Theater thoughts

4 Dinge …

die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner gelernt hab

Ich darf mich zwar seit über einem Jahr großspurig Master of Arts nennen und manche würden an dieser Stelle denken, sie müssten nichts mehr lernen – allerdings glaube ich tatsächlich an lebenslanges Lernen (dass ich in meinem Vorhaben, in meinen vier Wochen Spielzeitferien Französisch zu lernen, grandios gescheitert bin, ist Stoff für einen anderen Tag…..) und ich glaube tatsächlich noch mehr daran, dass (wiederholte) Theaterbesuche einem wirklich Sachen beibringen können, wenn man nur wach genug zuschaut.

Nun also….Vorhang auf für 4 Dinge, die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner von Notre-Dame gelernt hab:

Ich liebe erzählerische Klammern
Das ist ein bisschen gelogen, das habe ich nicht gerade erst gelernt. Ich liebe erzählerische Klammern ungefähr seit der 5. Klasse, nachdem man mir überzeugende Argumente bot, dass “und sie wachte auf und alles war nur ein Traum” KEIN Moment guten Erzählens ist – generally speaking. Erzählerische Klammern können genau diese Funktion aber übernehmen, oder viel mehr: mit eben so einer haben wir’s beim Glöckner zu tun.Aus irgendeinem Grund habe ich erst jetzt wirklich realisiert, dass die ersten solistisch gesungenen Phrasen von Chlopin kommen – und er auch ganz zum Schluss auch gewissermaßen als Spielleiter (man könnte auch sagen Conferencier, Lisanne!) ganz selbstbewusst das Wort wieder ergreift, Quasimodo seine Quasimodo-Requisiten abnimmt und so das Spiel ‘Glöckner von Notre-Dame’, was in dem Moment angefangen hat, in dem sie ihm den Buckel anlegen, beendet. Solche Konstruktionen machen mich doch immer wieder sehr, sehr froh, auch weil ich ein erzählerische Distanz (“Du, sag mal, ist das jetzt deine Brechtsche Distanz?” – das hab leider nicht ich gesagt…ich find’s trotzdem lustig) ganz toll finde – und da bin ich in diesem Inszenierung nunmal sehr richtig.

und Theatermomente
Das ist jetzt auch nicht das große Geheimnis, das hier entdeckt wird – es ist ja auch schon in meinem ersten Artikel zu dieser Produktion deutlich geworden. Aber ich konnte bei meinem zweiten Besuch genauer lokalisieren, wo das, was ich Theatermoment nenne, anfängt – und das ist tatsächlich viel früher der Fall als ich bis jetzt gedacht habe. Diese Inszenierung braucht nicht einmal diese sprossenwand-artigen Holzrequisiten, die Turmgeländer, Pufftür oder Gefängniszelle sein können. Der ‘einfachste’, wenn man so will ‘spießgste’ – und vielleicht gerade deshalb so befriedigende – Theatermoment wird gewissermaßen PERMANENT erzeugt, nämlich indem die Erzählerstimmen wechseln, sich ablösen (auch in der Bewegung im Raum, übrigens) und die Geschichte so vor uns, dem Publikum, ausbreiten und es uns so möglich machen in die Handlung rein- und dann wieder rauszuzoomen (und ganz nebenbei wäre die Erzählstruktur ein Paradebeispiel für Gerard Genette mit seinen verschieden Zeitformen des Erzählens….).

Diese Produktion ist ein Ensemble-Stück par excellence
Ich weiß, letzte Woche habe ich vor allem von zwei Herren geschrieben, die mich wahnsinnig beeindruckt haben – und das hat sich beim zweiten Besuch nicht geändert…eher im Gegenteil. Allerdings fällt bei genauerem Hinsehen relativ schnell auf, dass diese Menschen nur so scheinen können (“All you really have to do is shine” as Mrs. Wilkinsons aus Billy Elliot sings…), weil sie über diesem eng gewebten Netz aus Ensembleaktion schweben. Das ist natürlich besonders augenscheinlich in Momenten, in denen Kollegen einander tatsächlich Hilfestellung geben oder als Sicherheit da sind (Sprünge, Hebungen, ‘Stunts’ etc), allerdings sind sie auch vor allem durch die Auflösung der Wasserspeier in das Ensemble immer auch quasi-solistisch präsent, wenn es eigentlich ganz kleine, intime Szenen sind.
Also: Brava, Ensemble, brava! (as Seth Rudetzky would put it)

auch in solchen GIGANTISCHEN Produktionen gibt es bessere….und schlechtere Vorstellungen
Ich hab ja damals (2010….uaaaaah) noch angefangen unter Erika Fischer-Lichte zu studieren und ich glaube, wir können alle von damals noch herunterbeten, dass ja jede Aufführung tatsächlich einzigartig ist durch die autopoietische Feedbackschleife, durch die Energien, die sich gewissermaßen zwischen Bühnen. und Zuschauerraum (so denn eine klare Trennung tatsächlich möglich ist) und natürlich auch durch die jeweils eigene Disposition während der Aufführung. Gerade bei so großen Produktionen, in denen es unter Umständen manchmal auch einfach darum gehen kann, alle Markierungen zu treffen, alle Schritte zu erinnern und zur richtigen Zeit das richtige Requisit dabei zu haben, neigt man immer wieder dazu eben das zu vergessen – ich auch, obwohl die Kategorien “gute Vorstellung” und “schlechte Vorstellung” tatsächlich in meinem täglichen Leben im Repertoirebetrieb vorkommen. Wahrscheinlich macht eben diese Leugnung von Tagesform, Energiedifferenzen und autopoietischer Feedbackschleife (ich geb’s zu, ich wollt’s einfach nochmal schreiben…) die Einteilung zwischen ‘tatsächlichem Theater’ (dem ernsten Theater, das, was WIRKLICH relevant ist…Ironie…) und “Kunst als Objekt kapitalistischer Spekulationen, als Ware”,* als die wir Musical-Großproduktionen wahrzunehmen scheinen, so einfach. Aber so ist das nicht. Ich weiß nicht genau warum, was da passiert ist – es lag schließlich weniger als eine Woche zwischen meinen beiden Besuchen – die zweite Vorstellung erschien mir eindeutig konzentrierter, wacher und deshalb auch präsenter, mit mehr Sendungsbewusstsein und NOCH mehr erzählerischem Potenzial. Und dass ich mit diesem Eindruck nicht allein bin, beweist mir in solchen Momenten immer meine Mutter, die mit mir zwar über die Jahre schon durch eine harte Schule der ewigen Theaterbegleiterin einer Tochter in verschiedenen Stadien der Professionalisierung gegangen ist, sich aber eine gewisse Unbedarftheit bewahrt hat – sie drehte sich in der Pause zu mir um und sagte: “Heute ist es irgendwie [noch] besser als letzte Woche.”

Bin ich allein mit meiner Vorliebe dafür, Produktionen / Inszenierungen durchaus mehrfach anzusehen? Beim Glöckner hat sich mein Eindruck jetzt nicht grundlegend geändert – obwohl das auch manchmal beim mehrmaligen Zusehen der Fall sein kann.

Ist euch das auch schon einmal passiert?

*dieses Zitat ist leider nicht von mir, sondern wird sinngemäß so von Thomas Siedhoff im Vorwort zu seinem “Handbuch des Musicals. Die wichtigsten Titel von A bis Z” (Mainz, 2007) erläutert.

Draußen!

über Disney’s Der Glöckner von Notre Dame in Berlin

Mit diesem Stück habe ich mich glaub ich so um 2005 zum ersten Mal geärgert. Nämlich darüber, dass ich es in seiner Uraufführungsspielzeit im Theater am Potsdamer Platz nicht gesehen habe. 1999 war ich 8 und 2002 11 Jahre alt und somit war Der Glöckner von Notre-Dame irgendwie das erste Stück, dass ich rückblickend RICHTIG KNAPP verpasst hab.

Komischerweise resultierte das nicht in einer totalen (Pubertäts-)Obsession, die kam erst leicht abgemildert, als 2014/15 in den USA das Quasi-Revival gefeiert wurde, nur um dann NICHT an den Broadway transferiert zu werden.

Letzten Sommer wurde dann die aktuelle Produktion für Deutschland angekündigt – in meiner Heimatstadt! – und ich zog nach Wiesbaden. Egal, denn nun hab ich’s endlich nachgeholt.

Viele Leute haben nach dieser Premiere inzwischen viel geschrieben über dieses Stück, und deshalb mag ich gar nicht so alles durchhecheln, sondern ‘nur’ über die Dinge sprechen, die besonders beeindruckend waren und die mich nun einmal mehr zuversichtlich in die Zukunft dieses Genres gucken lassen.

Letztes Jahr beendete ich meine Masterarbeit sinngemäß mit der Frage, was passieren würde, wenn wir Musical-Inzenierung egal welcher coleur und egal welchen Bugets politisches Potenzial zutrauen würden – und mit der Aufforderung, das auch zu tun (ob meine Betreuerinnen, die einzigen Leserinnen bisher, das jetzt tun, ist anzuzweifeln…). Und als ich nun am Samstag im Publikum saß und das Treiben auf der Bühne beobachtete, dachte ich mir: YES! Lasst uns das mal wirklich tun!

Denn gerade bei diesen Mega-Produktionen in den “Kommerztempeln” (so ein wörtliches Zitat einer meiner Dozentinnen aus dem Masterstudium…) ist es leicht, auf Bespaßung zu setzen, auf die totale Illusion und auf Knalleffekte, Trickkostüme, Bühnenverwandlung an Bühnenverwandlung. Und das wird ja auch häufig, gut und gern getan.

Scott Schwartz, der Regisseur, hat sich hier allerdings auf das genaue Gegenteil gestürzt: wir bekommen hier quasi den Vorgang des Erzählens selbst zu Gesicht, wir lernen, wie Geschichte(n) geschrieben wird, und so lernen wir auch, das Inkonsistente, das Konstruierte und das Uneindeutige der Figuren zu sehen. Indem reihum Ensemblemitglieder in (Teil-)Sätzen erzählende Passagen sprechen, indem sie zwischen Quasimodos ‘Freunden’ aus Stein und der Bevölkerung Paris’ wechseln, die jeweils nur eine Mönchskutte voneinander entfernt sind, knüpft das Stück hier an eine frühe Tradition der mündlichen Überlieferung an: vielstimmige Erzähler machen mit Worten Geschichten größer, kleiner, detailreicher oder abstrakter – und konstruieren so die Geschichte(n) und ihre Figuren immer ein bisschen neu.

Überhaupt steht Konstruktion im Mittelpunkt dieser Inszenierung. Das Prozesshafte der Erschaffung von Figuren, Charakteren und Persönlichkeiten wird uns hier immer und immer wieder vor Augen geführt – und wirft uns so auch zwangsläufig die eigenen Konstruiertheit und Performanz der eigenen Identität (ja, ja, Lisanne, du kleiner Butler-Nerd, ist gut!) zurück. Nicht zuletzt steht hier auch immer wieder Behinderung und Behindertsein als etwas, das ausschließlich oder zumindest zu einem großen Teil im Verhältnis bzw. in Abgrenzung zu einer Mehrheitsgesellschaft existiert, im Mittelpunkt. Sei es, dass Quasimodo als normaler Menschen auftritt und auf offener Bühne erst zum Buckligen, Deformierten gemacht wird, oder am Schluss alle ‘irgendwie Quasimodo’ werden, dass es einen deutlichen Unterschied gibt, ob Quasimodo mit sich selbst oder mit anderen spricht: Behinderung und Deformation sind hier Eigenschaften, die wie alle anderen Abgrenzungs-Eigenschaften (‘Zigeuner’-Sein, Soldat-Sein, Kirchenmann-Sein),  vor allem durch Zuschreibungen und Wiederholung aus allen Richtungen existieren. Durch diese stetige Neu- und Wiedererzählung der Charaktere, von Gut und Böse bleibt die Produktion auf einer Meta-Ebene ständig in der Schwebe – auch wenn natürlich (auch für mich) eindeutig klar ist, bei wem die Sympathien liegen.

Der ‘neue Glöckner’ hat mich ganz persönlich vor allem auf einer intellektuellen Ebene abgeholt und befriedigt hat, der Produktion ist anzusehen, dass sie durchdacht ist, dass die den Figuren und dem theatralen Erzählen an sich traut und damit schließlich auch, dass sie dem Publikum zutraut, einer erzählten Handlung im Erzählen zu folgen, aus der sich dann schon fast episodenhaft die einzelnen Szenen herausschälen.

Weil ich nun aber trotzdem nicht drum herum komme(n will), auch etwas über die Menschen auf der Bühne zu schreiben, hier in aller Kürze: Es können vor allem die Herren überzeugen, allen voran Felix Martin als Frollo und David Jakobs als Quasimodo. Beide habe ich schon häufiger und in diversen Rollen auf diversen Bühnen gesehen (David Jakobs u.a. als ich sechs Wochen lang die Gärtnerplatz-Produktion von Hair als Dramaturgie-Hospitantin beobachtete), hier beide haben es auch hier wieder geschafft, mich zu überraschen, zu beeindrucken und zu berühren – wenn man so will an unterschiedlichen Enden der Sympathie-Skala.

Wobei – im Grunde steht auch diese Zuordnung mit dieser Produktion irgendwie in der Schwebe. Und das ist doch ziemlich angenehm.

“If I didn’t believe in you…”

After my recent move across the country from Berlin to Wiesbaden I was kind of a musical-orphan.

Not that Berlin is an El Dorado for musical folks. But….well….Wiesbaden. 😉

Anyway when my long time internet friend Niklas from Theaterdistrikt texted me about 2 weeks ago if I wanted to try and get a ticket for the opening of “The Last 5 Years” produced by The Musical Season I was all like: “Hell yeah!”

Not only was I really in the mood for meeting new people (Niklas! Hey!) in real life, but in case you haven’t noticed: I’m a really big fan of anything Jason Robert Brown. From Parade to Bridges including The Trumpet of the Swan, you name it, I love it. Especially The Last 5 Years is one of my all time favourites. This show has been in my life for more than 8 years now and I habe always loved it. Mostly for the concept, but also for the lyrics, for the way the lyrics and the music play with each other and for the way Cathy has the hard job of being not too whine-y in the beginning or the whole evening will be a desaster. I own 4 different recordings of this show (original off-broadway, German, revival off-broadway, movie) and I’ve seen the movie a couple of times (THE SCHMUEL SONG, everybody!).

Almost 5 years ago on this day (Timehop just reminded me of that) I saw a production of it in Chemnitz and now Frankfurt was my second live experience. And while this Frankfurt production was not flawless in every department I loved every second of it. And here’s why:

  1. the stage:  black box, two benches. The musicians spread out over all three wall of the stage. From the walls and the ceiling hanging all kinds of things that make up our lives, our memories, our relationships. Keeping it simple, keeping in real – and a black box can mean the world.
  2. the staging: again. keepin’ it simple. There were a couple of dance moves (The Next Ten Minutes…mostly because – I believe – dancing is easier to ‘rewind’ for the second half of the song than normal movement), but it was best without. After all The Last 5 Years is about people. And about all of the things that can go wrong between them. Yes, there ARE costum-changes, a lot of them, but in these costumes you can always see the characters growing older or younger.
  3. the actors: while the impression these two leave is influenced by the biggest flaw of the opening night (memorizing the lyrics….), Hannah Grover and Andy Coxon manage to take us along on the journey their characters go on. Being alone on stage predenting to have a partner is one of the harder parts of this show and while you deeply understand both sides of the story. Both manage super well with the music (luckily music and lyrics can be two very different things) and small theatres have this amazing things where you sometimes can feel their singing in addition to just hearing it.
  4. the idea: The Musical Season went out to produce smaller scale shows in their original (English) language, bringing Off-Broadway or the West End equal of that to Frankfurt, staging high quality theatre without the big bucks in mind or in the background. Starting with enthusiasm and love for theatre and in a way…sharing their love with us. While we have a well developed off-Scene for most theatrical genres Musical is missing an off-vibe for the most part. This is why the idea behind The Musical Season is very, very welcome to my theatre-world. 😉

It would be amazing to see which show they (HOPEFULLY) conquer next, I most definitely have suggestions. Plus: Seeing this has fueled my own Musical theatre mojo again. Now I only have to find the time and the brain space to sit down and work on some stuff. (YAY)

To those who are still on the fence about whether they should go or not: I was given a free ticket because I work in theatre business. But I was so moved and amazed by the performance and the initiave I simple HAD to donate the money I would gladly have spent on a Steuerkarte. And this, my friends, is the highest thing you could achieve in my books.

 

Special Day

A short thing on why May 27th was a very special day for me

On May 27th an era kind of came to an end. I saved a 85 pages Word-Document as a PDF file, hit the copyshop and printed it out five times, had it bound and took it home. There I put three of the copies in an envelope, put the address of my university on there and got it ready to take to Leipzig the next day.

That, ladies and gentlemen, was my Master thesis.
It’s finished.
It’s dropped off at the Prüfungsbüro.

Now the era of not thinking about sex and musicals and feminism in musicals all day every day begins!

On Friday I took my mother to see my friend Eric Lee Johnson for his solo show debut at a small and very charming theatre in Berlin Schöneberg. I remember when we last got together for a coffee Eric told me he might sing a song by Marc Schubring that I translated for a student of his earlier this year (which marked the first time someone asked me to translate something). To be honest I was all ike: Yeah, let him talk – and let’s see if that REALLY happens. (sorry, Eric…)

Then last Friday I met a mutual friend of ours and she was like “You know, he’s gonna sing “Completely Different” – and Marc’s gonna be here!”. And then that’s what happened.

As I’m still in the very beginning of my translating it’s VERY exciting to hear my German words being sung by people who aren’t me torturing my neighbours with endless shouting and trying to be a soprano or a tenor… Only when someone that isn’t me sings those German words I can listen to it as a dramaturg and judge it the way I would do translations by others and that’s not only very productive, but also a rather healthy thing to do.

And last week’s Friday Eric sung those words and it was the first time ever someone sung a translation of mine without me being in the back producing it, organizing it, putting together musical rehearsals or trying to make everybody feel comfortable about the lack of said rehearsals…and it was A MA ZING!

Thank you, Eric!
And thank you, Marc, for the music that works so well (I think) with German!

That special Friday was more than a week ago today, but I’m still mesmerized and I’m sure I’m gonna treasure that day for a while longer. 😉 Even and especially after I’ve graduated from my current MA programme and I’ll be an unemployed dramaturg.

But before that will be the case my classmates are organizing a festival in Leipzig – and they need money, because – let’s be honest here – who doesn’t? We’ve 11 more days of startnext crowdfunding left, and honestly I think everyone should be wanting to be part of the funding crowd for a dramaturgy-festival. Who has ever seen such a thing?

Wanna help? Head over to: https://www.startnext.com/INTROLeipzig

 

 

On why it’s okay…

….to splurge on theatre tickets (once in a while)

People who know me, know that I like a good old splurge once in a while.

It can be a handbag, a lipstick or an expensive item of clothing (I might have bought a pair of Italian wool pants a couple of years ago for MUCH too much money and most of what they’ve done was hanging around my closet, because they are now 2 sizes too big and I’m too lazy to take them to the tailor…) – but more often than not it’s about theatre.

Even though I just recently typed up a post about how to see Broadway shows without spending a fortune, I’ve left a TON of money over there, mostly because I get obsessed with shows easily and when I’m there and they are blockbusters and I want to see them I buy tickets in advance (hello If/Then, Bridges of Madison County – I’m talking about you!). And just recently I’ve purchased West End tickets and it hurt a little bit – mostly because I was too worried a) I wouldn’t be able to see Gypsy otherwise and b) wouldn’t be able to take my Mom to Billy Elliot. Plus: When you’re in London for 1.5 days and your last visit was 10 years ago when you were pretty much a kid anyways you don’t wanna spent your day in Rush Lines, do you?

But regardless of how much money I’ve spent on theatre ticketd abroad, I’m rather conscious about my theatre spending habits when I’m home. Party because I HAVE to be otherwise I wouldn’t be even close to be able to afford all the things I get to see – for this year it has been around 70 nights out seeing productions and it’s September. Even in the unusual event of going to see a show produced by Stage Entertainment I’m trying to wait for the big discounts and hunt down the best bagains – there might have been even some occasions in which I’ve stayed up for the sole purpose of getting the best bargain-tickets for a production some time last year.

I LOVE discounts and bargains. I think everyone does, but – and that’s gonna be my point for today – it’s also okay to splurge on tickets once in a while. It’s okay that – if you really want to see a show – you pay good money for it, it really is. If you know it maybe is your “big thing” of the year or it’s on a vacation or a holiday or something. Or maybe it just features an actor / a singer you’re the TOTAL fangirl for.

I’m not really sure why most people understand that it is okay to pay a lot of money to see like Madonna or Taylor Swift live on tour, but not for theatre.

If you are a not too frequent goer and you can afford it, go ahead, spend your money on theatre – it’s one of the best things to spend it on, really. If you can’t afford it, look at ALL the discounts, because even then theatre is a good thing to spend money on.

In my small little naive Theaterkind-world.

Theaterkind verrät … 

Broadway ohne haufenweise Geld

So einen Post wollte ich schon länger einmal schreiben, eine kleine, handliche Zusammenfassung und Link-Sammlung. Gleichzeitig bin ich ein Mensch, der auch (bei bestimmten Produktionen und Stücken) gern einmal viel Geld ausgibt – fragt mich bitte nicht, wie viel Geld ich in meinem Leben schon in Theaterkarten investiert habe. Sogar wenn ich selbst daran denke, möchte ich mir nur die Augen zuhalten, weinen und langsam, ganz langsam, rückwärts gehend den Raum verlassen.

Aber was tut man nicht alles….

Egal.

Ich hab das Gefühl, gerade am Broadway denken alle, es MÜSSTE zwangsläufig unglaublich teuer sein. Das kann es auch sehr schnell werden, aber lasst euch in paar Tipps geben.

Recherche, Recherche, Recherche!

Das ist das “Location! Location! Location!” des Broadway-Touristen. Was ich damit meine ist, guckt euch die Auslastungszahlen eurer Wunschstücke an. Am Broadway ist das relativ transparent gestaltet, jeden Montagabend (deutscher Zeit) veröffentlichen die großen Infoseiten playbill.com und broadway.com die Auslastungszahlen der vergangenen Woche und setzen sie ins Verhältnis zu der vorangegangen Woche. Anhand dieser Zahlen, kann man relativ gut einschätzen, ob es a) überhaupt möglich ist, noch Karten zu buchen (hust….Hamilton und Fun Home….) oder b) nötig ist, Karten vorher zu kaufen, wenn man es UNBEDINGT sehen will. Als ich das erste Mal in New York war, wusste ich, dass Once schon relativ lange gelaufen ist und man recht gute Chancen auf günstige Tickets hat, weshalb ich dafür nichts vorher gebucht hatte.

DISCOUNTS!

Auch wenn man vielleicht manche Tickets doch vorher kaufen möchte: Wir alle lieben Discounts, Rabattcodes und Angebote, oder? Dazu kann man sich zum Beispiel beim kostenlosen playbillclub anmelden, wo es immer einiges an Discounts gibt, die man entweder online auf Telecharge oder einem vergleichbaren Ticketportal anweden kann, oder auch persönlich im Theatre Box Office (so hab ich das zum Beispiel gemacht, als ich letztes Jahr Beautiful gesehen hab.) Es gibt auch zahlreise Newsletter, zum Beispiel einen von Broadwayworld.com, der einen regelmäßig auf Angebote (auch off-Broadway!) informiert. Fragt mich nicht, warum ich den momentan abonniert habe und warum er auch meine große Newsletter-Kündigungswelle überlebt hat….).

TKTS

Es gab Zeiten, da war die TKTS-App auf meinem Telefon fast die meist-genutzte, natürlich nach den üblichen Telefonfunktionen. TKTS ist (zumindest in New York) wunderbar und Gold wert. Wer kennt sie nicht, die roten Stufen auf dem Times Square? Dadrunter (oder viel mehr “drin”) versteckt sich der riesige TKTS Kiosk, vor dem sich jeden Nachmittag lange Schlangen bilden. An jedem Spieltag geben Shows nämlich einen Teil ihrer Rest-Kontingente an den TDF, der die TKTS-Kioske betreibt, und können wählen mit welchem Discount sie sie in den Verkauf geben wollen. So bekommt man einiges für die Hälfte, oder wenigstens für 30% oder 40% weniger. Auch da kann es sich lohnen, die App vor dem Besuch ein paar Tage lang zu beobachten, gerade wenn man länger als nur ein paar Tage in New York ist, denn das Angebot der Shows wechselt – so hab ich zum Beispiel beobachtet, dass Familienshows wie The King and I manchmal unter der Woche plötzlich bei TKTS auftauchen, während sie am Wochenende nicht zu finden sind. Ich persönlich mag den Kiosk im Süden Manhattans sehr gerne, weil der einerseits schon morgens öffnet und andererseits nicht so furchtbar überlaufen ist wie der am Times Square – auch wenn man dafür vielleicht einen etwas längeren Weg in Kauf nehmen muss. Übrigens ein Nachteil, den ich nicht verschweigen will: Man kann sich die Plätze oder das Preissegment nicht aussuchen, sie verkaufen einfach von vorne nach hinten, das heißt, man muss damit rechnen auch bei 50% Rabatt noch immer 70$ pro Ticket zu bezahlen (aber: lieber 70 als 140, oder?) 😀

Rush und Lottery

Die allermeisten Shows bieten entweder einen (Students oder general) Rush oder eine Lottery an. Meine liebste Broadway-Website playbill.com hat dazu eine relativ übersichtliche Zusammenstellung, die immer aktuell ist. Das ist sicherlich die Lösung, die am meisten Zeitmanagement erfordert. Broadway Spotted (im übrigen auch eine ganz nette Website…) hat dazu vor einiger Zeit den Rush Report als Kategorie eingeführt. Dort wird jede Woche veröffentlicht, wie besucht die einzelnen Rushes / Lotteries waren und wie die Chancen sind. Für alle, die jetzt nur Bahnhof verstehen: “Rushtickets” werden meistens am Tag der Vorstellung morgens, wenn die Kasse öffnet, rausgegeben. Manche Rushes sind spezielle Students’ Rush-Angebot, das heißt, man muss einen Studentenausweis vorzeigen (deutsche Studierende: in New York und auch sonst überall ist ein internationaler Studentenausweis von isic.org Gold wert! Ehrlich – gerade diese einsprachigen Papierlappen, die viele Unis haben, auch beide, an denen ich studiere/studiert habe, werden manchmal nicht anerkannt). Während man beim Rush allein mit Timing weit kommt, braucht man bei Lotteries sowohl Glück als auch Timing – wobei manchmal aus Timing ja auch Glück entsteht oder andersrum. Lotteries funktionieren wie eine Tombola: Meist zwei Stunden vorher geht man am Theater vorbei, schreibt seinen Namen und die Anzahl der gewünschten Tickets auf einen Zettel (meistens ist nur 1 oder 2 möglich) und wirft ihn in einen Hut, eine Box oder so. Einige Zeit später (das wird einem dann gesagt) wird gezogen. Dann muss man UNBEDINGT am Theater sein. Manchmal ist die Anzahl der Tickets vorher festgelegt (und dann jeden Tag die gleiche), manchmal verändert sich die aber auch, wobei meistens ein Minimum beibehalten wird. Die Gewinner der Lottery bekommen dann einen kleinen Zettel und dürfen an der Kasse meistens ziemlich günstige Karten kaufen. – Und an alle, die jetzt denken “Ich habe NIE Glück! Ich gewinne NIE etwas!”: So geht es mir auch und ich habe vor anderthalb Jahren an einem Mittwoch-Mittag die Rocky-Lotterie gespielt und alle (!) haben gewonnen und so saß ich für 25 $ front row center im Golden Circle. Nicht alle Lotteries sind so mental wie Hamilton, Book of Mormon und Wicked. Seit neuestem gibt es auch immer mehr digitale Lotteries über die App TodayTix, zu denen ich aber noch nichts sagen kann, weil es sie bei meinem letzten Besuch noch nicht gab….Hat jemand damit schon Erfahrungen?

Standing Room Only

Stehplätze sind etwas, was vor allem in Deutschland kaum noch vorhanden ist. Manche Opernhäuser bieten das noch an, aber es hat auf keinen Fall den Stellenwert, den es z.B. in Wien hat. Einige Shows geben Stehplatzkarten raus (manchmal mit der Auflage, dass die Show ausverkauft sein muss, bevor sie das tun). Also, wenn einen das Lottery-Glück nicht ereilt hat, vielleicht klappt dann Standing Room Only.

Für Junge Leute

Ich hab den Studentenausweis schon erwähnt und einige Produzenten bieten noch bessere oder viel mehr speziellere Konditionen für Studierende und/oder junge Leute an. Das können Grenzen sein wie “unter 30” oder “unter 35” und muss nicht unbedingt an den Studentenstatus gekoppelt sein. Beispiele hierfür sind die HipTix der Roundabout Theatre Company und die LincTix vom Lincoln Center (aktuell z.B. “The King and I”) – beides ist auch vom Rahmenprogramm her ungefähr vergleichbar mit solchen “Junge Freundeskreis”-Innitiativen mancher Theater in Deutschland.

Broadway-Week

Das ist ein bisschen Schummeln, was das sehr punktuell immer nur ist, aber: zweimal im Jahr (September und Januar/Februar) gibt es die so genannte Broadway-Week, in denen viele Shows bestimmte Kontingente zum 2 für 1 Preis verkaufen. Ja, richtig. Zwei für eins. Im Vorverkauf. Ich glaube, mein nächster (oder übernächster) Trip in meine Herzensstadt muss in so einen Zeitraum gelegt werden….

Zuletzt noch ein paar Sachen, die Leute immer wieder vergessen bzw . fatalerweise machen:

a) Kauft Tickets, wenn ihr sie vorher kauft, nur über Ticketmaster oder Telecharge (wohin ihr zum Beispiel weitergeleitet werdet, wenn ihr auf die offizielle Homepage der Shows geht). Alles andere hat noch höhere Gebühren oder ist eventuell gefälscht.

b) Auch: NIE über Conciergerien in Hotels. Nein. Nein. Nein.

c) Ich wäre auch vorsichtig, wenn euch Leute entweder vor den TKTS Kiosken oder vor den Theaterkassen ansprechen. Lieber einmal zu viel misstrauisch sein, als ein gefälschstes Ticket haben.

d) Egal ob beim Rush oder bei TKTS: Stellt euch ordentlich an! Dort wird brav in der Schlange stehen groß geschrieben und das ist so entspannend. Wenn ich mir hier manchmal die ClassicCard-Schlangen angucke, wo der erste in der Reihe beim Betreten des Kassenfoyers einfach überholt wird….Deutsche können häufig nicht besonders gut anstehen, hab ich das Gefühl

#YAYHAMLET

Why the Hamilton PR Team Makes Me Want to Look Into Social Media Marking

I think not many people know that, but my very first ever internship right after 18 year-old me graduated from high school was in the PR department of Komische Oper Berlin. Before I continue here, give me a moment to wrap my mind around the 6 (SIX!) years having passed since then.

Anyways….back then I was more of an idealistic theatre girl all the way in for the arts and low-budget and I kind of percieved marketing as something commercial people would SO NEED, but ‘real art’ wouldn’t, because few people attending it would make it extra special and something. (Cut me some slack, I was 18!)
So these three months taught me another side of making theatre happen – the more “It didn’t happen as long as not enough people attend”-kind of side.

More recent, in the last season I looked more into social media as a marketing tool, a little bit of a trending topic in German (theatre) marketing, talked about e.g. at the 3rd annual Theater und Netz conference. There’s still SO MUCH talk about, especially since German theatres doesn’t seem to be very proficient in social media marketing, more often than not it’s nothing more than the occational tweet/post “Another performance of [opera/play/performance-title] tonight! Still tickets left!” – well, at least there’s some consciousness about the need to change.

So – as with so many things – we have to look over, across the pond to what seems my Mekka of musical theatre once again.

One tweet I’ve cited so many times in real life was saying something like “Welcome to America – where it’s easier to get a gun than a ticket to see Hamilton” (although I’m in love with this tweet I cannot for the life of me find it right now to link it properly! Sorry) and I think this is a good point to start talking social media marketing for Hamilton, which finally opened last week.

Even though I’d never think of saying the show wasn’t as good as everyone says it is (sadly, I cannot say myself…because I’m living FAR FAR FAR away), I’m sure it wouldn’t be buzzed about so much with that very intellegent (social media) marketing.

With Lin-Manuel Miranda, the show’s composer, writer and leading actor (!), being very active on twitter, they soon took social media by storm. You could say it all started with the celebrity selfies Miranda took backstage after the performances back at the Public Theatre and published on twitter; so night after night (or for me: morning after morning) we could look at all the celebs who had attended the show – with exception of Madonna, who earned the show some more publicity when she got called out for bad audience etiquette – and wonder if we would ever get the opportunity (to buy a ticket) to see this show.

What really caught my attention was the 21st century appropriate marking when it came to the Broadway transfer. One quality of the show – at least according to what people say – is it is a game changer when it comes to musical language, (“interracial”) casting and the way history can be handled on stages. To that, please add time appropriate online marketing. I’ve never seen so many hashtags evolve around just one show – with #HamiltonPublic from “back when” and #HamiltonBroadway being the most conventional ones.

I mean, the 10$ lottery and the pre-show show before the drawing of the winners has its own hashtag! #ham4ham (referring to Alexander Hamilton being on the 10$ note, so you pay an “Alexander Hamilton” to see Hamilton….) keeps you up to date with the masses of people attending the lottery every show plus the rap/sing/dance-acts the cast puts on to entertain the waiting masses (I’m not exaggerate here, people, there are literal masses!).

But the best – and classic! – hashtag by far is #YayHamlet, which I already expressed my obsession with in my July favourites. It originates from a story/tweet Miranda posted back when Hamilton was still #HamiltonPublic and everyone hoped for #HamiltonBroadway.

That lady’s (what I suppose was a) enthusiastic linguistic mishap/mix-up soon became the signature hashtag when talking about Hamilton and when we are honest on that one: What could have been more appropriate for a show everyone was so enthusiastic about???? – Playbill.com just recently published an article about the #YayHamlet phenomenon, read it here: What’s the story behind the hashtag?

And while so many hashtags make it to t-shits these days (#yolo and #swag for some, #kale and #selfie for others…), Hamilton took advantage of its own hashtag with a cult status. Yes, they REALLY made a shirt with #YAYHAMLET printed on it – which, by the way I need in my life.

In a way Hamilton’s marketing team (and Lin-Manuel Miranda as one of Broadway’s twitter-gods!) accomplished something every theatre enthusiast from the 21st century was secretly hoping for. Theatre entered what could be considered a more pop-cultural sphere by using popular communication-tools. And by that also combine more conventional things like apparel as souvenir with the 21st century pop-cultural ‘tool’, the hashtag.

Aside from that they rock the more conventional marketing tools as well. Full page ads in the NYtimes and they have pretty much all of this newspaper all over them, I mean – how beautiful is this article: Why ‘Hamilton’ Has Heat.

What I mean to say with this somewhat rambly post is: Hamilton isn’t only a theatrical game changer, but we should also acknowledge its game changer-potential when it comes of theatre marketing online.

Yes, the production was lucky to be buzzed about and that it “just” had to jump onto the already moving train, but the marketing people did – and by doing so they gave me (and I’m sure so many other people as well) a ton of fun on twitter.

And if we are honest – the random “Still tickets left”-tweet just wouldn’t be very….well….suitable for Hamilton on Broadway. Because there aren’t.

8 more things I’ve learned from Berlin’s Next to Normal

(after re-visiting this production) Read my original 10 things I’ve learned from Berlin’s Next to Normal here: English / Deutsch Here come the new 10 things I’ve learned – in no particular order…..

1. Chemistry between folks is EVERYTHING! I’d rather not comment any further on this one, but boy! This Natalie I saw last Friday (which wasn’t Devi-Ananda Dahm as on opening night, but the other Natalie Sophia Euskirchen) got some serious skills and intensity! And then again – chemistry!

2. Advertising something the right way is so important. You simply cannot imagine how often I heard “Do they sing?” or “Is that with people singing?” or “Wait….that’s a MUSICAL?!”. That might be happening because Ithe Renaissance Theater isn’t normally a place for straight musicals – which also might be the reason the production turned out the way it is. It’s for small-ish revues with songs in them, evenings with songs (“Liederabend”) and it’s for plays with kind of famous-ish actors. The people sitting next to me went home during intermission after he was like “Wait….it’s a Musical!?” right before curtain, probably when he spotted the band. Plus the theatre was half empty on a Friday night.

3. Musical Directing is a serious thing when it comes to a musical. You really should do that. It’s not always “The loudest one wins”.

4. Large groups of middle aged women on some kind of “Ladies’ Night Excursion” are NOT a good idea as audience members. Right after “Just another day” which Diana has her meltdown after juggeling (not literally, though!) all these breakfast supplies including Cornfalkes one of these ladies said – very loud and clear: “And where’s the milk?” And probably thought it was super-mega-funny. And I was like: Is this your problem right now?

5. People grow. Not literally. I mean Dennis Hupka as Gabe was good(man – haha!) on opening night, but now after 1.5 months of performances he owns this. Also Jan-Philipp Rekeszus as Henry was super cool and again….this chemistry with the Nathalie of the night….During “A Promise” I usually am more interested in the story of Diana and Dan, but they made it their story, all about them, the youth, about giving a story a different turn. So: Yay, young people!

6. One thing I’ve come across a lot in my life as a theatre person focussing on musical theatre when talking to people mostly dealing with plays and/or performance only, was them saying: “You know, these actors, singers, whatever – when singing they look not natural. They look like they are just passing various stations they were told. They are weird.” Luckily I think the training of young singers for musical theatre of any kind as somehow evolved in the direction of acknowledging the acting part of musical theatre. Right now in this production of Next to Normal there are two actors with no (not to much) musical theatre background. Guntbert Warns (whom I’ve talked about in the last article…) and Matthias Freihof who is subbing for Felix Martin as Dianas doctors until the end of the week. The funny thing is, that these two usually do all these singers’ cliché poses much more than those who are actually trained singers. 🙂 – on that note: Good job, singers!

7. I realized once again that this whole story/musical itself – at least to me – evolves around a line Dan sings pretty late during the first part: in “You don’t know” he sings Can you tell me what it is you’re afraid of? and btw. I also really LOVE the German version of this line (“Kannst du sagen, was es ist, das dir Angst macht?”). Not being able to talk about things is the key to most of the things dealt with in this show and apparently it is something Nathalie learned at home (not really talking about problems and thoughts, but rather shut people out), which causes all these numbers titled “Hey” in the second act sung by Henry who refuses to be shut out. When this line (“Can you tell me….”) works, when you get the urge to make things kind of alright, when you are touched by this line – the whole production is going to work.

8. I’m still not over most of the things I’ve pointed out right after seeing it on opening night. I still get really worked up about certain things. And by really I mean REALLY!

Vielleicht können wir zu dritt glücklich sein.

Sorry, English speaking folks! Once more a German-only post….
Nach dem gestrigen #MusicMonday zum Thema “Lotte in Wetzlar” kommen hier nun meine Gedanken zu meinem Freilichtabend in Wetzlar vor anderthalb Wochen.

Disclaimer: Ich weiß auch nicht, warum ich die ganze Zeit so bissig bin. #sorrynotsorry

Vor anderthalb Wochen während meiner latent absurden “4 Städte in 4 Tagen”-Reise war auch einer der Zwischenstops die deutsche Stadt mit dem wunderbare deutschen Namen Wetzlar, wo ich das neue (deutsche) Musical “Lotte” (Buch u. Liedtexte: Kevin Schroeder, Musik: Marian Lux, dramaturgische Mitentwicklung u. Regie: Christoph Drewitz) ansehen konnte.

Als die drei Herren der Schöpfung (haha, Witz!) samt Oliver Arno (Werther) und Anne Hoth (Lotte) bei der letzten Ausgabe der Schreibmaschine in Berlin ein paar Songs vorgestellt haben, waren genau diese Stücke bei uns noch Tage später Thema. Ich meine mich an WhatsApp-Nachrichten zu erinnern, die lediglich “O M G Lotte!!” hießen. (more…)

Maybe This Time … Reflexionen zum Bad Hersfelder Cabaret

Disclaimer: Das hier ist keine Theaterkritik im herkömmlichen Sinne. Finde ich jedenfalls.

Wer mir auf anderen Social-Media-Kanälen folgt weiß, dass ich einen Hashtag meiner wunderbaren Twitter-Bekanntschaft @lippunermarc zu Cabaret-Inszenierung, die seit gefühlten 20 Jahren jeden Sommer in Berlin läuft, gewissermaßen entführt habe. Und zwar nach Hessen. Weil es dort zum allerersten Mal in meinem (Theater-)Leben hieß: Get ready to #Bjängvenü!

Ich habe nämlich eine kleine Tingelreise, die ich eh vorhatte (Ludwigsburgs – Stuttgart – Wetzlar), um einen Stop erweitert und bin von Wetzlar fast drei Stunden lang in Regionalzügen inklusive 50 Minuten Aufenthalt im sonntäglich verschlafenen Fulda nach Bad Hersfeld weitergefahren, eben um mir nun also die erste Cabaret-Inszenierung meines Lebens anzugucken (fragt mich nicht, warum ich die in Berlin noch nie gesehen hab!) und damit auch noch eine Arbeit des Regisseurs zu sehen, in dessen “Hair”-Produktion ich in der nächsten Spielzeit kurz vor meiner Masterarbeit als Dramaturgiehospitantin rumspringen werde.

Schon im Vorfeld war ich von den Bildern der Produktion begeistert und habe mal wieder sämtliche Klischees, die es vielleicht zu mir gibt, bestätigt: Gebt Lisanne etwas, in dem Gender-Bending eine Rolle spielt und/oder Geschlechterrollen flexibel ausgelegt werden, und Lisanne findet es großartig! Genau, so vorhersehbar bin ich.

Und die flexible Gestaltung von Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten ist hier Programm bis ins Innerste der Inszenierung. Wahrscheinlich, aber das ist reine Spekulation, weil ich das Stück als Stück nicht gut genug kenne, liegt die flexible Handhabung von Rollen und Rollenbildern schon im Stück begründet – das ist auch eine ganz andere Geschichte, auf die wir später kommen….

Das fängt bei der offensichtlich etwas unkonventionellen Besetzung des Conférenciers mit Helen Schneider an und zieht sich durch die immer wieder changierenden Erscheinungen der Kit-Kat-Boys und -Girls, bei “Mein Herr” sind die Boys gewissermaßen (und etwas eindeutig) halb-halb – bis hin zu Sally, die sich zum Teil in einer Art permanenten Travestie befindet, wenn sie alles, was sie trägt, einfach über ihren Club-/Arbeits-/Cabaret-Dress zieht und dabei alle althergebrachten (Geschlechter-)Konventionen hinter sich lässt: Cliffs Klamotten? Yes, please! Riesiger, weißer (hoffentlich Kunst-)Pelz? Yes. Ein ‘normales’ Kleid samt Hut für die Verlobungsfeier von Fräulein Schneider und Herrn Schultz? YES, aber auf jeden Fall mit ‘passendem’ Makeup, sondern mit den gewohnten, schwarz überschminkten Augen, die auch zu allen anderen Kostümen da sind.

Und genau dieses Changieren, dieser Shift ist es, was auch sonst die Grundlage dieser Produktion zu sein scheint: Dinge bewegen sich leicht und leise in aus der Konvention und dem Erwartbaren hinaus, gewissermaßen aus dem Rahmen, testen über weite Strecken die Regeln und Konventionen des “deutschen Sommertheaters” aus und überschreiten sie. So schleicht sich auch die Nazi-Thematik ein. Alles ist Fun and Games, Sally kommentiert trocken ein Buch, das sie bei Cliff findet: “Mein Kampf. Uhhh, das ist ja deutsch, wie langweilig!” (aus dem Kopf, wahrscheinlich ein bisschen anders…) und dann wird das politisch-zeitliche Kolorit kaum mehr erwähnt bis das sonst häufig gestrichene Meeskite von Herrn Schultz gesungen wird, Ernst wiederum seine “Travestie” auflöst, ein Kleidungsstück auszieht und die Nazi-Uniform drunter ist – und kurz danach eine komplette Hakenkreuzflagge ausgerollt wird, bevor das Publikum in die Pause geschickt wird.

(hier schon einmal eine kurze Applauspause, dass sich hier gegen die beliebte Haltung des “Fun and Games” im Sommertheater entschieden wurde und für die gewählte Drastik des deutlichen Hakenkreuz-Banners!)

Auf einer anderen Ebene wird hier auch immer weiter (auch stückbedingt) das Vorgehen in einem Nachtclub pervertiert, “Normal” reicht nicht mehr, im Laufe des Abends wird das Spiel mit den (Gender-)Grenzen immer größer. Statt des vor allem in den 20er und 30er Jahren sehr beliebten Kribbels des Uneindeutigen und in Nachtclubzusammenhängen vor allem der Frau-zu-Mann-Travestie bzw. der Androgynität bzw. der Frauen, die dezitiert Männlichkeit performen, wird dieses Konzept innerhalb bestimmter Grenzen pervertiert und ad absurdum geführt: Ein Goriller tanzt im Kit-Kat-Club, Tänzer_innen als Charles de Gaulle und Winston Churchill maskiert tanzen um Geld und Reichtum, und schließlich eskaliert alles, als Sally (nachdem Bettina Mönch, die Bad Hersfelder Sally, ein grandioses Maybe this time hingelegt hat!) im Rausch zurückkehrt in den Kit-Kat-Club, die Schwangerschaft abbricht und zum Schluss – soweit von Fun and Games entfernt wie nur irgendmöglich – zwischen den leuchtenden Lettern B E R L I N auf der obersten Ebene des Bühnenbild-Karussels steht und uns ihr Ende, das Ende der Figur Sally Bowles, erzählt.

Der “Temperatur”-Shift deutet sich an und übernimmt dann die Kontrolle, ohne dass man es sofort bemerkt – und die Inszenierung geht auf diese Stück”vorgabe”/-lesart ein, feinfühlig und gibt uns als Zuschauer die Möglichkeit, uns immer wieder zu fragen: Wie sind wir hierher gekommen?! (und damit meine ich nicht in die Stiftsruine – zu Fuß) Die zweite große Leistung der Inszenierung, aber auch des Bühnenbilds, ist die Konzentrierung des Geschehens auf kleinsten Raum.

Vor der Vorstellung las ich im Programmheft ein Statement von Gil Mehmert, in dem er meinte, dass Cabaret sich mit der Zeit immer mehr “zum Kammerstück” entwickelt habe. Ich sah auf die Bühne, die in der Stiftsruine ja gigantisch und weitläufig ist (so sehr, dass ich immer an Schlingensief denken musste und zwar an seinen Inszenierungsbericht zum Parsifal, Stichwort: Parsifal steht hinten und winkt.), sah wieder ins Programmheft, schaute nach ob ich an dem Satz irgendetwas falsch verstanden hatte, und dachte mir kurz und sehr gemein, wie ich manchmal bin: Ha, “Kammerspiel” scheint ein dehnbarer Begriff zu sein.

Nun gut, der Witz ging auf mich, und vor allem im zweiten Teil ist der Sog, mit dem die Inszenierung das Stück und die Zuschauer_innen miteinander verzwirbelt, so stark, dass man sich auch hier immer wieder fragt: Wir sind wir hierher gekommen? Wir vergessen, wie groß die Bühne ist, sein kann, sein könnte (!) und nehmen nur diesen Raum an als Bühne, der Rest verschwindet.

Was ich mit all dem eigentlich sagen will: Gil Mehmert zeigt uns hier, dass das Stück mehr ist als Nervenkitzel des Betrachters Menschen beim Aufstieg und Fall mit dem Verruchten der späten 20er/frühen 30er Jahre gepaart vorzuführen. Stattdessen wird uns als Zuschauer die Möglichkeit gegeben, die Frage zu stellen, die 15 Jahre nach dem Setting des Musicals Deutschland prägen wird.

Wie sind wir hierher gekommen?