur und das Creative Team haben ihn besetzt. Ich glaube wirklich daran, dass man sich als Creative Team nicht nur um die Inszenierung kümmern muss, sondern auch um die (Schau-)Spieler. Und manchmal muss man sie beschützen.
  1. Wenn man ein Musical inszeniert/in den Spielplan nimmt, sag nicht, es sei ein „Schauspiel mit Musik“. Einfach nein. Vor allem nicht mit einem Stück wie Next to Normal. Und das merkt man, wenn man dem Score einmal richtig zuhört: Musik und Handlung und Dianas Geisteszustand sind hier musikalisch so sehr verschmolzen, dass es nicht mehr lustig ist. Und die E-Gitarre bei „Wish I was here“ / „Wär ich nur da“ ist da nur der Anfang….Spiel und Musik sind hier ungefähr so verstrickt wie Text und Musik bei Cole Porter Songs. Deshalb sind die auch so eine Bitch zu übersetzen. Aber das ist eine andere Geschichte.
  1. Ähnlich wie Nr. 4: Nur weil man einen Song nicht mag, heißt das nicht, dass man da durchhuschen muss („Song of Forgetting“ / „Lied vom Vergessen“, von dir rede ich – wann genau denkt Diana da nach und gräbt nach ihren Erinnerungen?)
  1. Angenommen man trifft eine künstlerische Entscheidung. Angenommen man mag das optimistische, ‚helle’ Ende nicht, das durch „Light“ / „Licht“ nahegelegt wird. Wie großartig wäre es dann zu dieser Entscheidung zu stehen? Die Spieler eine seltsame und …. unpassende Pose einnehmen zu lassen (so eine seltsame Pärchen-Pose, in der sie sich mit dem Rücken gegen seine Vorderseite lehnt und sich in seine Arme drapiert, ist doch unangebracht für eine Vater-Tochter-Kombo, oder?), dann Black für bestimmt 5 bis 10 Sekunden, alle klatschen, denken es ist zu Ende (weil: so wurde die Pause auch schon eingeläutet, plötzliches Black), dann geht das Licht wieder an und „Licht“ wird gesungen als eine Art Epilog. Was ist das? Brecht im Sinne von „Haha, wir können uns von uns selbst distanzieren?“, ein Hinweis, dass das alles „nur Theater“ ist? Das Ende vor dem Black war stark und berührend und verstörend und fast schon ein fieser Tritt in die Magengegend und dann – BOOM – haha, nur Spaß oder was? Ich bin mir verhältnismäßig sicher, man hätte vielleicht mit den Rechteinhabern eine Lösung finden können und dann hätte die (wahrscheinlich) ursprüngliche Idee auch so stattfinden können….obwohl….nun ja…..
  1. Wenn man besetzt, sollte man darüber nachdenken, wie die Stimmen mit einander harmonieren bzw. sich mischen. Bei manchen Entscheidungen hier denkt man WTF (s. Nr. 3) und bei anderen fragte man sich nur WARUM diese KOMBINATION? (wir machen keine one-(wo)man-show, auch nicht zwei, drei parallel, auch kein Sing-Off, sondern Theater!)
  1. Diana ist keine besonders stabile Person. Dass sie die Zeile „Bin kein Soziopath“ singt, weißt – jedenfalls für mich – darauf hin, dass sie eigentlich einer ist. Sie hat Probleme damit, das Verhalten anderer zu analysieren und entsprechend darauf zu reagieren – das lernen wir schon ganz am Anfang bei ihrem ersten Dialog mit Nathalie und eigentlich das ganze „Wie an jedem Tag“ hindurch. Sie liest ziemlich viel von dem Verhalten anderer als Sex-Anspielungen („Mein Arzt, die Psychopharmaka und ich“….) und meiner Meinung nach sind diese „Witze“, die daraus entstehen, sehr viel kraftvoller und verstörender, wenn man als Zuschauer das Verhalten des Arztes als vieles, aber keinesfalls als sexuell lesen kann. Weil es dann nicht nur so ist, dass man sich als Zuschauer freut, dass der Sex-Witz jetzt ENDLICH durchs Ziel gelaufen ist, nachdem man ihn schon eine Minute lang hat kommen sehen (that’s what she said, Lisanne!).
  1. Nichts wirklich Neues: Ich MUSS einfach mit Musicals arbeiten, wenn ich mal eine wirklich ausgewachsene Dramaturgin bin. Musical hat die Kraft mich ewig zu beschäftigen. Und auch die Inszenierungen selbiger. Vor allem die. (Mag mich jemand einstellen?….kleiner Scherz….)
  1. Nichts wirklich Neues Teil 2, aber es hat mich dennoch mal wieder richtig erwischt: Ich kann so aufgeregt sein FÜR andere Menschen. Für mich selbst so lala, aber für andere ALL THE WAY. Ich war ein Wrack.

10 Things I learned (about me) while seeing the Berlin production of Next to Normal

There’s a German version of this article avaliable which you can find by clicking here – German!

  1. If you don’t like certain parts of a translation and you change these parts make sure you really change them for the better. Not liking things is totally fine, especially with this translation as I pointed out on more than one occasion. Changing things is totally fine, too, as long as you are checking back with the original translator (at least in case these changes are very crucial and/or cover more than a certain percentage of the text). On the other hand – what isn’t fine is changing things for the sake of changing it. If you cannot come up with a better idea then stick to what the translator gave you. When in doubt: Ask the dramaturg for opinion.
  1. You can totally agree with a director in some things and totally disagree on others. Okay, that one I knew before – I’m gonna be a dramaturg eventually. But I think few productions over the past years have made this as clear to me as this one. When I went South to see the first German production of Next to Normal almost two years ago now I remember being a little bit frustrated with the way this production introduced Gabe as the cool, lovely and just overall nice son. To me he isn’t. He is evil. Really, really evil. I mean: When Diana leaves Dan and Nathalie he turns to them instead. If I had to work on a production myself, there would be…..anyway. Thorsten Fischer, the director of the Berlin production, made Gabe at least kind of evil for the most parts – which I was a big fan of. For so many other things though I couldn’t agree less. Which brings me to…
  1. You have to take care of your actors. Do you think it’s a weird coincidence that Guntbert Warns who plays Dan isn’t talked about in pretty much ALL the reviews (at least the ones I read)? Berlin reviewers and German musical blogs seem to hesitate to say something negative. However I do, too. But: It’s bad. Listening to the Broadway recording especially shows how beautiful and meaningful Dan’s part is music-wise. Mr. Warns really isn’t cutting it. There’s a lot of speaking and things that loosely resemble parlando or recitative forms and then bad singing. Which undermines this production in so many ways. I was constantly reminded how weird and not “natural” musical theatre is as a genre itself: Why does someone sing when he is obviously SO MUCH BETTER at speaking? Also: My thoughts are with those who have to harmonize with him every night (especially Gabe and Henry, my thoughts are with you, boys!) At least on opening night he also looked so uncomfortable and all I kept thinking was: Why doesn’t Diana walk out on him WAY earlier? However I don’t want to “bully” Mr. Warns. It isn’t his fault he was cast. The director and the creative team cast him. And I really think as members of a creative team you not only have to take care of the production, but also of the actors involved. And sometimes you have to protect them.
  1. If you are producing/directing a musical don’t treat it as a “play with music”. Just don’t. Especially a piece like Next to Normal. Have you listened to the score? You then might have noticed that the music is so tightly knit together with the words and the plot and Diana’s mental state it’s not funny anymore.
  1. On a similar note as 4 is: Just because I don’t like a song it’s not okay to rush through it (“Song of Forgetting” / “Lied vom Vergessen”, I’m talking about you!)
  1. Let’s say you make a creative decision. Let’s say you don’t like the optimistic ending “Light” / “Licht” suggests. How wonderful would it be to just stick to this decision? Making your actors do a weird and inappropriate pose in the end (what is this couple-y she leans backwards into his front-pose between Dan and Nathalie anyway?), then black the scene out, have a solid 5 to 10 second black, everyone is clapping and then having the lights go on again and “Light” starts as some kind of epilogue. How weird is that? We’ve just witnessed a very tense and thrilling ‘ending’ and then – BOOM – just kidding or what? I’m pretty sure you could have just asked those who represent the writers/”own” the rights and then you might had been able to stick to your initial idea.
  1. If you cast people think about how voices sound with each other. With some casting decisions in this production you just are like WTF (see No. 3) and with others you are like WHY?
  1. Diana is not a very stable person. Her singing “I’m no sociopath” hints – at least to me – to her actually being one. She has troubles reading and reacting to people’s behavior (the very first dialogue between Nathalie and her, basically the whole “Just another day”). And she makes a lot of sex jokes (“My Psychopharmacologist and I”….) in my opinion these ‘jokes’ are a lot more powerful and disturbing when you don’t see Dr. Fine act as if he could mean it in a sexy way. Because then it’s not just everyone cheering for the sex-joke to FINALLY cross the finish line after you’ve seen it coming for about a minute.
  1. I REALLY want to work on musicals when I’m a really grown up dramaturg. It totally has the power to have me worked up for days. It really has. (Anyone wanna hire me? – joking….)
  1. Nothing new but this hit me with all its power: I can be so excited and nervous for other people. I really can. I was a nervous wreck.

 

Gypsy in Her ‘Natural’ Surroundings

I had been a little worried that I wouldn’t find the Red Rose Club. Turns out: You couldn’t miss it, because: RED LIGHT! 🙂

Anyways, when I arrived it was exactly 7:30pm (which was caused by a lack of ATMs around the venue) and director of the production, Martin G. Berger, stands half outside half inside. Well, you rushed here, right?, he said while I was locking my bike.
He looks a little bit like the pimp’s little brother in these surroundings.

I run up the few stairs, pick up my ticket and get rid of my jacket. I take a few steps into the room and find a spare seat – since I’m one of the last ones to arrive the place is already jam-packed. The bartender is an old fashionly dressed woman who looks kind of like what I’ve always imagined a mama of a drag club to look like.

I begin to sweat – people who ride their bikes everywhere might know this, you’re not sweating right away but a few minutes after to actually arrived at your destination – and I wonder a) if other people will notice and b) if they’ll think I’m embarrassed by the environment.
And then I wonder – who else of my fellow audience members also is a whorehouse-first-timer? I recognize the faces of three other audience members and I remember the pianist from Bundeswettbewerb Gesang (next question: It looks like Bijan (Azadian, the conductor and pianist) isn’t wearing any pants – is he wearing pants? – Yes, he was). Anyways, in addition to the audience there are five girls, dressed like the prostitutes you can spot around special locations in the city…they do a little bit of small talk and from time to time they take someone downstairs to – as I will experience myself during the show – watch video interviews with ‘real’ prostitutes working in these very rooms we sat and watched the videos. I – as a single visitor – am ignored for quite some time, I am looking around, listening to what the two musicians are playing and watching the slides on the various flat screens promoting the girls working there.

Suddenly I hear a very soft singing. Those five girls are whispering ‘Let me entertain you’ in the ears of those whom they were talking to just seconds ago. It’s kind of exclusively for those near these girls. I sit very close to one but nonetheless the sound only creeps into my ears. Then Louise enters, talking about her job, being a stripper.

I didn’t know Gypsy beforehand (I know, what a shame!) and I had definitely to do some research afterwards. I remember reading castlists much longer than this one: Three people playing three characters (plus the girls) – Mama Rose, Louise and Herbie. Of course things, songs, were cut and some plotlines we only got to know through what the characters told us – which gave this whole story a very interesting turn of un-credibility, especially since we learned right in the beginning that Rose, but also Louise are not the most sane people you could imagine. We are taken on a bumpy road trip into this story with contemporary changes about talent shows (the in Germany rather well known Dieter Bohlen who became famous for the insulting statements he made as a judge on the German version of American Idol) and a letter about the current situation of sex-workers and prostitutes by Alice Schwarzer et. al. In short: In this very authentic (which we can only assume, because we actually don’t know if it’s REALLY a whorehouse or just a very well played trick…) location, we get a story which kind of is very well fitting into this setting.

And we as the audience are very close to what happens. The sound of the tapping right in front of me actually hurts my ears, when the Herbie fell right in front of me I was wondering (for only a second) if it had been my leg sticking in his way that made him fall, and more to the end Rose sings and sings and get angry and angrier and suddenly grabs my face, singing directly into my face. We get a sense of what happens and not only that, but we get to feel it. Someone falls and he grabs the knee of an audience member. The beginning looks exactly like something you could imagine as a ‘regular’ bar fight.

What I’m trying to state here: In this production we don’t get a steady idea of what is ‘real’ and what is ‘fake’ (heavy duty words over here, uh?). Every time after a unsual event (the mother getting crazy, tieing Herbie to the pole – by the way, this production also features one of the most impressive (loudest) exclamtion of the German word Stripstange which sounds hilarious and means pole) they put up the façade of people working and having a business to keep up to. They do weird stuff and then get their act together again, cleaning the bar, reciting Dieter Bohlen’s meanest statements.

We get as bi-polar as they are. We watch them in a way we watch other peoples’ drama in bars and we get sucked in as kind of voyeurs and that is what makes it so irresistable. And this construction somehow works even though we know they are actors, singers, people pretending to be other people, all the time – that’s out of question from the moment Nini Stadlmann (who, by the way, is great) as Louise tells us to ask her Mama for drinks.

We can’t get out because –  even if we wanted to – they are so ‘in our faces’ all the time.

Some words about the three people playing the three main characters: yes, Yes, YES! The already mentioned Nini Stadlmann, Katja Brauneis and Franz Frickel were great and ecstatic and – again – they totally made their characters fit into this location.

All these turns and cuts and additions made this production somehow relevant to society, and also to the kind of weird society we are stuck with in Berlin.

And I am very much into theatre productions that are relevant to a kind of reality of life.
And even more into those also being musical productions.
Because somehow you don’t see them very often.
That’s why you gotta love them more.

For some hard facts about the cast and creative team head over to Musicalzentrale or the production company’s website.

Sisterhood. On “Schwestern im Geiste”, Neuköllner Oper

To start off: I like Judith Butler. I read my fair share of gender theories. Around age 20, 21 I wore my hair in a rather short cut, feminist stuff.

Basically that is why I was excited about the latest musical of the UdK musical/show programme. Their third year has 7 female and 2 male students – which is challenging when thinking about creating a musical especially for them. Peter Lund and the students chose a rather interesting situation: telling part of the story of the Brontë sisters and combining it with three ‘modern’ female characters (like: the Brontës’ today’s equivalents). Okay, so far, so good.

After most of the UdK musicals focused more on the male characters (e.g. with Stimmen im Kopf it was the issue that during the exposition the female characters took action only to give the male characters a better, glamorous entrace – nonetheless the statement was rather gender-independent), I really wanted to like a piece mostly about women.

But let me state something: It wasn’t so much about women.

While we see the historical storyline evolving around the ‘real’ lives of the sisters, their brother, their maid and assistant reverent Arthur Bell Nicholls, Charlotte’s future husband, the today’s storyline focusses a liture class in high school. Two students and a teacher more or less ‘fighting’ their ways through the Brontë-chapter of the curriculum. Obviously the teacher is driven by her own fondness of the Brontë-sisters as women being ahead of their times – which soon makes the unruly of her students, Milly (who has a difficult family backstory, an alcoholic mother and a not really present father), speak up to her and call her a lesbian.
And guess what?
Yes, she REALLY is a lesbian. (that HAS to be THE thing of an educated women teaching about women in literature and women ahead of their time. How could I forget?) Well, since Milly struggles with her grades and probably won’t be able to graduate, she starts a little fling with her teacher and afterwards blackmails her to get through finals – in the end she doesn’t even take the finals because she finally realized high school graduation isn’t for her. Regarding the other student, Aylin, a headscarf wearing kid of Turkish immigrants – she’s smart and hardworking, but her family wants her to marry her cousin (who might look a little bit like Matt Damon) shortly before the graduation so that she won’t be able to take her finals. She – opposite to Milly – comes back in the end to take her exam because her cousin seems to have more understanding of how important the graduation is to her.

In the historic storyline we learn about class distinction (the maid Tabby’s got a thing going with Mr. Nicholls!), not having enough money, loads of writing and a almost always drunk brother, but we also see three sisters who think about morals very different from each other (what I guess is an interesting point and made them centre of this musical in the first place). Anne, the youngest, is really into this whole marriage-love-thing, while Emily is just an unruly female interested much more in nature than in regular (these times) ‘female stuff’ and Charlotte is a rather opaque character – rumours even say that she might as well had been a lesbian back when – and marries Mr. Nicholls after all of her siblings died.

Okay, the plot seems quite understandable, but what bothers me the most is, that although male power is pretty much not shown throughout the show (the two male characters might have some kind of power as male parts of society, but they don’t have any power as characters per se) – there is a general power of men shown/sensable. Most obvious with Aylin’s story (of course, because that’s what the cliché says…), but also with Milly (the father who is or is not there, from time to time..best part of the dialogue: “I want to talk to your parents!” – “As if my father was interested!” – “Then your mother!” – you see what happend here?) and with Lotte, the teacher, as some kind of power which made her decide to be gay or not (and of course on a different level as some kind of male hegemony she tries to deny with being gay but also can’t because….men.).

More than once it is mentioned (in both storylines), that we all (but also: women, because they told us in the first place) live to be loved (by a man). In the second act Lotte comments on a scene like this from the historic storyline (“Bullshit!”), just in order to be made look stupid by Milly seconds later. Well played, well played.

Anyways…just to comclude my rambling about the piece itself: What could have been a very powerful piece for women (both on and off stage, for those performing and those watching) just isn’t. Plus for me it also has the problem that in half of the plot (the today-part) the characters aren’t able to interact singing-wise. So we get one introspective song after song after song (and I have the feeling that it kind of was the same with the other storyline).

But know to the things I really liked. First of all: The music. I liked how it was slightly different from most of the things I’ve heard of Thomas Zaufke, both other UdK musicals and at my ‘old home’ GRIPS Theater. Sadly I can’t say much more about the music (expect for: I liked it), because I am not an educated musician or musicologist and I was too busy having my feminist issues with the plot. But I remeber liking the song about Angria a lot. It gave the whole part (and the siblings) new dynamics and finally gave the more or less rigid characters a reason to move.
Another smart move was giving Branwell so many high notes to sing, because that’s basically what I imaginge a brother of three strong sisters doing…. 🙂

I also really liked the set – it was like a weird shaped half pipe, the downer part mostly black with some words written on them, the number of them increasing with the height, finally making the whole upper part white – which made it also look like mountains or wild water (they are going to Angria by ship). With the wild water association also came one of my favourite scenes – the death of (YES! a male character) Branwell Brontë who really died of a combination of Bronchitis and kidney failure (due to high alcohol consumption). It looked as if he’d drown in the wild waves of the set, fighting them, being thrown back by them. And this is – at least partly – what actually happenend to him: He drowned in alcohol.

And lastly: I always like going to these things because I like to see how young performers are educated. Basically it is because my education is so different from their, but we all (want to) do theatre – so it’s always great to see what they do when they are still in school. This year is also the first year when the thought hit me about their ages; they are around my age and not like “adult performers” (that was what I saw them as when I first started to go see these UdK productions back with Leben ohne Chris). Anyways – they conquered their piece rather gracefully. My personal stand-outs were Dalma Viczina as Emily, Theresa Scherhag’s fierce acting as teacher Lotte (much older than she actually is, and NO, I didn’t like it because it might have been the most feminist performance. No. I already saw from her performance at the Bundeswettbewerb Gesang finals that she can be a strong actress) and Sabrina Reischl’s comedic talent and timing as Tabby. But for all of them I can only say: I’m very excited to see it again when they’ll revive the show (which they usually do) and to see how much they’ve grown both performing wise and into their characters.

I’m going to end with a little anecdote about fellow audience members: Right in front of me and on my left side sat a couple of older people. They very openly laughed about every “mufti”- and cliché joke about immigrants and froze to solid ice when Milly and Lotte kissed in the last seconds of the first half. Well, even in a city like Berlin and even in a theatre as the Neuköllner Oper you get weird last century audience.

Please, people, read Judith Butler.
Or Alice Schwarzer.
Or something.

For more information about the cast and creative team head over to the website of Neuköllner Oper.

My Week #13, Oct 28st – Nov 3rd.

what I saw
I went to see “Cosí fan tutte III” at the Tischlerei of Deutsche Oper Berlin. After my two nights of working in a row I was so tired and I had a headache and my car was parked somewhere where they’d start a construction at 10pm (and sometimes they even tow cars on Sunday nights…) and I so didn’t like it. I went home at intermission for the first time of my life!

what I read    
dance studies stuff. as always. And some things about Next to Normal for the concept I need to write.

what I listened to
Next to Normal. Next to Normal. First Dat. Next to Normal. 35 MM by Ryan Scott Oliver. Some weird people singing at a karaoke bar.

what I bought 
stuff for my mother’s advent calender. greens.

what I did  
Work, uni, more work and I worked out. I went to my new favourite place to eat out twice, once on my own and the second time on a salad-date with my sister. I met friends at a karaoke bar which was my first ever karaoke experience, a friend of mine and I did sing “For good” from Wicked and accidentally that happenend on the 10th anniversary of Wicked on Broadway!
And I created a Facebook-Page for this blog! So if you want to know the latest stuff and some quick news-updates head over there and click “like”!

where I travelled
Berlin, by bike.