Theater thoughts

Wenn Judith Butler eine Cabaret-Show hätte

Hedwig and the Angry Inch in Frankfurt

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr ins Rhein–Main-Gebiet gezogen bin, war ich bereits im Zug hierher etwas wehmütig: Ich hatte die Musical-“Szene” in Berlin lieben und zu schätzen gelernt, ich hatte eine Ahnung davon, wo es die ‘richtigen’ Veranstaltungen gibt und wen man im Notfall fragen kann. Und das hatte ich eben im Rhein-Main-Gebiet nicht so. Also gar nicht.

Dass ich gut einen Monat nach meinem Umzug hierher in einer wundervollen Produktion von The Last 5 Years saß, steht auf einem anderen Blatt (und in diesem Blogbeitrag…#seewhatididthere) und tatsächlich gibt’s hier einige Dinge zu sehen. Ich weiß, ich weiß, wer hätte das gedacht.

Wie dem auch seit – vor inzwischen knapp zweieinhalb Wochen fand ich mich in der Premiere einer neuen, kleinen – und doch gleichzeitig ganz großen – Produktion wieder, ein weiteres Zwei-Personen-Stück, eine weitere Off-Spielstätte, wieder mal in Frankfurt, nur mit weniger Liebe – also jetzt rein inhaltlich, denn es gibt Hedwig and the Angry Inch, ein Stück, das ich noch nie gesehen hab, obwohl ich während der Broadway-Spielzeit in New York gewesen bin und in diesem Frühsommer die wunderbaren Kolleg_innen von Studio Lev eine sicherlich ultimativ sehenswerte Produktion auf die Beine gestellt haben.

Meine Kenntnis des Stücks beschränktlich sich also auf Neil Patrick Harris’ “Sugar Daddy” bei den Tonys, der ja vor allem LAUT gewesen ist, sowie auf die Details, die ich mir für ein Tutorium angelesen hatte, das ich im Masterstudium gegeben habe. Doppeltes Cross-Dressing find ich als Konstruktion nämlich spannend. So, jetzt ist’s raus.

So, nun sitze ich also in der Brotfabrik in Frankfurt und bin gleichzeitig in einem ranzigen Etablissement im Nirgendwo, ich bin in einem Trailerpark im Mittleren Westen, ich bin in einem Kabaret-Club, der seine besten Tage hinter sich oder noch vor sich hat (je nach Gentrifizierung), ich bin in einem Rockkonzert, in einer Fluxus-Performance, in einer Gruppentherapiesession, es sind die 80er, die 90er es ist irgendwie heute – es ist der Zeit enthoben. Alles das, gleichzeitig und ganz schnell hintereinander – und plötzlich verstehe ich die Faszination dieser Show, die auf dem schmalen Grat zwischen “Oh hallelujah! Im Ernst?!” und “Oh mein Gott, JA!” wandert. Wir sehen hier mit Hedwig (Michael Kagus) einer Figur dabei zu, wie sie sich vor uns nackig macht – vor allem im übertragenen Sinne, die uns alles erzählt, worum wir sie nie gebeten haben (oder vielleicht doch? die Verabredung zwischen Zuschauer und Spieler….). Wir werden absurde Zeugen eines Therapiekonzerts, in dem die, die ganz unten sind, noch weiter nach unten treten, nämlich nach Roadie-Backup-Singer-Zwitter Yitzhak (Kathrin Hanak), der_die am Ende dieses Abends, ganz wie es der Name will, zuletzt lacht – allerdings nicht ohne, dass uns das Lachen gehörig im Halse stecken bleibt.

All diese Gratwanderungen sind nicht nur dem Thema eingeschrieben (Judith Butler, du Heldin meiner Studienjahre!), sondern auch dem Stück und vor allem auch der Inszenierung, die selbst eine scharfe und gleichzeitig wichtige Grenze auslotet: Zwischen “tatsächlicher” (Theater-)Regie und einer Art behutsamem Musical-Staging pendelt Thomas Heeps Regie, bis man sich selbst kaum noch sicher ist, ob wir nun einem geschlossenen Stück oder einem wirklichen Konzert zuschauen, wer hier gerade was spielt und ob wir hier gerade eigentlich einem Mann dabei zugucken, wie er eine irgendwie nur schwerlich ‘durchgehende’ Frau (der Begriff des ‘passing’ ist ja in der Cross-Dressing-Szene ja um einiges wichtiger als im Drag…) spielt oder nicht vielleicht doch einer Frau, die einen Mann spielt, der eine Frau spielt.

Mit Hedwig ist es schwer. Vor allem ist es schwer die Distanz zu behalten, nur Zuschauerin zu sein. Hedwig umarmt einen, lullt einen ein, Hedwig ergreift Besitz und Hedwig würde dich am liebsten im nächsten Moment vor die Tür setzen. Hedwig ist die liebenswerte Drag-Mama, die sie im Buche steht, sie will von dir nichts wissen, sie braucht uns aber, um sich an uns auszuloten.

Hedwig hasst das Rampenlicht.
Und sie liebt es.

Und wir lieben sie.
Vor allem hier in Frankfurt.

Gratulation an die Menschen von Off Musical Frankfurt, denen hier ein wundervolles Debut mit Herz gelungen ist. Lasst uns bei Gelegenheit noch einmal richtig drauf anstoßen!

weitere Infos mit Hardfacts, richtigen Szenenbildern und der Möglichkeit Tickets für die weiteren Vorstellungen zu kaufen gibt es unter: http://hedwig-frankfurt.de/

meine Empfehlung: für Menschen, die Theater mögen, das sie überrennt, die sich nicht entscheiden können zwischen laut und leise, die das Uneindeutige und das Explizite gleichermaßen lieben (#istdaseineJudithButlerReferenzoderkanndasweg?), die mindestens 16 Jahre alt sind

Advertisements

Kaffeelektüre am Feiertag

Heute ist der 3. Oktober, Feiertag, und ich habe frei.

Ich habe frei!

Wäre ich letzte Woche nicht zwei Tage im Bett mit Fieber gewesen, wäre heute mein erster freier Tag seit dem 24.9. – und: wie frei ist ein Kranktag, an dem man nur im Bett zwischen schlafen und Fieberdilirium wechselt?

Egal. Ich bin gerade in bisschen besessen von einigen Dingen und wollte einmal kurz mit euch “darüber reden”.

Wer in regelmäßigen Abständen meine Ausgaben vom #MusicMonday verfolgt, findet schnell heraus: Ich höre gerne englisch sprachige CD-Aufnahmen.

Das ist allerdings keine bewusste Entscheidung, sondern ein Reflex von Angebot und Nachfrage; es gibt einfach deutlich mehr Neuerscheinungen auf, also gibt es mehr zu hören, kennen zu lernen und man verbringt halt quasi zwangsläufig mehr Zeit mit englischsprachiger Musik.

Dennoch sind in den letzten Monaten drei deutschsprachige CDs – allesamt Live-Aufnahmen – erschienen, die mich gerade durch mein Leben begleiten und immer wieder beeindrucken.

1. Ghost (Linz, 2017)

IMG_7678Obwohl die Aufnahme schon eine Weile auf dem Markt ist, habe ich sie erst Mitte September für mich entdeckt – zumal es ja jetzt mit großen Schritten auf die Berliner Produktion zugeht. Und tatsächlich finde ich, dass es eine sehr schöne Aufnahme ist. Abgesehen davon, dass ich es für eine sehr passende, gut singbare (und ‘sitzende’) Übersetzung ist, legt sich die Linzer Besetzung mächtig ins Zeug und scheint (im Sinne von Miss Wilkinson und “All you have to do is shine”) richtig.

Lieblingstracks: “Drei Worte von dir”, “Finale 1. Akt – Die Zweifel sind nun fort”, “Nur weg von hier”

Für alle, die auf ein bisschen Gefühl stehen und Drama wollen, die dramaturgisch gut gearbeitete Brüche hören wollen, und schöne kleine Riffs auf das Wort “New York”.

2. Disney’s Der Glöckner von Notre Dame (Berlin, 2017)

IMG_7677Meine persönliche Liebe des Sommers war ja Der Glöckner von Notre-Dame, wie ich hier und hier schon ausgedrückt habe. Bei meinem zweiten Besuch haben meine Frau Mama und ich die damals frisch erschienene und exklusiv im Theater erhältliche CD mitgenommen, weil…wie gesagt: Wie häufig bekommen wir neue CDs in Deutschland? Und dann auch noch solche Musik! Inzwischen ist die CD auch im freien Handeln von Sound of Music bis Amazon erhältlich und ich bin immer noch ein Fan.

die ergreifendsten Momente: “Der Klang von Notre-Dame”/ 7:20 bis 7:30, “Aus Stein”, “Finale Ultimo”/ 0:48 bis 1.01

Für alle, die mal wieder hören wollen, wie man das MEGA ins Megamusical tut, die eine dramatisch-atemberaubende Leistung eines Rocktenors nochmal Revue passieren lassen und den Übergang eines 1999er Musicals ins 21. Jahrhundert hören wollen

3. Wonderful Town (Dresden, 2017)

IMG_7676Beinahe hätte ich diesen Absatz angefangen mit “Diese Aufnahme unterscheidet sich von den anderen beiden…” und das stimmt auch – wenn auch aus anderen Gründen, als ich eigentlich zuerst dachte. Wonderful Town ist nämlich sehr viel älter als die anderen beiden Stücke und eines von denen, die man hier im deutschsprachigen Raum sehr bewusst “kennen lernen muss” (obwohl ich in meinem absoluten Lieblingsbuch “Changed for good. A feminist history of the Broadway musical” schon vor langer Zeit drüber gelesen hab). Die nun erschienene Aufnahme ist aus der Staatsoperette in Dresden (ein Staatstheater, HA, eine Gemeinsamkeit mit der Ghost-Aufnahme!) und es ist einfach so schön, witzig und vor allem ein RICHTIG GUTES ZEICHEN für die generelle Musical-CD-Landschaft im deutschsprachigen Raum, dieses Stück als eine Live-Aufnahme zu produzieren. Jetzt ist die Zeit auch nicht mehr ganz so lang, bis ich am 12. November endlich einmal diese Produktion live sehen kann.

Die witzigsten Momente: wenn Ruth in “Hundert gold’ne Regeln, einen Mann zu verlier’n” quasi die Story meines Lebens erzählt, “Für nichts” anhören und dann direkt danach “Let’s have lunch” aus Sunset Boulevard, “Conga” (was sich alles reimen kann!)

Für alle die, wie eine sehr liebe Freundin und immer wieder mal Kollegin, einmal sagte “keinen einzigen Moment schlechte Musik” miterleben wollen. Zumindest schonmal auditiv.

#MusicMonday … Throwback edition

Nachdem ich letzte Woche (trotz eines freien Montags, aber wegen einer sehr ausgedehnten Premierenfeier am Vorabend…) der #MusicMonday hier auf dem Blog ausgefallen ist – immerhin gab es eine Pseudovariante auf der Facebookseite – sind wir heute mit einer Throwback-Edition zurück!

Normalerweise versuche ich ja mehr oder weniger erfolgreich und/oder offensichtlich meinen Beruf und den Blog zu trennen (deshalb habe ich zum Beispiel auch nichts zu Jesus Christ Superstar am Hessischen Staatstheater Wiesbaden geschrieben, wo ich letzte Woche in der Premiere war, weil…es ist schon irgendwie “mein” Haus), aber heute muss es mal sein.

Als ich nämlich gestern ENDLICH mal wieder den ausgelatschten Pfad von Glöckner und The Great Comet verlassen hab musiktechnisch, bin ich irgendwie bei Jasper in Deadland gelandet. Und dann ist mir aufgefallen, dass es ein inzwischen fast ZWEI JAHRE ALTES Video gibt, was sehr lustig ist (und unglaubliche 1000 Views auf Youtube hat…#ironie). Was sind wir alle klein und was hat Lisanne am Anfang für einen peinlichen Auftritt (ohne Mikro für Sänger kein Lied, Lisanne!) – es ist zum Brüllen komisch, finde ich, und immer wieder eine schöne Erinnerung.

In diesem Sinne: Lach, wenn du nicht mehr lebst! #lol

 

Deutscher Musical Theaterpreis 2017

Die Nominierungen und ein Kommentar dazu

Anfang dieser Woche wurden die Nominierten des Deutschen Musical Theaterpreises 2017 bekannt gegeben, ein Preis, der seit 2014 offiziell (damals an Helmut Baumann als einzigen Preisträger) und seit 2015 dann so richtig jährlich verliehen wird.

Für die, die sich in der (deutschen) Musical-Szene nicht so besonders auskennen: Der Deutsche Musical Theaterpreis versteht sich als ein Preis “von Musical-Profis für Musical-Profis” (so steht’s auf deren Website) und ist quasi wie die Tony Awards (nur seeeeeeeeeeeeeeehr viel kleiner) in Deutschland oder wie DER FAUST, der jedes Jahr vom Deutschen Bühnenverein verliehen wird – nur eben fürs Musical.

Das Prinzip ist einfach – Produzenten können ihre Uraufführungen aus dem deutschsprachigen Raum für diesen Preis vorschlagen, eine Jury wählt dann aus denen aus und nomiert bestimmte Produktionen.

Da ich leider von den nominierten Produktionen KEINE EINZIGE gesehen habe (jo, I know, shame on me!), denn meine eigene Arbeit in Staatstheatern fordert ihren Tribut – kann und will ich mir keinen inhaltlichen Kommentar zu den Nominierungen erlauben außer: Gender Equality scheint – wenn man die Nominierten als ein repräsentatives Abbild der Bewerber und die widerum als ein repräsentatives Abbild der deutschen Musicallandschaft sieht – nicht besonders großgeschrieben zu werden…so sind drei von drei nominierten Kompositionen von männlichen Komponisten, in der Kategorie “bestes Buch” konkurrieren vier Männer (zwei 2er-Teams) mit einer Frau, während die Liedtext-Nominierungen wieder ausschließlich in männlicher Hand sind. No shade being thrown here und die Kollegen haben sicherlich eine herrliche Arbeit geleistet, aber es stellt sich dennoch ein wenig die Frage, WO genau das Problem liegt. DASS es ein Problem gibt, ist glaub ich kaum zu bestreiten.

Nun aber zum eigentlichen Kommentar! (ENDLICH, Lisanne!)

Ich verstehe – und in gewisser Weise schätze ich auch – die Initiative der Deutschen Musicalakademie, deutsch(sprachig)e Uraufführungen zu fördert, auszuzeichnen und über ihre lokale/regionale Strahlkraft hinweg bekannter zu machen. Und um das mal mit den Worten des Bürgermeisters meiner Kindheit und Teenager-Zeit zu sagen: Das ist auch gut so.

ALLERDINGS gibt es da zumindest aus meiner Sicht einige kleine Problemchen:

So groß ist die “Flut” an deutschsprachigen Uraufführungen auch nicht, dass dieser Preis tatsächlich jedes Jahr genug Auswahl hätte. Und nicht einmal die Nachspielungen deutscher Stücke würde das massiv verändern, werden doch die Spielpläne in Wellen immer noch von Evita, Jesus Christ Superstar und West Side Story dominiert (nicht, dass irgendwas falsch wäre mit diesen Stücken, ich mag sie sehr, nur innovativ ist meist etwas anderes…). Auf der Bewerberliste für dieses Jahr stehen 17 Produktionen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund – manche sind in kleinen Stadttheatern oder in Landesbühnen produziert worden, mache an Off-Spielstätten in Berlin, andere an Freilichtbühnen oder relativ großen Stadttheatern und wieder andere an Institutionen, die über ihre Landesgrenzen bekannt sind (Volksoper!). Diese Vielfalt ist toll und sie bildet tatsächlich die Vielfalt der deutschsprachigen Theaterlandschaft ab, zumindest was die Größe und Struktur der Theaterspielstätten angeht.

DENNOCH ertappe ich mich jedes Jahr wieder dabei, wie ich mir wünsche, dass sie Kategorien um die eine oder andere erweitert werden würde, denn es lässt sich kaum leugnen, dass vieles an Inspiration, Kreativität und Innovation aus dem (englischsprachigen) Ausland zu uns rüberschwappt. Theater beweisen immer wieder den Mut, nicht nur Uraufführungen zu bringen, sondern auch Erstaufführungen, Wiederentdeckungen, Ausgrabungen abseits der Dreifaltigkeit des Megamusicals.

Deshalb, liebe Musicalakademie, erlaube ich mir hier, ein paar träumerische, utopische, aber auch ernstgemeinte Vorschläge zu machen:

Beste Erstaufführung – in der vergangenen Spielzeit brauchte das TfN in Hildesheim die deutschsprachige Version von Dogfight, es gab gleich zweimal Die Brücken am Fluss, in vergangenen Jahren gab es Ragtime und Next to Normal, in Trier wurde die deutschsprachige Erstaufführung von Murder Ballad dann “dank” Intendatenwechsel doch nicht gebracht und das sind nur einige wenige Beispiele. Die Theater, die das programmieren, wagen mit vielen Erstaufführungen immer auch ein thematisches, inhaltliches oder formales Experiment, das die Musical-Sehgewohnheiten der meisten deutschen Theatergänger_innen herausfordert. Sollte das nicht gewürdigt werden?

Beste Regie – so generell. Es gibt zwar auch viel “so la la”-Musicalregie in deutschen Theatern, aber es gibt so viele Regisseure und Regisseurinnen, die immer wieder erstaunliches leisten. So hat Martin G. Berger zum Beispiel einige wunderbare, provokante, erschütternde und anrührende Inszenierungen geschaffen und war bisher mit Ausnahme seiner Arbeit Stella im letzten Jahr (wo er ihn dann auch mit nach Hause genommen hat) ausgeschlossen, weil er sich an Vorlagen abgearbeitet hat, sie aufgebrochen hat und uns neue Farben der Stoffe gezeigt hat.

Beste Übersetzung – wenn wir über Erstaufführungen sprechen, müssen wir auch über Übersetzer_innen sprechen. Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass wir alle schonmal in einer Musicalinszenierung saßen und es uns eiskalt den Rücken runterlief, weil der Text entweder unsingbar war, seltsame Formulierungen oder endlose Elipsen enthielt oder man sich schlicht und einfach fragen musste: Wie wäre das jetzt wohl im Original? Wenn Texte, vor allem Liedtexte, nicht im Original deutsch sind, dann beeinflusst die Übersetzung unser Seherlebnis entscheinend. Und wie viele Menschen verwechseln eine ungute Texterfahrung vielleicht einfach mit “Uhh….das war aber kein gutes Musical”?

Beste Darstellerin / Bester Darsteller – s. Regie, so ganz generell. Weil ganz ehrlich: Wollen wir, dass Kraftakte wie David Jakobs’ Quasimodo im Glöckner von Notre Dame, oder Sarah Schütz’ Arbeit in Wonderful Town in Dresden als nicht preiswürdig abgetan werden? Eben.

Irgendwann wären natürlich auch noch etwas ‘abgedrehtere’ Kategorien denkbar wie “Bester Off-Produzent” oder ähnliches, um die kleineren, hartarbeitenden Produzent_innen-Gruppen in ihrer Arbeit zu würdigen. (Special-Shoutout here für Studio Lev in Kassel, die seit Jahren wunderbare auch politische Arbeit mit Laien und Profis gleichermaßen leisten!)

Lasst uns Musical feiern und mit Preisen bedenken! Aber so richtig und mit Freude an der Vielfalt und Innovation.

Welche Kategorie würdet ihr hinzufügen wollen, wenn ihr könntet? Und was war eure liebste Musicalproduktion des vergangenen Jahres?

 

 

4 Dinge …

die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner gelernt hab

Ich darf mich zwar seit über einem Jahr großspurig Master of Arts nennen und manche würden an dieser Stelle denken, sie müssten nichts mehr lernen – allerdings glaube ich tatsächlich an lebenslanges Lernen (dass ich in meinem Vorhaben, in meinen vier Wochen Spielzeitferien Französisch zu lernen, grandios gescheitert bin, ist Stoff für einen anderen Tag…..) und ich glaube tatsächlich noch mehr daran, dass (wiederholte) Theaterbesuche einem wirklich Sachen beibringen können, wenn man nur wach genug zuschaut.

Nun also….Vorhang auf für 4 Dinge, die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner von Notre-Dame gelernt hab:

Ich liebe erzählerische Klammern
Das ist ein bisschen gelogen, das habe ich nicht gerade erst gelernt. Ich liebe erzählerische Klammern ungefähr seit der 5. Klasse, nachdem man mir überzeugende Argumente bot, dass “und sie wachte auf und alles war nur ein Traum” KEIN Moment guten Erzählens ist – generally speaking. Erzählerische Klammern können genau diese Funktion aber übernehmen, oder viel mehr: mit eben so einer haben wir’s beim Glöckner zu tun.Aus irgendeinem Grund habe ich erst jetzt wirklich realisiert, dass die ersten solistisch gesungenen Phrasen von Chlopin kommen – und er auch ganz zum Schluss auch gewissermaßen als Spielleiter (man könnte auch sagen Conferencier, Lisanne!) ganz selbstbewusst das Wort wieder ergreift, Quasimodo seine Quasimodo-Requisiten abnimmt und so das Spiel ‘Glöckner von Notre-Dame’, was in dem Moment angefangen hat, in dem sie ihm den Buckel anlegen, beendet. Solche Konstruktionen machen mich doch immer wieder sehr, sehr froh, auch weil ich ein erzählerische Distanz (“Du, sag mal, ist das jetzt deine Brechtsche Distanz?” – das hab leider nicht ich gesagt…ich find’s trotzdem lustig) ganz toll finde – und da bin ich in diesem Inszenierung nunmal sehr richtig.

und Theatermomente
Das ist jetzt auch nicht das große Geheimnis, das hier entdeckt wird – es ist ja auch schon in meinem ersten Artikel zu dieser Produktion deutlich geworden. Aber ich konnte bei meinem zweiten Besuch genauer lokalisieren, wo das, was ich Theatermoment nenne, anfängt – und das ist tatsächlich viel früher der Fall als ich bis jetzt gedacht habe. Diese Inszenierung braucht nicht einmal diese sprossenwand-artigen Holzrequisiten, die Turmgeländer, Pufftür oder Gefängniszelle sein können. Der ‘einfachste’, wenn man so will ‘spießgste’ – und vielleicht gerade deshalb so befriedigende – Theatermoment wird gewissermaßen PERMANENT erzeugt, nämlich indem die Erzählerstimmen wechseln, sich ablösen (auch in der Bewegung im Raum, übrigens) und die Geschichte so vor uns, dem Publikum, ausbreiten und es uns so möglich machen in die Handlung rein- und dann wieder rauszuzoomen (und ganz nebenbei wäre die Erzählstruktur ein Paradebeispiel für Gerard Genette mit seinen verschieden Zeitformen des Erzählens….).

Diese Produktion ist ein Ensemble-Stück par excellence
Ich weiß, letzte Woche habe ich vor allem von zwei Herren geschrieben, die mich wahnsinnig beeindruckt haben – und das hat sich beim zweiten Besuch nicht geändert…eher im Gegenteil. Allerdings fällt bei genauerem Hinsehen relativ schnell auf, dass diese Menschen nur so scheinen können (“All you really have to do is shine” as Mrs. Wilkinsons aus Billy Elliot sings…), weil sie über diesem eng gewebten Netz aus Ensembleaktion schweben. Das ist natürlich besonders augenscheinlich in Momenten, in denen Kollegen einander tatsächlich Hilfestellung geben oder als Sicherheit da sind (Sprünge, Hebungen, ‘Stunts’ etc), allerdings sind sie auch vor allem durch die Auflösung der Wasserspeier in das Ensemble immer auch quasi-solistisch präsent, wenn es eigentlich ganz kleine, intime Szenen sind.
Also: Brava, Ensemble, brava! (as Seth Rudetzky would put it)

auch in solchen GIGANTISCHEN Produktionen gibt es bessere….und schlechtere Vorstellungen
Ich hab ja damals (2010….uaaaaah) noch angefangen unter Erika Fischer-Lichte zu studieren und ich glaube, wir können alle von damals noch herunterbeten, dass ja jede Aufführung tatsächlich einzigartig ist durch die autopoietische Feedbackschleife, durch die Energien, die sich gewissermaßen zwischen Bühnen. und Zuschauerraum (so denn eine klare Trennung tatsächlich möglich ist) und natürlich auch durch die jeweils eigene Disposition während der Aufführung. Gerade bei so großen Produktionen, in denen es unter Umständen manchmal auch einfach darum gehen kann, alle Markierungen zu treffen, alle Schritte zu erinnern und zur richtigen Zeit das richtige Requisit dabei zu haben, neigt man immer wieder dazu eben das zu vergessen – ich auch, obwohl die Kategorien “gute Vorstellung” und “schlechte Vorstellung” tatsächlich in meinem täglichen Leben im Repertoirebetrieb vorkommen. Wahrscheinlich macht eben diese Leugnung von Tagesform, Energiedifferenzen und autopoietischer Feedbackschleife (ich geb’s zu, ich wollt’s einfach nochmal schreiben…) die Einteilung zwischen ‘tatsächlichem Theater’ (dem ernsten Theater, das, was WIRKLICH relevant ist…Ironie…) und “Kunst als Objekt kapitalistischer Spekulationen, als Ware”,* als die wir Musical-Großproduktionen wahrzunehmen scheinen, so einfach. Aber so ist das nicht. Ich weiß nicht genau warum, was da passiert ist – es lag schließlich weniger als eine Woche zwischen meinen beiden Besuchen – die zweite Vorstellung erschien mir eindeutig konzentrierter, wacher und deshalb auch präsenter, mit mehr Sendungsbewusstsein und NOCH mehr erzählerischem Potenzial. Und dass ich mit diesem Eindruck nicht allein bin, beweist mir in solchen Momenten immer meine Mutter, die mit mir zwar über die Jahre schon durch eine harte Schule der ewigen Theaterbegleiterin einer Tochter in verschiedenen Stadien der Professionalisierung gegangen ist, sich aber eine gewisse Unbedarftheit bewahrt hat – sie drehte sich in der Pause zu mir um und sagte: “Heute ist es irgendwie [noch] besser als letzte Woche.”

Bin ich allein mit meiner Vorliebe dafür, Produktionen / Inszenierungen durchaus mehrfach anzusehen? Beim Glöckner hat sich mein Eindruck jetzt nicht grundlegend geändert – obwohl das auch manchmal beim mehrmaligen Zusehen der Fall sein kann.

Ist euch das auch schon einmal passiert?

*dieses Zitat ist leider nicht von mir, sondern wird sinngemäß so von Thomas Siedhoff im Vorwort zu seinem “Handbuch des Musicals. Die wichtigsten Titel von A bis Z” (Mainz, 2007) erläutert.

Draußen!

über Disney’s Der Glöckner von Notre Dame in Berlin

Mit diesem Stück habe ich mich glaub ich so um 2005 zum ersten Mal geärgert. Nämlich darüber, dass ich es in seiner Uraufführungsspielzeit im Theater am Potsdamer Platz nicht gesehen habe. 1999 war ich 8 und 2002 11 Jahre alt und somit war Der Glöckner von Notre-Dame irgendwie das erste Stück, dass ich rückblickend RICHTIG KNAPP verpasst hab.

Komischerweise resultierte das nicht in einer totalen (Pubertäts-)Obsession, die kam erst leicht abgemildert, als 2014/15 in den USA das Quasi-Revival gefeiert wurde, nur um dann NICHT an den Broadway transferiert zu werden.

Letzten Sommer wurde dann die aktuelle Produktion für Deutschland angekündigt – in meiner Heimatstadt! – und ich zog nach Wiesbaden. Egal, denn nun hab ich’s endlich nachgeholt.

Viele Leute haben nach dieser Premiere inzwischen viel geschrieben über dieses Stück, und deshalb mag ich gar nicht so alles durchhecheln, sondern ‘nur’ über die Dinge sprechen, die besonders beeindruckend waren und die mich nun einmal mehr zuversichtlich in die Zukunft dieses Genres gucken lassen.

Letztes Jahr beendete ich meine Masterarbeit sinngemäß mit der Frage, was passieren würde, wenn wir Musical-Inzenierung egal welcher coleur und egal welchen Bugets politisches Potenzial zutrauen würden – und mit der Aufforderung, das auch zu tun (ob meine Betreuerinnen, die einzigen Leserinnen bisher, das jetzt tun, ist anzuzweifeln…). Und als ich nun am Samstag im Publikum saß und das Treiben auf der Bühne beobachtete, dachte ich mir: YES! Lasst uns das mal wirklich tun!

Denn gerade bei diesen Mega-Produktionen in den “Kommerztempeln” (so ein wörtliches Zitat einer meiner Dozentinnen aus dem Masterstudium…) ist es leicht, auf Bespaßung zu setzen, auf die totale Illusion und auf Knalleffekte, Trickkostüme, Bühnenverwandlung an Bühnenverwandlung. Und das wird ja auch häufig, gut und gern getan.

Scott Schwartz, der Regisseur, hat sich hier allerdings auf das genaue Gegenteil gestürzt: wir bekommen hier quasi den Vorgang des Erzählens selbst zu Gesicht, wir lernen, wie Geschichte(n) geschrieben wird, und so lernen wir auch, das Inkonsistente, das Konstruierte und das Uneindeutige der Figuren zu sehen. Indem reihum Ensemblemitglieder in (Teil-)Sätzen erzählende Passagen sprechen, indem sie zwischen Quasimodos ‘Freunden’ aus Stein und der Bevölkerung Paris’ wechseln, die jeweils nur eine Mönchskutte voneinander entfernt sind, knüpft das Stück hier an eine frühe Tradition der mündlichen Überlieferung an: vielstimmige Erzähler machen mit Worten Geschichten größer, kleiner, detailreicher oder abstrakter – und konstruieren so die Geschichte(n) und ihre Figuren immer ein bisschen neu.

Überhaupt steht Konstruktion im Mittelpunkt dieser Inszenierung. Das Prozesshafte der Erschaffung von Figuren, Charakteren und Persönlichkeiten wird uns hier immer und immer wieder vor Augen geführt – und wirft uns so auch zwangsläufig die eigenen Konstruiertheit und Performanz der eigenen Identität (ja, ja, Lisanne, du kleiner Butler-Nerd, ist gut!) zurück. Nicht zuletzt steht hier auch immer wieder Behinderung und Behindertsein als etwas, das ausschließlich oder zumindest zu einem großen Teil im Verhältnis bzw. in Abgrenzung zu einer Mehrheitsgesellschaft existiert, im Mittelpunkt. Sei es, dass Quasimodo als normaler Menschen auftritt und auf offener Bühne erst zum Buckligen, Deformierten gemacht wird, oder am Schluss alle ‘irgendwie Quasimodo’ werden, dass es einen deutlichen Unterschied gibt, ob Quasimodo mit sich selbst oder mit anderen spricht: Behinderung und Deformation sind hier Eigenschaften, die wie alle anderen Abgrenzungs-Eigenschaften (‘Zigeuner’-Sein, Soldat-Sein, Kirchenmann-Sein),  vor allem durch Zuschreibungen und Wiederholung aus allen Richtungen existieren. Durch diese stetige Neu- und Wiedererzählung der Charaktere, von Gut und Böse bleibt die Produktion auf einer Meta-Ebene ständig in der Schwebe – auch wenn natürlich (auch für mich) eindeutig klar ist, bei wem die Sympathien liegen.

Der ‘neue Glöckner’ hat mich ganz persönlich vor allem auf einer intellektuellen Ebene abgeholt und befriedigt hat, der Produktion ist anzusehen, dass sie durchdacht ist, dass die den Figuren und dem theatralen Erzählen an sich traut und damit schließlich auch, dass sie dem Publikum zutraut, einer erzählten Handlung im Erzählen zu folgen, aus der sich dann schon fast episodenhaft die einzelnen Szenen herausschälen.

Weil ich nun aber trotzdem nicht drum herum komme(n will), auch etwas über die Menschen auf der Bühne zu schreiben, hier in aller Kürze: Es können vor allem die Herren überzeugen, allen voran Felix Martin als Frollo und David Jakobs als Quasimodo. Beide habe ich schon häufiger und in diversen Rollen auf diversen Bühnen gesehen (David Jakobs u.a. als ich sechs Wochen lang die Gärtnerplatz-Produktion von Hair als Dramaturgie-Hospitantin beobachtete), hier beide haben es auch hier wieder geschafft, mich zu überraschen, zu beeindrucken und zu berühren – wenn man so will an unterschiedlichen Enden der Sympathie-Skala.

Wobei – im Grunde steht auch diese Zuordnung mit dieser Produktion irgendwie in der Schwebe. Und das ist doch ziemlich angenehm.

“If I didn’t believe in you…”

After my recent move across the country from Berlin to Wiesbaden I was kind of a musical-orphan.

Not that Berlin is an El Dorado for musical folks. But….well….Wiesbaden. 😉

Anyway when my long time internet friend Niklas from Theaterdistrikt texted me about 2 weeks ago if I wanted to try and get a ticket for the opening of “The Last 5 Years” produced by The Musical Season I was all like: “Hell yeah!”

Not only was I really in the mood for meeting new people (Niklas! Hey!) in real life, but in case you haven’t noticed: I’m a really big fan of anything Jason Robert Brown. From Parade to Bridges including The Trumpet of the Swan, you name it, I love it. Especially The Last 5 Years is one of my all time favourites. This show has been in my life for more than 8 years now and I habe always loved it. Mostly for the concept, but also for the lyrics, for the way the lyrics and the music play with each other and for the way Cathy has the hard job of being not too whine-y in the beginning or the whole evening will be a desaster. I own 4 different recordings of this show (original off-broadway, German, revival off-broadway, movie) and I’ve seen the movie a couple of times (THE SCHMUEL SONG, everybody!).

Almost 5 years ago on this day (Timehop just reminded me of that) I saw a production of it in Chemnitz and now Frankfurt was my second live experience. And while this Frankfurt production was not flawless in every department I loved every second of it. And here’s why:

  1. the stage:  black box, two benches. The musicians spread out over all three wall of the stage. From the walls and the ceiling hanging all kinds of things that make up our lives, our memories, our relationships. Keeping it simple, keeping in real – and a black box can mean the world.
  2. the staging: again. keepin’ it simple. There were a couple of dance moves (The Next Ten Minutes…mostly because – I believe – dancing is easier to ‘rewind’ for the second half of the song than normal movement), but it was best without. After all The Last 5 Years is about people. And about all of the things that can go wrong between them. Yes, there ARE costum-changes, a lot of them, but in these costumes you can always see the characters growing older or younger.
  3. the actors: while the impression these two leave is influenced by the biggest flaw of the opening night (memorizing the lyrics….), Hannah Grover and Andy Coxon manage to take us along on the journey their characters go on. Being alone on stage predenting to have a partner is one of the harder parts of this show and while you deeply understand both sides of the story. Both manage super well with the music (luckily music and lyrics can be two very different things) and small theatres have this amazing things where you sometimes can feel their singing in addition to just hearing it.
  4. the idea: The Musical Season went out to produce smaller scale shows in their original (English) language, bringing Off-Broadway or the West End equal of that to Frankfurt, staging high quality theatre without the big bucks in mind or in the background. Starting with enthusiasm and love for theatre and in a way…sharing their love with us. While we have a well developed off-Scene for most theatrical genres Musical is missing an off-vibe for the most part. This is why the idea behind The Musical Season is very, very welcome to my theatre-world. 😉

It would be amazing to see which show they (HOPEFULLY) conquer next, I most definitely have suggestions. Plus: Seeing this has fueled my own Musical theatre mojo again. Now I only have to find the time and the brain space to sit down and work on some stuff. (YAY)

To those who are still on the fence about whether they should go or not: I was given a free ticket because I work in theatre business. But I was so moved and amazed by the performance and the initiave I simple HAD to donate the money I would gladly have spent on a Steuerkarte. And this, my friends, is the highest thing you could achieve in my books.

 

Special Day

A short thing on why May 27th was a very special day for me

On May 27th an era kind of came to an end. I saved a 85 pages Word-Document as a PDF file, hit the copyshop and printed it out five times, had it bound and took it home. There I put three of the copies in an envelope, put the address of my university on there and got it ready to take to Leipzig the next day.

That, ladies and gentlemen, was my Master thesis.
It’s finished.
It’s dropped off at the Prüfungsbüro.

Now the era of not thinking about sex and musicals and feminism in musicals all day every day begins!

On Friday I took my mother to see my friend Eric Lee Johnson for his solo show debut at a small and very charming theatre in Berlin Schöneberg. I remember when we last got together for a coffee Eric told me he might sing a song by Marc Schubring that I translated for a student of his earlier this year (which marked the first time someone asked me to translate something). To be honest I was all ike: Yeah, let him talk – and let’s see if that REALLY happens. (sorry, Eric…)

Then last Friday I met a mutual friend of ours and she was like “You know, he’s gonna sing “Completely Different” – and Marc’s gonna be here!”. And then that’s what happened.

As I’m still in the very beginning of my translating it’s VERY exciting to hear my German words being sung by people who aren’t me torturing my neighbours with endless shouting and trying to be a soprano or a tenor… Only when someone that isn’t me sings those German words I can listen to it as a dramaturg and judge it the way I would do translations by others and that’s not only very productive, but also a rather healthy thing to do.

And last week’s Friday Eric sung those words and it was the first time ever someone sung a translation of mine without me being in the back producing it, organizing it, putting together musical rehearsals or trying to make everybody feel comfortable about the lack of said rehearsals…and it was A MA ZING!

Thank you, Eric!
And thank you, Marc, for the music that works so well (I think) with German!

That special Friday was more than a week ago today, but I’m still mesmerized and I’m sure I’m gonna treasure that day for a while longer. 😉 Even and especially after I’ve graduated from my current MA programme and I’ll be an unemployed dramaturg.

But before that will be the case my classmates are organizing a festival in Leipzig – and they need money, because – let’s be honest here – who doesn’t? We’ve 11 more days of startnext crowdfunding left, and honestly I think everyone should be wanting to be part of the funding crowd for a dramaturgy-festival. Who has ever seen such a thing?

Wanna help? Head over to: https://www.startnext.com/INTROLeipzig

 

 

On why it’s okay…

….to splurge on theatre tickets (once in a while)

People who know me, know that I like a good old splurge once in a while.

It can be a handbag, a lipstick or an expensive item of clothing (I might have bought a pair of Italian wool pants a couple of years ago for MUCH too much money and most of what they’ve done was hanging around my closet, because they are now 2 sizes too big and I’m too lazy to take them to the tailor…) – but more often than not it’s about theatre.

Even though I just recently typed up a post about how to see Broadway shows without spending a fortune, I’ve left a TON of money over there, mostly because I get obsessed with shows easily and when I’m there and they are blockbusters and I want to see them I buy tickets in advance (hello If/Then, Bridges of Madison County – I’m talking about you!). And just recently I’ve purchased West End tickets and it hurt a little bit – mostly because I was too worried a) I wouldn’t be able to see Gypsy otherwise and b) wouldn’t be able to take my Mom to Billy Elliot. Plus: When you’re in London for 1.5 days and your last visit was 10 years ago when you were pretty much a kid anyways you don’t wanna spent your day in Rush Lines, do you?

But regardless of how much money I’ve spent on theatre ticketd abroad, I’m rather conscious about my theatre spending habits when I’m home. Party because I HAVE to be otherwise I wouldn’t be even close to be able to afford all the things I get to see – for this year it has been around 70 nights out seeing productions and it’s September. Even in the unusual event of going to see a show produced by Stage Entertainment I’m trying to wait for the big discounts and hunt down the best bagains – there might have been even some occasions in which I’ve stayed up for the sole purpose of getting the best bargain-tickets for a production some time last year.

I LOVE discounts and bargains. I think everyone does, but – and that’s gonna be my point for today – it’s also okay to splurge on tickets once in a while. It’s okay that – if you really want to see a show – you pay good money for it, it really is. If you know it maybe is your “big thing” of the year or it’s on a vacation or a holiday or something. Or maybe it just features an actor / a singer you’re the TOTAL fangirl for.

I’m not really sure why most people understand that it is okay to pay a lot of money to see like Madonna or Taylor Swift live on tour, but not for theatre.

If you are a not too frequent goer and you can afford it, go ahead, spend your money on theatre – it’s one of the best things to spend it on, really. If you can’t afford it, look at ALL the discounts, because even then theatre is a good thing to spend money on.

In my small little naive Theaterkind-world.

Theaterkind verrät … 

Broadway ohne haufenweise Geld

So einen Post wollte ich schon länger einmal schreiben, eine kleine, handliche Zusammenfassung und Link-Sammlung. Gleichzeitig bin ich ein Mensch, der auch (bei bestimmten Produktionen und Stücken) gern einmal viel Geld ausgibt – fragt mich bitte nicht, wie viel Geld ich in meinem Leben schon in Theaterkarten investiert habe. Sogar wenn ich selbst daran denke, möchte ich mir nur die Augen zuhalten, weinen und langsam, ganz langsam, rückwärts gehend den Raum verlassen.

Aber was tut man nicht alles….

Egal.

Ich hab das Gefühl, gerade am Broadway denken alle, es MÜSSTE zwangsläufig unglaublich teuer sein. Das kann es auch sehr schnell werden, aber lasst euch in paar Tipps geben.

Recherche, Recherche, Recherche!

Das ist das “Location! Location! Location!” des Broadway-Touristen. Was ich damit meine ist, guckt euch die Auslastungszahlen eurer Wunschstücke an. Am Broadway ist das relativ transparent gestaltet, jeden Montagabend (deutscher Zeit) veröffentlichen die großen Infoseiten playbill.com und broadway.com die Auslastungszahlen der vergangenen Woche und setzen sie ins Verhältnis zu der vorangegangen Woche. Anhand dieser Zahlen, kann man relativ gut einschätzen, ob es a) überhaupt möglich ist, noch Karten zu buchen (hust….Hamilton und Fun Home….) oder b) nötig ist, Karten vorher zu kaufen, wenn man es UNBEDINGT sehen will. Als ich das erste Mal in New York war, wusste ich, dass Once schon relativ lange gelaufen ist und man recht gute Chancen auf günstige Tickets hat, weshalb ich dafür nichts vorher gebucht hatte.

DISCOUNTS!

Auch wenn man vielleicht manche Tickets doch vorher kaufen möchte: Wir alle lieben Discounts, Rabattcodes und Angebote, oder? Dazu kann man sich zum Beispiel beim kostenlosen playbillclub anmelden, wo es immer einiges an Discounts gibt, die man entweder online auf Telecharge oder einem vergleichbaren Ticketportal anweden kann, oder auch persönlich im Theatre Box Office (so hab ich das zum Beispiel gemacht, als ich letztes Jahr Beautiful gesehen hab.) Es gibt auch zahlreise Newsletter, zum Beispiel einen von Broadwayworld.com, der einen regelmäßig auf Angebote (auch off-Broadway!) informiert. Fragt mich nicht, warum ich den momentan abonniert habe und warum er auch meine große Newsletter-Kündigungswelle überlebt hat….).

TKTS

Es gab Zeiten, da war die TKTS-App auf meinem Telefon fast die meist-genutzte, natürlich nach den üblichen Telefonfunktionen. TKTS ist (zumindest in New York) wunderbar und Gold wert. Wer kennt sie nicht, die roten Stufen auf dem Times Square? Dadrunter (oder viel mehr “drin”) versteckt sich der riesige TKTS Kiosk, vor dem sich jeden Nachmittag lange Schlangen bilden. An jedem Spieltag geben Shows nämlich einen Teil ihrer Rest-Kontingente an den TDF, der die TKTS-Kioske betreibt, und können wählen mit welchem Discount sie sie in den Verkauf geben wollen. So bekommt man einiges für die Hälfte, oder wenigstens für 30% oder 40% weniger. Auch da kann es sich lohnen, die App vor dem Besuch ein paar Tage lang zu beobachten, gerade wenn man länger als nur ein paar Tage in New York ist, denn das Angebot der Shows wechselt – so hab ich zum Beispiel beobachtet, dass Familienshows wie The King and I manchmal unter der Woche plötzlich bei TKTS auftauchen, während sie am Wochenende nicht zu finden sind. Ich persönlich mag den Kiosk im Süden Manhattans sehr gerne, weil der einerseits schon morgens öffnet und andererseits nicht so furchtbar überlaufen ist wie der am Times Square – auch wenn man dafür vielleicht einen etwas längeren Weg in Kauf nehmen muss. Übrigens ein Nachteil, den ich nicht verschweigen will: Man kann sich die Plätze oder das Preissegment nicht aussuchen, sie verkaufen einfach von vorne nach hinten, das heißt, man muss damit rechnen auch bei 50% Rabatt noch immer 70$ pro Ticket zu bezahlen (aber: lieber 70 als 140, oder?) 😀

Rush und Lottery

Die allermeisten Shows bieten entweder einen (Students oder general) Rush oder eine Lottery an. Meine liebste Broadway-Website playbill.com hat dazu eine relativ übersichtliche Zusammenstellung, die immer aktuell ist. Das ist sicherlich die Lösung, die am meisten Zeitmanagement erfordert. Broadway Spotted (im übrigen auch eine ganz nette Website…) hat dazu vor einiger Zeit den Rush Report als Kategorie eingeführt. Dort wird jede Woche veröffentlicht, wie besucht die einzelnen Rushes / Lotteries waren und wie die Chancen sind. Für alle, die jetzt nur Bahnhof verstehen: “Rushtickets” werden meistens am Tag der Vorstellung morgens, wenn die Kasse öffnet, rausgegeben. Manche Rushes sind spezielle Students’ Rush-Angebot, das heißt, man muss einen Studentenausweis vorzeigen (deutsche Studierende: in New York und auch sonst überall ist ein internationaler Studentenausweis von isic.org Gold wert! Ehrlich – gerade diese einsprachigen Papierlappen, die viele Unis haben, auch beide, an denen ich studiere/studiert habe, werden manchmal nicht anerkannt). Während man beim Rush allein mit Timing weit kommt, braucht man bei Lotteries sowohl Glück als auch Timing – wobei manchmal aus Timing ja auch Glück entsteht oder andersrum. Lotteries funktionieren wie eine Tombola: Meist zwei Stunden vorher geht man am Theater vorbei, schreibt seinen Namen und die Anzahl der gewünschten Tickets auf einen Zettel (meistens ist nur 1 oder 2 möglich) und wirft ihn in einen Hut, eine Box oder so. Einige Zeit später (das wird einem dann gesagt) wird gezogen. Dann muss man UNBEDINGT am Theater sein. Manchmal ist die Anzahl der Tickets vorher festgelegt (und dann jeden Tag die gleiche), manchmal verändert sich die aber auch, wobei meistens ein Minimum beibehalten wird. Die Gewinner der Lottery bekommen dann einen kleinen Zettel und dürfen an der Kasse meistens ziemlich günstige Karten kaufen. – Und an alle, die jetzt denken “Ich habe NIE Glück! Ich gewinne NIE etwas!”: So geht es mir auch und ich habe vor anderthalb Jahren an einem Mittwoch-Mittag die Rocky-Lotterie gespielt und alle (!) haben gewonnen und so saß ich für 25 $ front row center im Golden Circle. Nicht alle Lotteries sind so mental wie Hamilton, Book of Mormon und Wicked. Seit neuestem gibt es auch immer mehr digitale Lotteries über die App TodayTix, zu denen ich aber noch nichts sagen kann, weil es sie bei meinem letzten Besuch noch nicht gab….Hat jemand damit schon Erfahrungen?

Standing Room Only

Stehplätze sind etwas, was vor allem in Deutschland kaum noch vorhanden ist. Manche Opernhäuser bieten das noch an, aber es hat auf keinen Fall den Stellenwert, den es z.B. in Wien hat. Einige Shows geben Stehplatzkarten raus (manchmal mit der Auflage, dass die Show ausverkauft sein muss, bevor sie das tun). Also, wenn einen das Lottery-Glück nicht ereilt hat, vielleicht klappt dann Standing Room Only.

Für Junge Leute

Ich hab den Studentenausweis schon erwähnt und einige Produzenten bieten noch bessere oder viel mehr speziellere Konditionen für Studierende und/oder junge Leute an. Das können Grenzen sein wie “unter 30” oder “unter 35” und muss nicht unbedingt an den Studentenstatus gekoppelt sein. Beispiele hierfür sind die HipTix der Roundabout Theatre Company und die LincTix vom Lincoln Center (aktuell z.B. “The King and I”) – beides ist auch vom Rahmenprogramm her ungefähr vergleichbar mit solchen “Junge Freundeskreis”-Innitiativen mancher Theater in Deutschland.

Broadway-Week

Das ist ein bisschen Schummeln, was das sehr punktuell immer nur ist, aber: zweimal im Jahr (September und Januar/Februar) gibt es die so genannte Broadway-Week, in denen viele Shows bestimmte Kontingente zum 2 für 1 Preis verkaufen. Ja, richtig. Zwei für eins. Im Vorverkauf. Ich glaube, mein nächster (oder übernächster) Trip in meine Herzensstadt muss in so einen Zeitraum gelegt werden….

Zuletzt noch ein paar Sachen, die Leute immer wieder vergessen bzw . fatalerweise machen:

a) Kauft Tickets, wenn ihr sie vorher kauft, nur über Ticketmaster oder Telecharge (wohin ihr zum Beispiel weitergeleitet werdet, wenn ihr auf die offizielle Homepage der Shows geht). Alles andere hat noch höhere Gebühren oder ist eventuell gefälscht.

b) Auch: NIE über Conciergerien in Hotels. Nein. Nein. Nein.

c) Ich wäre auch vorsichtig, wenn euch Leute entweder vor den TKTS Kiosken oder vor den Theaterkassen ansprechen. Lieber einmal zu viel misstrauisch sein, als ein gefälschstes Ticket haben.

d) Egal ob beim Rush oder bei TKTS: Stellt euch ordentlich an! Dort wird brav in der Schlange stehen groß geschrieben und das ist so entspannend. Wenn ich mir hier manchmal die ClassicCard-Schlangen angucke, wo der erste in der Reihe beim Betreten des Kassenfoyers einfach überholt wird….Deutsche können häufig nicht besonders gut anstehen, hab ich das Gefühl