Deutsch

Was ich ansehen würde

wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten

Ich begebe mich gerade langsam auf die Reise durch die Welt der “personal finances”, um mir in einigen Jahren einen größeren Wunsch zu erfüllen, das hält mich allerdings nicht vom Planen und Träumen ab [insert seltsamen Spruch über “Never stop dreaming” here… 🙂 ].

Während ich schon mal für März “New York City on a budget” google und schon jetzt den 80€ hinterhertrauere, die ich zeitnah in einen neuen Reisepass und neue Passbilder investieren sollte (der März kommt ja schneller als man denkt und meiner ist abgelaufen), denke ich mir: Ach, wie schön wär’s, wenn ich auch dahin fahren könnte, und dorthin….ahhh…vielleicht doch lieber da….deshalb hier eine kleine Aufstellung.

London

Wenn wir ehrlich sind, braucht niemand einen speziellen Grund um nach London zu fahren, richtig? Nächsten Sommer gibt es gleich mehrere: 42nd Street hat soeben den Vorverkauf bis Herbst 2018 geöffnet und ich liebe ein gutes Tap-Musical und KELLI O’HARA! Das letzte King and I-Revival aus New York kommt nächsten Sommer nach London, inklusive des ersten Leading Couple Kelli O’Hara und Ken Watanabe. Und sie ist einfach ein No-Brainer, wie man so schön sagt. Ich hatte das Glück sie in Bridges of Madison County zu sehen und HA LE LU JAH! Diese Frau ist der Wahnsinn und wenn man sie in Europa sehen kann, dann sollte man das tun. Sofort. No-Brainer halt.

Linz

Dass Linz fast immer eine Reise wert ist, weiß ich, seit ich 2015 dort auf der Tagung der Dramaturgischen Gesellschaft war – ich mag ja Österreich ohnehin (politisch muss man mal sehen, aber das muss man in letzter Zeit ja überall…), aber gerade über die letzten Spielzeiten hab ich immer mal wieder neidisch drüber gelinst (muhahaha). Aber diese Spielzeit muss ich es endlich einmal wieder dorthin schaffen, weil es Stephen Sontheims Assassins gibt. Hairspray (was derzeit läuft) hat wahrscheinlich einen wahnsinnigen Schauwert – läuft aber auch in Deutschland derzeit relativ gut gestreut mit der Premiere, die am kommenden Samstag in Dortmund stattfindet (und mit der Produktion liebäugle ich in jedem Fall…), und einer bald startenden Tour. Assassins ist so ein kleines Juwel und ein typischer Fall von DAS MUSS MAN WOHL GESEHEN HABEN.

Bonus: wo ich gewesen wäre, wenn…

Spätestens seit meiner letzten Hospitanz im Januar 2016 hat das Gärtnerplatztheater in München einen besonderen Platz in meinem Herzen und auf meiner Theaterbesuchsliste. Am vergangenen Wochenende ist das Theater wieder zurück an DEN Platz gezogen, nach Jahren der Renovierung und Sanierung und im Giesinger Büro-Exil. All die ganzen Bilder und Ausschnitte und Streams auf den diversen Sozialmedia-Kanälen haben mich ein bisschen neidisch in den Süden blicken lassen und während ich hier in Wiesbaden arbeitete und schließlich den Sonntag mit profanen Haushaltsdingen verbrachte. Nun denn, aber ich bin gespannt und aufgeregt auf den Moment, wenn ich es endlich einmal hinschaffe – mein erster Besuch ist wahrscheinlich für Anfang Januar geplant.

Wo sind eure “Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…”-Ziele? Was würdet ihr ansehen? 

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#MusicMonday … The Choices We Make

Ok, jetzt mal ehrlich: Wer kennt diese Situation, wenn man einen Ohrwurm hat, zwei bis vier Takte, der einen RICHTIG nervös macht, weil man weder weiß, wie es nach besagten zwei Takten weiter geht, noch den Text gut genug kennt, um von den Wörtern auf den Inhalt zu schließen und von dem wiederum auf die Herkunft oder den Titel des Liedes.

Vergangene Woche traf mich genau so einer wieder – vielleicht war es die Strafe für den lauten und sehr raumgreifenden “She works hard for the money”-Ohrwurm, der mich zum Leidwesen (und der Unterhaltung) meiner Kolleg_innen neulich im Büro heimsuchte. Ich hatte also einen typischen Fall von meinem eigenen Chor im Ohr, mit latent pathetischer Melodieführung (I LOVE me some pathetische Melodieführung from time to time)

Drei Tage später habe ich dann abends durch meine Apple Music Bibliothek – die, wenn wir ehrlich sind, nur aus Showtunes besteht – gescrollt auf der Suche einem Song, der auf meinen Ohrwurm passen könnte. Besonders lang war’s nicht her, dass ich es gehört hatte, es ist kein altes Stück. Durch die #pathetischemelodieführung konnte es quasi nur ein Finale oder zumindest ein Finale 1. Akt sein. Und BOOM plötzlich wusste ich’s: Es ist “The Choices We Make” aus dem Musical A Bronx Tale, das sich überraschenderweise schon relativ lange am Broadway hält, obwohl es bei sämtlichen Awards fast ausnahmslos ignoriert wurde.

Ich finde, das Reinhören lohnt sich – und nicht nur für die letzten Song.

Der Ohrwurm ist seitdem übrigens weg.

 

Wenn Judith Butler eine Cabaret-Show hätte

Hedwig and the Angry Inch in Frankfurt

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr ins Rhein–Main-Gebiet gezogen bin, war ich bereits im Zug hierher etwas wehmütig: Ich hatte die Musical-“Szene” in Berlin lieben und zu schätzen gelernt, ich hatte eine Ahnung davon, wo es die ‘richtigen’ Veranstaltungen gibt und wen man im Notfall fragen kann. Und das hatte ich eben im Rhein-Main-Gebiet nicht so. Also gar nicht.

Dass ich gut einen Monat nach meinem Umzug hierher in einer wundervollen Produktion von The Last 5 Years saß, steht auf einem anderen Blatt (und in diesem Blogbeitrag…#seewhatididthere) und tatsächlich gibt’s hier einige Dinge zu sehen. Ich weiß, ich weiß, wer hätte das gedacht.

Wie dem auch seit – vor inzwischen knapp zweieinhalb Wochen fand ich mich in der Premiere einer neuen, kleinen – und doch gleichzeitig ganz großen – Produktion wieder, ein weiteres Zwei-Personen-Stück, eine weitere Off-Spielstätte, wieder mal in Frankfurt, nur mit weniger Liebe – also jetzt rein inhaltlich, denn es gibt Hedwig and the Angry Inch, ein Stück, das ich noch nie gesehen hab, obwohl ich während der Broadway-Spielzeit in New York gewesen bin und in diesem Frühsommer die wunderbaren Kolleg_innen von Studio Lev eine sicherlich ultimativ sehenswerte Produktion auf die Beine gestellt haben.

Meine Kenntnis des Stücks beschränktlich sich also auf Neil Patrick Harris’ “Sugar Daddy” bei den Tonys, der ja vor allem LAUT gewesen ist, sowie auf die Details, die ich mir für ein Tutorium angelesen hatte, das ich im Masterstudium gegeben habe. Doppeltes Cross-Dressing find ich als Konstruktion nämlich spannend. So, jetzt ist’s raus.

So, nun sitze ich also in der Brotfabrik in Frankfurt und bin gleichzeitig in einem ranzigen Etablissement im Nirgendwo, ich bin in einem Trailerpark im Mittleren Westen, ich bin in einem Kabaret-Club, der seine besten Tage hinter sich oder noch vor sich hat (je nach Gentrifizierung), ich bin in einem Rockkonzert, in einer Fluxus-Performance, in einer Gruppentherapiesession, es sind die 80er, die 90er es ist irgendwie heute – es ist der Zeit enthoben. Alles das, gleichzeitig und ganz schnell hintereinander – und plötzlich verstehe ich die Faszination dieser Show, die auf dem schmalen Grat zwischen “Oh hallelujah! Im Ernst?!” und “Oh mein Gott, JA!” wandert. Wir sehen hier mit Hedwig (Michael Kagus) einer Figur dabei zu, wie sie sich vor uns nackig macht – vor allem im übertragenen Sinne, die uns alles erzählt, worum wir sie nie gebeten haben (oder vielleicht doch? die Verabredung zwischen Zuschauer und Spieler….). Wir werden absurde Zeugen eines Therapiekonzerts, in dem die, die ganz unten sind, noch weiter nach unten treten, nämlich nach Roadie-Backup-Singer-Zwitter Yitzhak (Kathrin Hanak), der_die am Ende dieses Abends, ganz wie es der Name will, zuletzt lacht – allerdings nicht ohne, dass uns das Lachen gehörig im Halse stecken bleibt.

All diese Gratwanderungen sind nicht nur dem Thema eingeschrieben (Judith Butler, du Heldin meiner Studienjahre!), sondern auch dem Stück und vor allem auch der Inszenierung, die selbst eine scharfe und gleichzeitig wichtige Grenze auslotet: Zwischen “tatsächlicher” (Theater-)Regie und einer Art behutsamem Musical-Staging pendelt Thomas Heeps Regie, bis man sich selbst kaum noch sicher ist, ob wir nun einem geschlossenen Stück oder einem wirklichen Konzert zuschauen, wer hier gerade was spielt und ob wir hier gerade eigentlich einem Mann dabei zugucken, wie er eine irgendwie nur schwerlich ‘durchgehende’ Frau (der Begriff des ‘passing’ ist ja in der Cross-Dressing-Szene ja um einiges wichtiger als im Drag…) spielt oder nicht vielleicht doch einer Frau, die einen Mann spielt, der eine Frau spielt.

Mit Hedwig ist es schwer. Vor allem ist es schwer die Distanz zu behalten, nur Zuschauerin zu sein. Hedwig umarmt einen, lullt einen ein, Hedwig ergreift Besitz und Hedwig würde dich am liebsten im nächsten Moment vor die Tür setzen. Hedwig ist die liebenswerte Drag-Mama, die sie im Buche steht, sie will von dir nichts wissen, sie braucht uns aber, um sich an uns auszuloten.

Hedwig hasst das Rampenlicht.
Und sie liebt es.

Und wir lieben sie.
Vor allem hier in Frankfurt.

Gratulation an die Menschen von Off Musical Frankfurt, denen hier ein wundervolles Debut mit Herz gelungen ist. Lasst uns bei Gelegenheit noch einmal richtig drauf anstoßen!

weitere Infos mit Hardfacts, richtigen Szenenbildern und der Möglichkeit Tickets für die weiteren Vorstellungen zu kaufen gibt es unter: http://hedwig-frankfurt.de/

meine Empfehlung: für Menschen, die Theater mögen, das sie überrennt, die sich nicht entscheiden können zwischen laut und leise, die das Uneindeutige und das Explizite gleichermaßen lieben (#istdaseineJudithButlerReferenzoderkanndasweg?), die mindestens 16 Jahre alt sind

Kaffeelektüre am Feiertag

Heute ist der 3. Oktober, Feiertag, und ich habe frei.

Ich habe frei!

Wäre ich letzte Woche nicht zwei Tage im Bett mit Fieber gewesen, wäre heute mein erster freier Tag seit dem 24.9. – und: wie frei ist ein Kranktag, an dem man nur im Bett zwischen schlafen und Fieberdilirium wechselt?

Egal. Ich bin gerade in bisschen besessen von einigen Dingen und wollte einmal kurz mit euch “darüber reden”.

Wer in regelmäßigen Abständen meine Ausgaben vom #MusicMonday verfolgt, findet schnell heraus: Ich höre gerne englisch sprachige CD-Aufnahmen.

Das ist allerdings keine bewusste Entscheidung, sondern ein Reflex von Angebot und Nachfrage; es gibt einfach deutlich mehr Neuerscheinungen auf, also gibt es mehr zu hören, kennen zu lernen und man verbringt halt quasi zwangsläufig mehr Zeit mit englischsprachiger Musik.

Dennoch sind in den letzten Monaten drei deutschsprachige CDs – allesamt Live-Aufnahmen – erschienen, die mich gerade durch mein Leben begleiten und immer wieder beeindrucken.

1. Ghost (Linz, 2017)

IMG_7678Obwohl die Aufnahme schon eine Weile auf dem Markt ist, habe ich sie erst Mitte September für mich entdeckt – zumal es ja jetzt mit großen Schritten auf die Berliner Produktion zugeht. Und tatsächlich finde ich, dass es eine sehr schöne Aufnahme ist. Abgesehen davon, dass ich es für eine sehr passende, gut singbare (und ‘sitzende’) Übersetzung ist, legt sich die Linzer Besetzung mächtig ins Zeug und scheint (im Sinne von Miss Wilkinson und “All you have to do is shine”) richtig.

Lieblingstracks: “Drei Worte von dir”, “Finale 1. Akt – Die Zweifel sind nun fort”, “Nur weg von hier”

Für alle, die auf ein bisschen Gefühl stehen und Drama wollen, die dramaturgisch gut gearbeitete Brüche hören wollen, und schöne kleine Riffs auf das Wort “New York”.

2. Disney’s Der Glöckner von Notre Dame (Berlin, 2017)

IMG_7677Meine persönliche Liebe des Sommers war ja Der Glöckner von Notre-Dame, wie ich hier und hier schon ausgedrückt habe. Bei meinem zweiten Besuch haben meine Frau Mama und ich die damals frisch erschienene und exklusiv im Theater erhältliche CD mitgenommen, weil…wie gesagt: Wie häufig bekommen wir neue CDs in Deutschland? Und dann auch noch solche Musik! Inzwischen ist die CD auch im freien Handeln von Sound of Music bis Amazon erhältlich und ich bin immer noch ein Fan.

die ergreifendsten Momente: “Der Klang von Notre-Dame”/ 7:20 bis 7:30, “Aus Stein”, “Finale Ultimo”/ 0:48 bis 1.01

Für alle, die mal wieder hören wollen, wie man das MEGA ins Megamusical tut, die eine dramatisch-atemberaubende Leistung eines Rocktenors nochmal Revue passieren lassen und den Übergang eines 1999er Musicals ins 21. Jahrhundert hören wollen

3. Wonderful Town (Dresden, 2017)

IMG_7676Beinahe hätte ich diesen Absatz angefangen mit “Diese Aufnahme unterscheidet sich von den anderen beiden…” und das stimmt auch – wenn auch aus anderen Gründen, als ich eigentlich zuerst dachte. Wonderful Town ist nämlich sehr viel älter als die anderen beiden Stücke und eines von denen, die man hier im deutschsprachigen Raum sehr bewusst “kennen lernen muss” (obwohl ich in meinem absoluten Lieblingsbuch “Changed for good. A feminist history of the Broadway musical” schon vor langer Zeit drüber gelesen hab). Die nun erschienene Aufnahme ist aus der Staatsoperette in Dresden (ein Staatstheater, HA, eine Gemeinsamkeit mit der Ghost-Aufnahme!) und es ist einfach so schön, witzig und vor allem ein RICHTIG GUTES ZEICHEN für die generelle Musical-CD-Landschaft im deutschsprachigen Raum, dieses Stück als eine Live-Aufnahme zu produzieren. Jetzt ist die Zeit auch nicht mehr ganz so lang, bis ich am 12. November endlich einmal diese Produktion live sehen kann.

Die witzigsten Momente: wenn Ruth in “Hundert gold’ne Regeln, einen Mann zu verlier’n” quasi die Story meines Lebens erzählt, “Für nichts” anhören und dann direkt danach “Let’s have lunch” aus Sunset Boulevard, “Conga” (was sich alles reimen kann!)

Für alle die, wie eine sehr liebe Freundin und immer wieder mal Kollegin, einmal sagte “keinen einzigen Moment schlechte Musik” miterleben wollen. Zumindest schonmal auditiv.

#MusicMonday … Augen und Füße

Am Samstag war ich in der Premiere von Footloose am Staatstheater Darmstadt und auch wenn ich nichts über den Abend schreiben werde – wie auch über Jesus Christ Superstar am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, weil beides Häuser sind, für die ich arbeite – die Musik war irgendwie fetzig (sagte man nicht irgendwann man “fetzig” für “cool” oder “krass” oder “mitreißend”?) und hat mich ein bisschen begleitet. Vor allem “Somebody’s Eyes”, weil ich da noch einmal die Stimme einer mir gut bekannten Sängerin neu und besser habe kennen lernen können, und weil es einfach ein schöner, ein bisschen overly dramatic und ein bisschen hart 80er Song ist.

Und weil er am Samstag in einer Inszenierung gesungen wurde, in der danach jede private Unterhaltung der Moore-Familie on the front porch geführt wurde. Und das hat mich auf eine armselige Art und Weise doch sehr unterhalten. 😉

Was gibt’s bei euch heute auf die Ohren?

 

#MusicMonday … a new obsession

aka: Warum habe ich das nicht schon viel früher entdeckt?

Vor etwas über einer Woche wurde ja das “Geheimnis gelüftet” und die beiden Hauptdarsteller für Ghost in Berlin verkündet. Und da habe ich festgestellt, dass ich tatsächlich die deutsche Aufnahme von Ghost schon auf meinem Telefon gespeichert, aber noch nie angehört hatte. (SHAME ON YOU, ich weiß) Als ich dann am Samstagfrüh ein wenig Zeit und Muße und vor allem Lust und Brainspace für etwas Neues, habe ich endlich einmal auf Play gedrückt.

Es stellte sich heraus, dass ich es wirkich gut finde. Nicht auf eine Jason Robert Brown- oder Stephen Sondheim-Art (“OH MEIN GOTT, das ist DIE BESTE MUSIK, die ich je gehört hab!”), aber im Sinne von: Hallelujah, warum hab ich das nicht schon viel früher angehört?

Nach dem ersten Hören habe ich mich damit in den Ohren aufs Laufband gestellt und die Aufnahme hat auf jeden Fall den Sport-Test auch bestanden (die deutsche ist ein bisschen besser geeignet als die englische in meinen Augen, weil sie mir in manchen Tracks ein bisschen schneller vorkommt).

Wie dem auch sei – besonders angetan hat es mir das schmalzig-sappy “Three Little Words” bzw. “Drei Worte von dir”. Und ja, ich falle halt voll drauf rein, wofür dieser Song so offensichtlich nutze ist in diesem Stück, und es ist mir superegal. 🙂

#MusicMonday … Throwback edition

Nachdem ich letzte Woche (trotz eines freien Montags, aber wegen einer sehr ausgedehnten Premierenfeier am Vorabend…) der #MusicMonday hier auf dem Blog ausgefallen ist – immerhin gab es eine Pseudovariante auf der Facebookseite – sind wir heute mit einer Throwback-Edition zurück!

Normalerweise versuche ich ja mehr oder weniger erfolgreich und/oder offensichtlich meinen Beruf und den Blog zu trennen (deshalb habe ich zum Beispiel auch nichts zu Jesus Christ Superstar am Hessischen Staatstheater Wiesbaden geschrieben, wo ich letzte Woche in der Premiere war, weil…es ist schon irgendwie “mein” Haus), aber heute muss es mal sein.

Als ich nämlich gestern ENDLICH mal wieder den ausgelatschten Pfad von Glöckner und The Great Comet verlassen hab musiktechnisch, bin ich irgendwie bei Jasper in Deadland gelandet. Und dann ist mir aufgefallen, dass es ein inzwischen fast ZWEI JAHRE ALTES Video gibt, was sehr lustig ist (und unglaubliche 1000 Views auf Youtube hat…#ironie). Was sind wir alle klein und was hat Lisanne am Anfang für einen peinlichen Auftritt (ohne Mikro für Sänger kein Lied, Lisanne!) – es ist zum Brüllen komisch, finde ich, und immer wieder eine schöne Erinnerung.

In diesem Sinne: Lach, wenn du nicht mehr lebst! #lol

 

Links fürs Wochenende

Wer weiß, vielleicht wird es ja eine kleine Tradition, dass es immer, wenn ein richtiges Wochenende – das heißt Samstag und Sonntag frei – vor mir liegt, es ein paar kleine Links mit Lesestoff zum Wochenendsfrühstück gibt (oder zum Vorglühen am Freitagabend)?

Wer weiß, wer weiß…

Nun also heute wieder einmal Links und/oder Empfehlungen zum Gucken, Hören, Lesen!

Zuerst, lasst uns übers Sehen sprechen. Seit letzter Woche hat mich Netflix einmal mehr zu einer kleinen, glücklchen Lisanne gemacht, denn es gibt nun endlich auch auf dem deutschen Netflix alle drei Staffeln von Miss Fisher’s Murder Mysteries, einer großartigen australischen Serie, die mir vor JAHREN zum ersten Mal über den Weg gelaufen ist, als Kollegin K., mit der ich damals ein Büro teilte, mir davon erzählte. Ich habe die erste Staffel mit großer Freude geguckt, bis jetzt gab es allerdings keine Möglichkeit Staffeln zwei und drei legal im Originalton in Deutschland zu gucken (als wir im März mit dem Ensemble auf Tour in Spanien waren, habe ich zwei Folgen gucken können, weil…spanisches Netflix apparently…). Nun hat sich das aber ENDLICH geändert. Und es ist immer noch großartig. Für die, die nicht wissen, was ich meine: stellt euch vor Hercule Poirot meets feministische, schlaue Frau aus den 20er Jahren und tadaaa! Ihr habt Phryne Fisher. Und nicht nur die Stories sind witzig, schön und herrlich altmodisch, sondern die Kostüme sind wunderbach nachkreiert.

Zum Zuhören…über Niklas’ Post zu seinem Besuch bei Grand Hotel (über den ich immer noch neidsch bin) bin ich auf einen super nerdigen Audiopodcast gestoßen. Bisher habe ich nur eine Episode gescheit angehört – Zugfahrt nach Darmstadt und zurück sei dank! – aber was soll ich sagen: Ich bin hooked. Die Rede ist von Tim and Tomic’s Musical Theatre Happy Hour und die Episode, die ich angehört habe, war die über A Chorus Line. Es war ein bisschen so, als würden sich Jennifer Ashley Tepper (“The Untold Stories of Broadway”) und Seth Rudetzky über Musicals unterhalten. Und als kleiner Nerd fühlt man sich da direkt zuhause. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich während des Nähens (der Herbst kommt, ich brauch neue Klamotten) die eine oder andere Episode hören kann.

Und nun zum letzten…dem Lesen. Während meines Sommerurlaubs in Plau am See habe ich ja meine eigene Taschenbuchausgabe von Krieg und Frieden gekauft, weil ich so besessen war (was sag ich: bin) von Natascha, Pierre and the Great Comet of 1812, was nun leider, leider seine Pforten im Imperial Theatre schließen wird. Auf jeden Fall hält sich mein Fortschritt darin in Grenzen, weil ich einfach immer einschlafe. #oops Dieses Wochenende hoffe ich, vielleicht die ein oder andere Seite zu lesen, wer weiß. Und als Alternative zum Blättern liegt da auf jeden Fall momentan noch Oh She Glows von Angela Liddon rum, weil ich nach dem Fasten einmal Lust habe, einige neue Rezepte auszuproieren.

Was guckt, hört, lest ihr dieses Wochenende oder habt ihr vielleicht sogar theatrale Pläne? (meine hängen noch von der Genehmigung meiner Premierenkarte für Sonntag ab…mal sehen) Lasst es mich gern in einem Kommentar wissen!

#MusicMonday … Journey to the Past

Als ich gesten die erste Episode des Broadway.com-Vlogs von Christy Altomare in der Musicalfassung von Anastasia sah, erinnerte ich mich daran, wie gern ich den Animationsfilm aus den 90ern mag und als Kind mochte. Aber noch lieber erinnere ich mich daran, wie ich vor knapp vier Jahren (!) zum ersten Mal im 54below in New York saß, leicht angetrunken vom Weißwein und meine Mutter und ich einen Tisch mit einem extrem charmanten schwulen (Ehe-)Paar teilten. Es gab das Anniversary-Konzert des Duos Lynn Ahrens und Stephen Flaherty, es sangen LaChanze und Stephanie J. Block und Norm Lewis und ich war weggeblasen. Das war übrigens auch der Moment, in dem ich mich in den Sound von Ragtime verliebte – aber das ist hier nebensächlich.

Eigentlich geht es nämlich um etwas anderes und zwar um Liz Callaway, die also vor uns auf der Bühne stand (wir saßen nicht besonders weit weg), die 22-jährige Lisanne davor (wir erinnern uns: leicht angetrunken…) und dann singt sie, die amerikanische Originalstimme aus dem Film, dieses Lied. Ich war sehr berührt und weggeblasen und das Paar mit uns am Tisch verdrückte ein paar Tränchen, was mich noch mehr rührte. Aber es ist auch einfach immer noch einfach so gut.
Und irgendwie hat man manchmal einfach das Gefühl, etwas besonderes erlebt zu haben – auch wenn es nur ist, wie Liz Callaway im 54below “Journey to the Past” singt.

Oder?

Deutscher Musical Theaterpreis 2017

Die Nominierungen und ein Kommentar dazu

Anfang dieser Woche wurden die Nominierten des Deutschen Musical Theaterpreises 2017 bekannt gegeben, ein Preis, der seit 2014 offiziell (damals an Helmut Baumann als einzigen Preisträger) und seit 2015 dann so richtig jährlich verliehen wird.

Für die, die sich in der (deutschen) Musical-Szene nicht so besonders auskennen: Der Deutsche Musical Theaterpreis versteht sich als ein Preis “von Musical-Profis für Musical-Profis” (so steht’s auf deren Website) und ist quasi wie die Tony Awards (nur seeeeeeeeeeeeeeehr viel kleiner) in Deutschland oder wie DER FAUST, der jedes Jahr vom Deutschen Bühnenverein verliehen wird – nur eben fürs Musical.

Das Prinzip ist einfach – Produzenten können ihre Uraufführungen aus dem deutschsprachigen Raum für diesen Preis vorschlagen, eine Jury wählt dann aus denen aus und nomiert bestimmte Produktionen.

Da ich leider von den nominierten Produktionen KEINE EINZIGE gesehen habe (jo, I know, shame on me!), denn meine eigene Arbeit in Staatstheatern fordert ihren Tribut – kann und will ich mir keinen inhaltlichen Kommentar zu den Nominierungen erlauben außer: Gender Equality scheint – wenn man die Nominierten als ein repräsentatives Abbild der Bewerber und die widerum als ein repräsentatives Abbild der deutschen Musicallandschaft sieht – nicht besonders großgeschrieben zu werden…so sind drei von drei nominierten Kompositionen von männlichen Komponisten, in der Kategorie “bestes Buch” konkurrieren vier Männer (zwei 2er-Teams) mit einer Frau, während die Liedtext-Nominierungen wieder ausschließlich in männlicher Hand sind. No shade being thrown here und die Kollegen haben sicherlich eine herrliche Arbeit geleistet, aber es stellt sich dennoch ein wenig die Frage, WO genau das Problem liegt. DASS es ein Problem gibt, ist glaub ich kaum zu bestreiten.

Nun aber zum eigentlichen Kommentar! (ENDLICH, Lisanne!)

Ich verstehe – und in gewisser Weise schätze ich auch – die Initiative der Deutschen Musicalakademie, deutsch(sprachig)e Uraufführungen zu fördert, auszuzeichnen und über ihre lokale/regionale Strahlkraft hinweg bekannter zu machen. Und um das mal mit den Worten des Bürgermeisters meiner Kindheit und Teenager-Zeit zu sagen: Das ist auch gut so.

ALLERDINGS gibt es da zumindest aus meiner Sicht einige kleine Problemchen:

So groß ist die “Flut” an deutschsprachigen Uraufführungen auch nicht, dass dieser Preis tatsächlich jedes Jahr genug Auswahl hätte. Und nicht einmal die Nachspielungen deutscher Stücke würde das massiv verändern, werden doch die Spielpläne in Wellen immer noch von Evita, Jesus Christ Superstar und West Side Story dominiert (nicht, dass irgendwas falsch wäre mit diesen Stücken, ich mag sie sehr, nur innovativ ist meist etwas anderes…). Auf der Bewerberliste für dieses Jahr stehen 17 Produktionen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund – manche sind in kleinen Stadttheatern oder in Landesbühnen produziert worden, mache an Off-Spielstätten in Berlin, andere an Freilichtbühnen oder relativ großen Stadttheatern und wieder andere an Institutionen, die über ihre Landesgrenzen bekannt sind (Volksoper!). Diese Vielfalt ist toll und sie bildet tatsächlich die Vielfalt der deutschsprachigen Theaterlandschaft ab, zumindest was die Größe und Struktur der Theaterspielstätten angeht.

DENNOCH ertappe ich mich jedes Jahr wieder dabei, wie ich mir wünsche, dass sie Kategorien um die eine oder andere erweitert werden würde, denn es lässt sich kaum leugnen, dass vieles an Inspiration, Kreativität und Innovation aus dem (englischsprachigen) Ausland zu uns rüberschwappt. Theater beweisen immer wieder den Mut, nicht nur Uraufführungen zu bringen, sondern auch Erstaufführungen, Wiederentdeckungen, Ausgrabungen abseits der Dreifaltigkeit des Megamusicals.

Deshalb, liebe Musicalakademie, erlaube ich mir hier, ein paar träumerische, utopische, aber auch ernstgemeinte Vorschläge zu machen:

Beste Erstaufführung – in der vergangenen Spielzeit brauchte das TfN in Hildesheim die deutschsprachige Version von Dogfight, es gab gleich zweimal Die Brücken am Fluss, in vergangenen Jahren gab es Ragtime und Next to Normal, in Trier wurde die deutschsprachige Erstaufführung von Murder Ballad dann “dank” Intendatenwechsel doch nicht gebracht und das sind nur einige wenige Beispiele. Die Theater, die das programmieren, wagen mit vielen Erstaufführungen immer auch ein thematisches, inhaltliches oder formales Experiment, das die Musical-Sehgewohnheiten der meisten deutschen Theatergänger_innen herausfordert. Sollte das nicht gewürdigt werden?

Beste Regie – so generell. Es gibt zwar auch viel “so la la”-Musicalregie in deutschen Theatern, aber es gibt so viele Regisseure und Regisseurinnen, die immer wieder erstaunliches leisten. So hat Martin G. Berger zum Beispiel einige wunderbare, provokante, erschütternde und anrührende Inszenierungen geschaffen und war bisher mit Ausnahme seiner Arbeit Stella im letzten Jahr (wo er ihn dann auch mit nach Hause genommen hat) ausgeschlossen, weil er sich an Vorlagen abgearbeitet hat, sie aufgebrochen hat und uns neue Farben der Stoffe gezeigt hat.

Beste Übersetzung – wenn wir über Erstaufführungen sprechen, müssen wir auch über Übersetzer_innen sprechen. Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass wir alle schonmal in einer Musicalinszenierung saßen und es uns eiskalt den Rücken runterlief, weil der Text entweder unsingbar war, seltsame Formulierungen oder endlose Elipsen enthielt oder man sich schlicht und einfach fragen musste: Wie wäre das jetzt wohl im Original? Wenn Texte, vor allem Liedtexte, nicht im Original deutsch sind, dann beeinflusst die Übersetzung unser Seherlebnis entscheinend. Und wie viele Menschen verwechseln eine ungute Texterfahrung vielleicht einfach mit “Uhh….das war aber kein gutes Musical”?

Beste Darstellerin / Bester Darsteller – s. Regie, so ganz generell. Weil ganz ehrlich: Wollen wir, dass Kraftakte wie David Jakobs’ Quasimodo im Glöckner von Notre Dame, oder Sarah Schütz’ Arbeit in Wonderful Town in Dresden als nicht preiswürdig abgetan werden? Eben.

Irgendwann wären natürlich auch noch etwas ‘abgedrehtere’ Kategorien denkbar wie “Bester Off-Produzent” oder ähnliches, um die kleineren, hartarbeitenden Produzent_innen-Gruppen in ihrer Arbeit zu würdigen. (Special-Shoutout here für Studio Lev in Kassel, die seit Jahren wunderbare auch politische Arbeit mit Laien und Profis gleichermaßen leisten!)

Lasst uns Musical feiern und mit Preisen bedenken! Aber so richtig und mit Freude an der Vielfalt und Innovation.

Welche Kategorie würdet ihr hinzufügen wollen, wenn ihr könntet? Und was war eure liebste Musicalproduktion des vergangenen Jahres?