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#MusicMonday … Me and the Sky

Guten Morgen,

nachdem ich letzte Woche einfach nur zu müde war, um am Freitag einen thematischen/inhaltlichen Post zu veröffentlichen, gibt es nun einfach einen neuen MusicMonday.

Und auch diese Woche etwas aus einem großen Broadway-Hit, because that’s my JAM at the moment. Jenn Colella hat mich mit diesem Lied mehrfach einfach zu Tränen gerührt, sodass ich wie your ordinary crazy lady heulend vor meinem Computer saß.

Noch spannender als ihre Performance finde ich allerdings, dass “Me and the Sky” die einzige richtige Solonummer aus Come from Away ist, das sich extrem energetisch und quasi als “Feel-Good-Musical” (so komisch das klingt) mit den Auswirkungen von 9/11 auf den internationalen Flugverkehr um dieses Datum herum beschäftigt. Nennt mich pathetisch, aber irgendwie mag ich es, wenn Stücke, die sich derartig mit Gemeinschaft auseinandersetzen und quasi Zusammenhalten promoten, dann auch Ensemblestücke sind, wo die spielerische Gemeinschaft geradezu die Energie hervorbringt, die dann zu einer Faszination wird.

Was hört ihr heute?

#MusicMonday … Good for you

Ich bin momentan nicht besonders off-anything. Oder gar off-off. Momentan müssen die großen Produktionen musikalisch ran, um mich ‘über Wasser zu halten’. Also heute nun Dear Evan Hansen.

Wenn ich mich mit like-minded Musicalmenschen unterhalte, kann ich mich häufig dann nicht entscheiden, was ich UNBEDINGT MAL WIEDER HÖREN MUSS.

So war das auch am Samstag, als ich bei einer Einweihungsfeier auf Menschen traf und ein Kommentar zum nächsten führte und plötzlich gab’s ein Gespräch über “Waving through a window”. Ich sagte “Aber dieses andere Lied ist eigentlich noch viel krasser!” und mir fiel aber ums Verrecken der Titel nicht ein. Auf dem Nachhauseweg dann natürlich schon – und deshalb MUSS “Good for you” mit der grandiosen Performance von Rachel Bay Jones heute einfach meine Montagsmusik sein.

Was hört ihr zum Wochenanfang?

 

Links zum Wochenende

The Musical Edit

Lesen – Hören – Ansehen

Ich wünschte, ich könnte schreiben “So langsam nimmt die Theaterwelt in Deutschland wieder Fahrt auf”, aber ehrlich gesagt sind die allermeisten Theater noch in den Ferien, sogar ‘meine beiden’ (die, zu denen das Ensemble gehört, für das ich arbeite) urlauben offiziell noch, nur wir haben schon die erste Woche der neuen Spielzeit hinter uns gebracht.

Wie dem auch sei…in dieser Woche habe ich tatsächlich einmal ein ganz normales Wochenende wie Menschen mit ‘normalen’ Jobs – nämlich Samstag und Sonntag frei. Und was läge da näher als einmal ein paar Dinge zusammenzuschreiben, die ich – theatral und untheatral – in den nächsten zwei Tagen on the internet so vor habe?

Zuerst muss ich glaub ich mal meine feminist vibes aufladen. Ich bin ein großer Fan der Arbeit von Victoria und Danielle (und ihren Kolleginnen) auf www.theintervalny.com, dem wie sie es selbst nennen “Smart girl’s guide to theatricality”. Dort findet man immer irgendein Interview mit mindestens einer spannenden Bühnenpersönlichkeit, die einen gerade extrem interessiert – zudem stellen sie häufig mit einer ganz besonderen Zielgenauigkeit Fragen nach Geschlechtergleichheit (gender parity) im Theater, den so genannten Glass Curtains und Vorbildern. Auf meiner Leseliste steht derzeit zum Beispiel das mit Jenn Collela ganz oben, die mich immer noch regelmäßig mit “Me and the Sky” auf der Broadway-Aufnahme von Come From Away zum Weinen bringt.

Neulich fragte mich zudem ein Freund, ob ich 36 Questions kennen würde, das Podcast-Musical. Ich kannte es nicht, ich habe es aber gleich einmal abonniert und nun warten die Episoden auf meinem Telefon geduldig darauf, angehört zu werden. Da das Wetter auch hier in Wiesbaden (das man angeblich auch das “Nizza des Nordens” nennt, Kurstadt, heiße Quellen und so…) eher herbstlich und verregnet ist, gibt es doch kaum eine bessere Vorstellung als Podcasts anhören und stricken oder putzen. Aber eigentlich eher stricken. 🙂

Letzten Sonntag habe ich durch Zufall einen (ein? eine?) Bootleg von Natasha, Pierre & the Great Comet on 1812 auf Youtube gefunden. Ich habe NATÜRLICH draufgeklickt, mir dann aber gedacht, dass ich – sollte ich in den Genuss dieser Show live kommen – die Magie dann eben tatsächlich dort zum ersten Mal erleben will, um mich dort eben in diesem Moment ent- und verführen zu lassen. Allerdings wurde ja im Laufe der Woche die Schließung der Show im September angekündigt und da meine nächste New York Reise (hoffenlich) “erst” im März 2018 statt finden wird, werde ich es verpassen müssen, leider. Also stellt sich mir jetzt nur noch die Frage: erst den/die/das Bootleg angucken und dnan hartcore Krieg und Frieden lesen oder andersrum?

Was habt ihr vor am Wochenende? Musikhören? Lesen? Vielleicht geht ihr ins Theater und gucke eine der vielen Open-Air-Vorstellungen an, die gerade noch überall laufen?

 

 

4 Dinge …

die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner gelernt hab

Ich darf mich zwar seit über einem Jahr großspurig Master of Arts nennen und manche würden an dieser Stelle denken, sie müssten nichts mehr lernen – allerdings glaube ich tatsächlich an lebenslanges Lernen (dass ich in meinem Vorhaben, in meinen vier Wochen Spielzeitferien Französisch zu lernen, grandios gescheitert bin, ist Stoff für einen anderen Tag…..) und ich glaube tatsächlich noch mehr daran, dass (wiederholte) Theaterbesuche einem wirklich Sachen beibringen können, wenn man nur wach genug zuschaut.

Nun also….Vorhang auf für 4 Dinge, die ich bei meinem zweiten Besuch beim Glöckner von Notre-Dame gelernt hab:

Ich liebe erzählerische Klammern
Das ist ein bisschen gelogen, das habe ich nicht gerade erst gelernt. Ich liebe erzählerische Klammern ungefähr seit der 5. Klasse, nachdem man mir überzeugende Argumente bot, dass “und sie wachte auf und alles war nur ein Traum” KEIN Moment guten Erzählens ist – generally speaking. Erzählerische Klammern können genau diese Funktion aber übernehmen, oder viel mehr: mit eben so einer haben wir’s beim Glöckner zu tun.Aus irgendeinem Grund habe ich erst jetzt wirklich realisiert, dass die ersten solistisch gesungenen Phrasen von Chlopin kommen – und er auch ganz zum Schluss auch gewissermaßen als Spielleiter (man könnte auch sagen Conferencier, Lisanne!) ganz selbstbewusst das Wort wieder ergreift, Quasimodo seine Quasimodo-Requisiten abnimmt und so das Spiel ‘Glöckner von Notre-Dame’, was in dem Moment angefangen hat, in dem sie ihm den Buckel anlegen, beendet. Solche Konstruktionen machen mich doch immer wieder sehr, sehr froh, auch weil ich ein erzählerische Distanz (“Du, sag mal, ist das jetzt deine Brechtsche Distanz?” – das hab leider nicht ich gesagt…ich find’s trotzdem lustig) ganz toll finde – und da bin ich in diesem Inszenierung nunmal sehr richtig.

und Theatermomente
Das ist jetzt auch nicht das große Geheimnis, das hier entdeckt wird – es ist ja auch schon in meinem ersten Artikel zu dieser Produktion deutlich geworden. Aber ich konnte bei meinem zweiten Besuch genauer lokalisieren, wo das, was ich Theatermoment nenne, anfängt – und das ist tatsächlich viel früher der Fall als ich bis jetzt gedacht habe. Diese Inszenierung braucht nicht einmal diese sprossenwand-artigen Holzrequisiten, die Turmgeländer, Pufftür oder Gefängniszelle sein können. Der ‘einfachste’, wenn man so will ‘spießgste’ – und vielleicht gerade deshalb so befriedigende – Theatermoment wird gewissermaßen PERMANENT erzeugt, nämlich indem die Erzählerstimmen wechseln, sich ablösen (auch in der Bewegung im Raum, übrigens) und die Geschichte so vor uns, dem Publikum, ausbreiten und es uns so möglich machen in die Handlung rein- und dann wieder rauszuzoomen (und ganz nebenbei wäre die Erzählstruktur ein Paradebeispiel für Gerard Genette mit seinen verschieden Zeitformen des Erzählens….).

Diese Produktion ist ein Ensemble-Stück par excellence
Ich weiß, letzte Woche habe ich vor allem von zwei Herren geschrieben, die mich wahnsinnig beeindruckt haben – und das hat sich beim zweiten Besuch nicht geändert…eher im Gegenteil. Allerdings fällt bei genauerem Hinsehen relativ schnell auf, dass diese Menschen nur so scheinen können (“All you really have to do is shine” as Mrs. Wilkinsons aus Billy Elliot sings…), weil sie über diesem eng gewebten Netz aus Ensembleaktion schweben. Das ist natürlich besonders augenscheinlich in Momenten, in denen Kollegen einander tatsächlich Hilfestellung geben oder als Sicherheit da sind (Sprünge, Hebungen, ‘Stunts’ etc), allerdings sind sie auch vor allem durch die Auflösung der Wasserspeier in das Ensemble immer auch quasi-solistisch präsent, wenn es eigentlich ganz kleine, intime Szenen sind.
Also: Brava, Ensemble, brava! (as Seth Rudetzky would put it)

auch in solchen GIGANTISCHEN Produktionen gibt es bessere….und schlechtere Vorstellungen
Ich hab ja damals (2010….uaaaaah) noch angefangen unter Erika Fischer-Lichte zu studieren und ich glaube, wir können alle von damals noch herunterbeten, dass ja jede Aufführung tatsächlich einzigartig ist durch die autopoietische Feedbackschleife, durch die Energien, die sich gewissermaßen zwischen Bühnen. und Zuschauerraum (so denn eine klare Trennung tatsächlich möglich ist) und natürlich auch durch die jeweils eigene Disposition während der Aufführung. Gerade bei so großen Produktionen, in denen es unter Umständen manchmal auch einfach darum gehen kann, alle Markierungen zu treffen, alle Schritte zu erinnern und zur richtigen Zeit das richtige Requisit dabei zu haben, neigt man immer wieder dazu eben das zu vergessen – ich auch, obwohl die Kategorien “gute Vorstellung” und “schlechte Vorstellung” tatsächlich in meinem täglichen Leben im Repertoirebetrieb vorkommen. Wahrscheinlich macht eben diese Leugnung von Tagesform, Energiedifferenzen und autopoietischer Feedbackschleife (ich geb’s zu, ich wollt’s einfach nochmal schreiben…) die Einteilung zwischen ‘tatsächlichem Theater’ (dem ernsten Theater, das, was WIRKLICH relevant ist…Ironie…) und “Kunst als Objekt kapitalistischer Spekulationen, als Ware”,* als die wir Musical-Großproduktionen wahrzunehmen scheinen, so einfach. Aber so ist das nicht. Ich weiß nicht genau warum, was da passiert ist – es lag schließlich weniger als eine Woche zwischen meinen beiden Besuchen – die zweite Vorstellung erschien mir eindeutig konzentrierter, wacher und deshalb auch präsenter, mit mehr Sendungsbewusstsein und NOCH mehr erzählerischem Potenzial. Und dass ich mit diesem Eindruck nicht allein bin, beweist mir in solchen Momenten immer meine Mutter, die mit mir zwar über die Jahre schon durch eine harte Schule der ewigen Theaterbegleiterin einer Tochter in verschiedenen Stadien der Professionalisierung gegangen ist, sich aber eine gewisse Unbedarftheit bewahrt hat – sie drehte sich in der Pause zu mir um und sagte: “Heute ist es irgendwie [noch] besser als letzte Woche.”

Bin ich allein mit meiner Vorliebe dafür, Produktionen / Inszenierungen durchaus mehrfach anzusehen? Beim Glöckner hat sich mein Eindruck jetzt nicht grundlegend geändert – obwohl das auch manchmal beim mehrmaligen Zusehen der Fall sein kann.

Ist euch das auch schon einmal passiert?

*dieses Zitat ist leider nicht von mir, sondern wird sinngemäß so von Thomas Siedhoff im Vorwort zu seinem “Handbuch des Musicals. Die wichtigsten Titel von A bis Z” (Mainz, 2007) erläutert.

#MusicMonday … Jericho

Long time no #MusicMonday, right?

Dabei hat mir das Ausgraben bzw. Entdecken von neuer Musik, neuen Youtube-Clips immer Spaß gemacht – nicht zuletzt auch, weil es meinen eigenen Horizont immer wieder erweitert hat.

Über das heutige Video bin ich gestolpert, als ich vor einiger Zeit von Video zu Video von/mit Performances von Kerstin Anderson gehüpft bin. Sie wiederum habe ich als Villa in Ryan Scott Olivers Konzertfassung von “We foxes” via Youtube kennen gelernt und dann…naja…wie es halt so geht: eins kommt zum anderen und dann vergisst die automatische Wiedergabe des nächsten Videos auszustellen und dann kommt man zum heutigen Video.

Abgesehen, dass ich voll auf die Ästhetik stehe zwischen geringer Tiefenschärfe, den großen Glühlampen an der Lichterkette, die Klavierbegleitung…der Song holt mich auch ein bisschen in der meiner Bibel-Nerdigkeit ab, die noch aus meiner Hebräisch-Lern-Zeit übrig geblieben ist – auch wenn Jericho wohl eher aufs neue Testament anspielt und deshalb nicht so viel mit Bibelhebräisch zu tun hat. Klickt man sich auf dem Youtube-Kanal des Komponisten Ethan Carlson weiter, findet man auch noch eine andere biblisch inspirierte Songs – Jericho ist dabei einer meiner Favoriten, gemeinsam mit dem (bei einem Konzert ebenfalls von Kerstin Anderson gesungenen) Nazareth…anscheinend neige ich hier zu Songs, die nach Städten im Nahen Osten mit nicht ganz unproblematischer Geschichte benannt sind. 🙂

Viel Spaß beim Hören und einen guten Start in die neue Woche!


This week my song for #MusicMonday is Ethan Carlson’s Jericho, sung by Kerstin Anderson in this gloriously aesthetic video. You can also check out his other bible-inspired songs on his Youtube-channel, one of my other favourites definitely is Nazareth.

Have an amazing week and happy listening.

#FavouriteFriday – Musikimport

Natasha, Pierre & the Great Comet of 1812

Wenn ich meinen Soundtrack des Sommers beschreiben müsste, würde ich sagen: Natasha, Pierre & the Great Comet, Hunchback of Notre-Dame und Georgia Stitt gewürzt mit einer großen Prise Dear Evan Hansen und “One Day” aus Groundhog Day.

Ich habe mich während der Off-Broadway-Spielzeit nicht besonders für Natasha, Pierre & the Great Comet of 1812 interessiert – zum großen Teil, weil ich einfach nicht wusste, was sich hinter diesem Titel verbrigt. (Schuldig im Sinne der Anklage!) Und dann hat’s mich auf meiner Fahrt aus Wiesbaden nach Berlin einfach eingeholt.

Wenn ich ganz ehrlich bin, gewinnt der Score schon in dem Moment, in dem man mir als erste gesungene Worte des Stücks “There’s a war going on out there somewhere – and Andrej isn’t here” präsentiert. Like: Ok, I don’t know anything about Andrej, but apparently he isn’t here” – das ist schon wieder ganz mein Humor. Was sich im Anschluss an diese Zeile entfaltet, ist quasi eine Tolstoi-Extravaganza: Es wird Krieg und Frieden, das Monster-Werk der russischen Literatur, verhandelt (“It’s a complicated Russian novel, everyone has got nine different names” – auch hier wieder: mein Humor). Es wird viel gelitten, euphorisch geliebt und dramatisch intrigiert.

Neulich habe ich in diesem Artikel in der New York Times gelesen, dass The Great Comet eindeutig auf der Bühne besser sei als auf CD, und das glaube ich tatsächlich auch – zumal ich vergangenen Sommer Rachel Chavkin’s Inszenierung Hadestown am New York Theatre Workshop habe sehen können und ihre Arbeiten anscheinend gern die traditionelle Trennung von Bühnen- und Zuschauerraum auflösen. Wenn ich mir jetzt quasi versuche, Hadestown in den Dimensionen des Imperial Theatre mit weniger antik-griechischem, dafür mehr 19. Jahrhundert-russischem Drama vorzustellen – HALLELUJA, YES PLEASE!

Dennoch finde ich die CD auch ohne Bühnenspektakel ganz ganz großartig, man kann sie tatsächlich auch gut beim Sport hören (und wenn wir Showtunes-Kinder ehrlich sind, ist das das einzige, was zählt…kleiner Scherz) und “Dust and Ashes”, in dem Pierre seine Suche nach dem Sinn des Lebens artikuliert, hat schon einmal dafür gesorgt, dass ich vor dem Konservenregal im Edeka anfangen musste zu weinen (das ist KEIN Scherz).

der beste Einstieg: man mag es kaum glauben, aber es ist tatsächlich der Prolog.
Was man unbedingt hören muss, wenn man keine zwei Stunden Zeit es, es einmal komplett zu hören: Natasha & Bolkonskys, Dust and Ashes, The Ball, Letters, Preparations, Pierre & Natasha
die Nebenwirkungen: man will irgendwie dann plötzlich “Krieg und Frieden” lesen – ich ‘musste’ zumindest in meinem Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte die neue deutsche Übersetzung kaufen. Nur leider schlafe ich immer ein.

Draußen!

über Disney’s Der Glöckner von Notre Dame in Berlin

Mit diesem Stück habe ich mich glaub ich so um 2005 zum ersten Mal geärgert. Nämlich darüber, dass ich es in seiner Uraufführungsspielzeit im Theater am Potsdamer Platz nicht gesehen habe. 1999 war ich 8 und 2002 11 Jahre alt und somit war Der Glöckner von Notre-Dame irgendwie das erste Stück, dass ich rückblickend RICHTIG KNAPP verpasst hab.

Komischerweise resultierte das nicht in einer totalen (Pubertäts-)Obsession, die kam erst leicht abgemildert, als 2014/15 in den USA das Quasi-Revival gefeiert wurde, nur um dann NICHT an den Broadway transferiert zu werden.

Letzten Sommer wurde dann die aktuelle Produktion für Deutschland angekündigt – in meiner Heimatstadt! – und ich zog nach Wiesbaden. Egal, denn nun hab ich’s endlich nachgeholt.

Viele Leute haben nach dieser Premiere inzwischen viel geschrieben über dieses Stück, und deshalb mag ich gar nicht so alles durchhecheln, sondern ‘nur’ über die Dinge sprechen, die besonders beeindruckend waren und die mich nun einmal mehr zuversichtlich in die Zukunft dieses Genres gucken lassen.

Letztes Jahr beendete ich meine Masterarbeit sinngemäß mit der Frage, was passieren würde, wenn wir Musical-Inzenierung egal welcher coleur und egal welchen Bugets politisches Potenzial zutrauen würden – und mit der Aufforderung, das auch zu tun (ob meine Betreuerinnen, die einzigen Leserinnen bisher, das jetzt tun, ist anzuzweifeln…). Und als ich nun am Samstag im Publikum saß und das Treiben auf der Bühne beobachtete, dachte ich mir: YES! Lasst uns das mal wirklich tun!

Denn gerade bei diesen Mega-Produktionen in den “Kommerztempeln” (so ein wörtliches Zitat einer meiner Dozentinnen aus dem Masterstudium…) ist es leicht, auf Bespaßung zu setzen, auf die totale Illusion und auf Knalleffekte, Trickkostüme, Bühnenverwandlung an Bühnenverwandlung. Und das wird ja auch häufig, gut und gern getan.

Scott Schwartz, der Regisseur, hat sich hier allerdings auf das genaue Gegenteil gestürzt: wir bekommen hier quasi den Vorgang des Erzählens selbst zu Gesicht, wir lernen, wie Geschichte(n) geschrieben wird, und so lernen wir auch, das Inkonsistente, das Konstruierte und das Uneindeutige der Figuren zu sehen. Indem reihum Ensemblemitglieder in (Teil-)Sätzen erzählende Passagen sprechen, indem sie zwischen Quasimodos ‘Freunden’ aus Stein und der Bevölkerung Paris’ wechseln, die jeweils nur eine Mönchskutte voneinander entfernt sind, knüpft das Stück hier an eine frühe Tradition der mündlichen Überlieferung an: vielstimmige Erzähler machen mit Worten Geschichten größer, kleiner, detailreicher oder abstrakter – und konstruieren so die Geschichte(n) und ihre Figuren immer ein bisschen neu.

Überhaupt steht Konstruktion im Mittelpunkt dieser Inszenierung. Das Prozesshafte der Erschaffung von Figuren, Charakteren und Persönlichkeiten wird uns hier immer und immer wieder vor Augen geführt – und wirft uns so auch zwangsläufig die eigenen Konstruiertheit und Performanz der eigenen Identität (ja, ja, Lisanne, du kleiner Butler-Nerd, ist gut!) zurück. Nicht zuletzt steht hier auch immer wieder Behinderung und Behindertsein als etwas, das ausschließlich oder zumindest zu einem großen Teil im Verhältnis bzw. in Abgrenzung zu einer Mehrheitsgesellschaft existiert, im Mittelpunkt. Sei es, dass Quasimodo als normaler Menschen auftritt und auf offener Bühne erst zum Buckligen, Deformierten gemacht wird, oder am Schluss alle ‘irgendwie Quasimodo’ werden, dass es einen deutlichen Unterschied gibt, ob Quasimodo mit sich selbst oder mit anderen spricht: Behinderung und Deformation sind hier Eigenschaften, die wie alle anderen Abgrenzungs-Eigenschaften (‘Zigeuner’-Sein, Soldat-Sein, Kirchenmann-Sein),  vor allem durch Zuschreibungen und Wiederholung aus allen Richtungen existieren. Durch diese stetige Neu- und Wiedererzählung der Charaktere, von Gut und Böse bleibt die Produktion auf einer Meta-Ebene ständig in der Schwebe – auch wenn natürlich (auch für mich) eindeutig klar ist, bei wem die Sympathien liegen.

Der ‘neue Glöckner’ hat mich ganz persönlich vor allem auf einer intellektuellen Ebene abgeholt und befriedigt hat, der Produktion ist anzusehen, dass sie durchdacht ist, dass die den Figuren und dem theatralen Erzählen an sich traut und damit schließlich auch, dass sie dem Publikum zutraut, einer erzählten Handlung im Erzählen zu folgen, aus der sich dann schon fast episodenhaft die einzelnen Szenen herausschälen.

Weil ich nun aber trotzdem nicht drum herum komme(n will), auch etwas über die Menschen auf der Bühne zu schreiben, hier in aller Kürze: Es können vor allem die Herren überzeugen, allen voran Felix Martin als Frollo und David Jakobs als Quasimodo. Beide habe ich schon häufiger und in diversen Rollen auf diversen Bühnen gesehen (David Jakobs u.a. als ich sechs Wochen lang die Gärtnerplatz-Produktion von Hair als Dramaturgie-Hospitantin beobachtete), hier beide haben es auch hier wieder geschafft, mich zu überraschen, zu beeindrucken und zu berühren – wenn man so will an unterschiedlichen Enden der Sympathie-Skala.

Wobei – im Grunde steht auch diese Zuordnung mit dieser Produktion irgendwie in der Schwebe. Und das ist doch ziemlich angenehm.

#12v12 April

In nächster Zeit stehen sowieso ein paar deutsche Posts hier an und da hab ich mir gedacht, fange ich doch gleich mal an mit etwas, was eigentlich “dazugehört”. #12v12 ist ein ziemliclh lustiger Ding auf Instagram, bei dem einige von mir verfolgten Blogger_innen immer wieder mitmachen, ob es nun die hochverehrten Kulturfritzen sind (die jetzt tatsächlich seit neuestem Plural sind!) oder Ella von Ringelmiez. “Konzept” dieses Hashtags ist es, einmal im Monat – nämlich am 12. – 12 Bilder aus seinem manchmal furchtbar langweiligen, manchmal ganz aufregenden Alltag zu teilen. Ich habe das in diesem Jahr im Januar zum ersten Mal gemacht, dann auch im Februar – im März nicht, wenn ich mich richtig erinnere. Eigentlich ist der Plan dann auch, das ganze zu ‘verbloggen’ – ein Fakt, den ich bisher geflissentlich übersehen habe. Ok, ignoriert. Ich habe ihn ignoriert. 😉

Diesmal will ich es aber machen, wenn auch mit einem Tag Verspätung….

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Nachdem mein Montag mehr oder weniger damit zu Ende gegangen war, dass ich ENDLICH mein Tuch aus dem tollen Wollmeisen-Garn “Blend” fertig gestrickt habe, fing mein Dienstag damit an, ebenso ENDLICH ein Paar Socken fertig zu machen, die schon viel zu lange auf den Nadeln rumgehangen haben (ich kann immer nur eine Sache gleichzeitig stricken, ist mir dabei wieder aufgefallen). Das ist also Paar Nr. 17 meines #52pairsin2016-Projekts. Ich bin froh, dass sie fertig sind!

Da ich momentan so richtig durchstarte, was meine Masterarbeit angeht (zumindest rede ich mir das erfolgreich ein….), gab es dann sehr viele Bilder, die irgendwie mit Papier oder so zu tun hatten. Meine To-Do-Liste und ein Teil des Inhaltsverzeichnis’ eines der Bücher, über die ich mich am nachhaltigsten freue: Meiner Mutter hat mir das “Oxford Handbook of Sondheim Studies” (tatsächlich!) zu meinem 24. Geburtstag geschenkt, nachdem ich es mir gewünscht habe – damit ist es sozusagen Teil einer Reihe ungewöhnlicher Bücher, die sie mir zu Geburtstagen schenkte und die damit begann, dass ich zu meinem 14. Geburtstag meinen bis heute heißgeliebten Stowasser bekam.

Mein “Arbeitsplatz”für den gestrigen Tag war dann mein Stammplatz in der Bibliothek des Instituts für Theaterwissenschaft der FU Berlin, wo ich immerhin 4 Jahre studiert habe (3 Jahre BA und ein Jahr MA Tanzwissenschaft) und wo ich seit drei Jahren als studentische Hilfskraft beschäftigt bin. Und falls sich jemand fragt, wie ich mich motiviere tatsächlich zu schreiben: a) das frage ich mich auch und b) Witze machen. Viele. (höhöhö)

Wer viel denkt, muss sich auch bewegen – nachmittags ging’s mit dem Rad von Dahlem nach Schöneberg, wo ich zum Kaffee mit Musical-“Urgestein” und -Mensch der ersten Stunde Eric Lee Johnson verabredet war. Es ist immer großartig mit Eric nicht nur, aber auch weil er so viele tolle Geschichten hat darüber, wie Musical in den 80ern und 90ern in Deutschland war. (von denen er einige bestimmt auch bei seiner Solo-Show Ende Mai erzählen wird….)

Zuhause habe ich dann – vor meinem Abendessen, das wie eigentlich jeden Tag aus einem großen Salat bestandt – in mein Konto bei foodassembly.com reingeschaut, weil ‘meine’ Assembly einen neuen Verkauft für die Verteilung nächste Woche gestartet hat. Ich glaube, bis es wieder wirklich gute Sachen für mich gibt, die ich auch esse, muss ich aber leider noch ein bisschen warten…. 😦

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Ich bin eine Chaotin und da stehe ich zu, deshalb habe ich auch dieses Bild gepostet, mit vielen Fädchen, viel zu vielen Stricknadeln und zwei angefangenen Socken auf der aktuellen Ausgabe der Women’s Health, die auf dem Sofa rumlag. Habe ich nicht weiter oben gesagt, dass ich nur eine Sache gleichzeitig bearbeiten kann, stricktechnisch? Richtig! Aber die gelbe Socke ist so kompliziert mit so einem extremen Zopfmuster (es sind die Professor Higgins-Socken), dass ich noch eine mindless Alternative brauche fürs Fernsehen, Freundetreffen oder so.

Zuletzt bin ich immer wieder und immer noch beindruckt von meine Schallzahnbürste. Weil ich die erste Zeit in München war mit ihr und das Glas nicht dabei hatte, komme ich erst jetzt in den Genuss, sie über Induktion (zumindest glaube ich das) in dem Zahnputzglas laden zu lassen. Ein Wunder der Technik! Und dann zu Abschluss noch: Mein Foamroller! Ich habe viel mit Verspannungen vom unteren Rücken abwärts zu tun und das Ding (gemeinsam mit so einem kleinen, harten Ball, der quasi dazugehört, und den ich “Sohn Satans” getauft habe) ist unglaublich dafür! Yay!

Nachgefragt bei….

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…Niklas von theaterdistrikt.net

Das sind die Wochen der neuen, losen Reihen. JUHUU! Nachdem letzte Woche ja schon mein erstes “richtiges” Interview veröffentlicht wurde, das wirklich mit leiblicher Kopräsenz, wie man bei den Theaterwissenschaftler_innen so sagt, entstanden ist (soll heißen: Dennis Hupka und ich waren dazu zur gleichen Zeit am gleichen Ort und haben uns wirklich unterhalten), soll es heute nur ein weiteres ‘erstes Mal’ geben. Und zwar hat Niklas, der seinen Blog theaterdistrikt.net auch über Theater schreibt, so wie ich, einen kleinen Fragebogen beantwortet.

Parallel dazu habe ich auch Niklas ein paar Fragen beantwortet, die wiederum bei ihm veröffentlicht werden. Hier könnt ihr das nachlesen, was ich so auf wunderbare Fragen von Niklas zu sagen hab.

1) Erinnerst du dich an deinen ersten Theaterbesuch?
Im Gesellschaftshaus in Kirn (der kleinen und nicht ganz so feinen Stadt, in der ich wohne und aufgewachsen bin) gab es früher immer mal wieder Theateraufführungen von der Volkshochschule, die ich mir mit meiner Familie angesehen habe. Mein erster Theaterbesuch wird dort in meiner frühen Kindheit ein Grimm’sches Märchen gewesen sein – ich habe noch dunkle Erinnerungen an „Tischlein, deck dich“, aber ich weiß nicht, ob dies das erste war. Hätte ich damals schon alles so festgehalten und dokumentiert wie heute, könnte ich das mit ein bisschen mehr Gewissheit sagen, haha. Die erste richtig professionelle Theaterproduktion, die ich sah, war 2006 Elisabeth in Stuttgart.

2) Wann hast du gewusst, dass Musical „dein Ding“ ist?
Das kam eigentlich schon direkt vor neun Jahren durch Elisabeth. Da fing es auch an, dass ich mir CDs anhörte (und glücklicherweise war das gerade die Zeit, in der Youtube im Kommen war), verschiedene CDs von einem Musical sammelte und mich mit Darstellern beschäftigte. Aber erst mal hatte ich nur so die kommerziellen Sachen wie Tanz der Vampire und Les Misérables auf dem Radar. Je mehr ich dann über den Tellerrand schaute und entdeckte, wie vielfältig das Genre ist, desto mehr wurde es dann auch so mein permanentes „Ding“ und nicht nur eine kleine Phase.

3) Produktionsunabhängig – welches ist dein Lieblingsmusical?
Schwer zu sagen. Momentan steht bei mir Fun Home an erster Stelle, aber ob das wirklich produktionsabhängig ist, kann ich gar nicht sagen, da ich das Stück nur in einer – nämlich der Broadway-Produktion kenne und glaube, dass die gesamte Inszenierung dafür gesorgt hat, dass ich das Musical so sehr ins Herz geschlossen habe. Vielleicht würde mir das Musical in einer anderen Inszenierung gar nicht mehr so gut gefallen.

So ganz generell, produktionsabhängig und wenn ich nur vom Material ausgehe, schlägt mein Herz besonders für Next to Normal, Shrek, Carrie, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, Dogfight, Titanic und Aida. Wow, man sieht, wie toll ich mich festlegen kann.

4) Welche Produktion hat dich am meisten beeindruckt über die Jahre hinweg? Warum?
Ich bin schon wieder geneigt, Fun Home zu sagen, allerdings habe ich das erst im April gesehen und der Eindruck sitzt noch sehr frisch, also zählt das wahrscheinlich nicht als „über die Jahre hinweg“.

So ein richtiger game changer war für mich Spring Awakening im English Theatre Frankfurt. Das lag nicht mal an dem Musical selbst. Diese ganze Inszenierung öffnete mir die Augen, wie viel überhaupt im Musiktheater möglich ist, wie wirkungsvoll kleines, intimes Theater sein kann und wie viel man mit den kleinsten Mitteln wie Kreide und Kreidestaub erreichen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich seitdem ein wenig anders an Theater (und insbesondere an Musicals) herangehe, auch wenn ich diese Veränderung nicht so richtig definieren kann.

5) Welche Produktion hat dich am meisten überrascht?
Hier musste ich erst mal ein wenig überlegen. Eine große Überraschung war im letzten Herbst die deutschsprachige Erstaufführung von Carrie. Zu der Zeit hörte ich obsessiv den Carrie-Score und hatte mir felsenfest vorgenommen, mir das Stück sofort anzuschauen, wenn es nach Deutschland kommt, egal wo. Also reiste ich im Oktober 2014 mit dem Zug quer durch Deutschland in das westfälische Minden, von dem ich vorher noch nie gehört hatte. Ich muss zugeben, dass ich vorher ein wenig skeptisch war und meine Erwartungen etwas herunterschraubte, da Carrie ein Projekt der Musical-Studenten der Hochschule Osnabrück war. Ob es das wirklich wert war, dafür die lange Reise und die Übernachtungskosten auf mich zu nehmen?

Und dann wurde ich im Mindener Stadttheater richtig umgehauen. Neben der puren Freude darüber, das Musical endlich auf einer Bühne zum Leben erweckt zu sehen, war ich einfach nicht gefasst auf diesen hohen Grad an … Professionalität? Da saß wirklich alles, jeder Schritt, schon von der ersten Szene an eine richtig elektrisierende Energie, so markante junge Darsteller im perfekten Spielalter für die High-School-Schüler. Dann auch noch teilweise sehr beeindruckende Bühneneffekte und clevere Regieeinfälle. Der Abend hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.

6) Was war dein schönstes theaterbezogenes Erlebnis bisher?
2011 berichtete ich auf meinem alten Blog als begeisterter 15-Jähriger von Spring Awakening in Frankfurt und wurde daraufhin vom English Theatre eingeladen, mir das Stück ein zweites Mal anzuschauen und durfte auch meine Eltern kostenlos mitbringen und wir konnten uns hinterher in der Theater-Bar noch ein cooles Konzert der Darsteller anschauen. Das war für mich damals eine richtig große Sache, da ich die Produktion und die Darsteller beim ersten Besuch so ins Herz geschlossen hatte und der restliche Run komplett ausverkauft war.

Ich habe auch noch sehr schöne Erinnerungen an die Wicked-Dernière in Stuttgart, da ich damals zum ersten Mal eine gewisse „Bindung“ zu einem Musical an einem bestimmten Standort aufgebaut hatte und mir viel daran lag, mit den anderen Fans zusammen Abschied zu nehmen.

7) Welche Musical-CD deiner Sammlung würdest du mir empfehlen?
Mit einem Blick auf deinen Blog stelle ich fest, dass du die meisten meiner Lieblings-CDs schon kennst … das macht es mir gar nicht so einfach. 😀 Ich kann dir auf jeden Fall die Off-Broadway-CD von Carrie von 2012 ans Herz legen. Ein eingängiger Score, „In“ ist wahrscheinlich meine liebste Musical-Eröffnungsnummer überhaupt, „And Eve Was Weak“ ist einfach so gewaltig, insgesamt ist das ein richtig starkes Album mit tollen Stimmen. Und wenn sich ein kleines Echo der campigen Ur-Carrie mit einschleicht, macht es die CD umso charmanter.

(Lisanne sagt dazu: Carrie kenne ich natürlich schon, hatte meine harte Obsessionsphase damit schon, direkt damals als die Off-Broadway-CD 2012 rauskam.)

Ansonsten ist die Broadway-Aufnahme von The Secret Garden ein kleines Juwel mit wunderschöner Musik. Und wo ich schon bei Lucy Simon bin: Doctor Zhivago ist zwar stellenweise schnulzig und wenn man die Liedtexte genau unter die Lupe nimmt, sind die manchmal nicht so das Gelbe vom Ei, aber trotzdem hat der Score ein paar wirklich schöne Melodien zu bieten. Auch wenn die Broadway-Kritiken ziemlich abschreckend waren (und die Show an sich problembehaftet war), lohnt es sich trotzdem, einfach mal reinzuhören.

8) Bei wem wirst du zum ‘Fanboy’?
Jeremy Jordan. Das ist für mich so jemand, der – wie man so schön sagt – das Telefonbuch vorsingen könnte und ich wäre hin und weg. (Außerdem habe ich an Sydney Lucas wirklich einen Narren gefressen.)

Im deutschsprachigen Raum lässt Bettina Mönch mein Herz immer höher schlagen.

9) Du kannst dich mit irgendeinem Menschen aus der Branche zwei Stunden lang unterhalten. Wer wäre das? Und warum?
Jeanine Tesori. Ich finde sie als Person einfach verdammt cool … ich meine, sie hat mal für ein Jahr lang in einem Leuchtturm gewohnt! UND ICH WILL MIT IHR ÜBER SHREK REDEN. Weißt du, jeder Interviewer redet mit ihr nur über Fun Home und Caroline, or Change und Violet und gelegentlich über Thoroughly Modern Millie. Aber Shrek wird immer so als die kommerzielle Auftragsarbeit abgetan und nie wirklich ausführlich besprochen. Dabei ist ihr Shrek-Score einfach so, so unterbewertet. Ich kenne kaum eine Musical-CD so in- und auswendig und wenn du sie nicht schon kennen würdest, hätte ich sie dir bei der 7. Frage ohne zu zögern empfohlen. Jeanine sagt selbst immer, dass sie die Arbeit an Shrek toll fand und ich würde so gerne mehr darüber wissen, wie die einzelnen Lieder entstanden ist, was sie sich dabei gedacht hat, einfach alles. Bis vorhin wusste ich noch gar nicht, wie sehr ich ein zweistündiges Gespräch über Shrek mit Jeanine Tesori ich in meinem Leben brauche.

(Lisanne sagt dazu: Jeanine Tesori – YES! YES! YEEEEEESSSS! Und lustigerweise sagen Musicalmenschen – beinahe egal, mit wem ich mich unterhalte – alle “Oh, ja! Shrek! Wir müssen über Shrek reden!” – ich ja auch, bei dir “drüben”)

10) Nehmen wir an, jemand würde dir die (finanzielle) Möglichkeit geben, einen musiktheatralen Traum zu verwirklichen – was wäre das?
Achtung, jetzt wird es utopisch: Wenn ich irgendwann einmal ein Theatermensch bin, der sich hoffentlich besser auskennt als ich das heute tue, würde ich so gern in einer deutschen Stadt mein eigenes kleines Fringe-Theater eröffnen (so in die Richtung Southwark Playhouse) und Stücke nach Deutschland bringen, die keine Kandidaten für die Stage sind und vielleicht auch nicht an jedem Stadttheater so gut funktionieren würden und sich auch nicht unbedingt für sommerliches Freilichttheater anbieten. Du ahnst es vielleicht schon, so etwas wie Fun Home. Aber wie du selbst schon sagtest, würde das wahrscheinlich an der Situation von Kinderdarstellern in Deutschland scheitern. Neben so kleineren „Kammerspielen“ würde ich dann auch alte und selten gespielte Klassiker auf den Plan nehmen, so in die Richtung Gypsy. Und auch jungen Autoren mit neuen Stücken eine Bühne geben. Wie gesagt, utopisch.

Nun noch kurz, was Niklas über sich selbst sagt:
Ich heiße Niklas, bin 20, habe dieses Jahr mein Abi gemacht und möchte jetzt gerne irgendwas mit Theater machen, aber was genau, weiß ich selbst noch nicht. Ich bin ein kreativer Mensch (oder versuche es zumindest), bearbeite vor allem gerne Videos, finde Pferde überbewertet und bin in London mal ins Sherlock-Holmes-Museum eingebrochen, ohne es zu wissen. Apropos London – ich werde im Herbst für ein paar Monate nach London gehen, irgendwo jobben und mir die volle Dröhnung Theater geben.

Links zu Niklas / dem Theaterdistrikt:

Theaterdistrikt – Blog

Twitter: @ThatNiklasGuy

Theaterdistrikt auf Facebook: click

Theaterkind verrät … 

Broadway ohne haufenweise Geld

So einen Post wollte ich schon länger einmal schreiben, eine kleine, handliche Zusammenfassung und Link-Sammlung. Gleichzeitig bin ich ein Mensch, der auch (bei bestimmten Produktionen und Stücken) gern einmal viel Geld ausgibt – fragt mich bitte nicht, wie viel Geld ich in meinem Leben schon in Theaterkarten investiert habe. Sogar wenn ich selbst daran denke, möchte ich mir nur die Augen zuhalten, weinen und langsam, ganz langsam, rückwärts gehend den Raum verlassen.

Aber was tut man nicht alles….

Egal.

Ich hab das Gefühl, gerade am Broadway denken alle, es MÜSSTE zwangsläufig unglaublich teuer sein. Das kann es auch sehr schnell werden, aber lasst euch in paar Tipps geben.

Recherche, Recherche, Recherche!

Das ist das “Location! Location! Location!” des Broadway-Touristen. Was ich damit meine ist, guckt euch die Auslastungszahlen eurer Wunschstücke an. Am Broadway ist das relativ transparent gestaltet, jeden Montagabend (deutscher Zeit) veröffentlichen die großen Infoseiten playbill.com und broadway.com die Auslastungszahlen der vergangenen Woche und setzen sie ins Verhältnis zu der vorangegangen Woche. Anhand dieser Zahlen, kann man relativ gut einschätzen, ob es a) überhaupt möglich ist, noch Karten zu buchen (hust….Hamilton und Fun Home….) oder b) nötig ist, Karten vorher zu kaufen, wenn man es UNBEDINGT sehen will. Als ich das erste Mal in New York war, wusste ich, dass Once schon relativ lange gelaufen ist und man recht gute Chancen auf günstige Tickets hat, weshalb ich dafür nichts vorher gebucht hatte.

DISCOUNTS!

Auch wenn man vielleicht manche Tickets doch vorher kaufen möchte: Wir alle lieben Discounts, Rabattcodes und Angebote, oder? Dazu kann man sich zum Beispiel beim kostenlosen playbillclub anmelden, wo es immer einiges an Discounts gibt, die man entweder online auf Telecharge oder einem vergleichbaren Ticketportal anweden kann, oder auch persönlich im Theatre Box Office (so hab ich das zum Beispiel gemacht, als ich letztes Jahr Beautiful gesehen hab.) Es gibt auch zahlreise Newsletter, zum Beispiel einen von Broadwayworld.com, der einen regelmäßig auf Angebote (auch off-Broadway!) informiert. Fragt mich nicht, warum ich den momentan abonniert habe und warum er auch meine große Newsletter-Kündigungswelle überlebt hat….).

TKTS

Es gab Zeiten, da war die TKTS-App auf meinem Telefon fast die meist-genutzte, natürlich nach den üblichen Telefonfunktionen. TKTS ist (zumindest in New York) wunderbar und Gold wert. Wer kennt sie nicht, die roten Stufen auf dem Times Square? Dadrunter (oder viel mehr “drin”) versteckt sich der riesige TKTS Kiosk, vor dem sich jeden Nachmittag lange Schlangen bilden. An jedem Spieltag geben Shows nämlich einen Teil ihrer Rest-Kontingente an den TDF, der die TKTS-Kioske betreibt, und können wählen mit welchem Discount sie sie in den Verkauf geben wollen. So bekommt man einiges für die Hälfte, oder wenigstens für 30% oder 40% weniger. Auch da kann es sich lohnen, die App vor dem Besuch ein paar Tage lang zu beobachten, gerade wenn man länger als nur ein paar Tage in New York ist, denn das Angebot der Shows wechselt – so hab ich zum Beispiel beobachtet, dass Familienshows wie The King and I manchmal unter der Woche plötzlich bei TKTS auftauchen, während sie am Wochenende nicht zu finden sind. Ich persönlich mag den Kiosk im Süden Manhattans sehr gerne, weil der einerseits schon morgens öffnet und andererseits nicht so furchtbar überlaufen ist wie der am Times Square – auch wenn man dafür vielleicht einen etwas längeren Weg in Kauf nehmen muss. Übrigens ein Nachteil, den ich nicht verschweigen will: Man kann sich die Plätze oder das Preissegment nicht aussuchen, sie verkaufen einfach von vorne nach hinten, das heißt, man muss damit rechnen auch bei 50% Rabatt noch immer 70$ pro Ticket zu bezahlen (aber: lieber 70 als 140, oder?) 😀

Rush und Lottery

Die allermeisten Shows bieten entweder einen (Students oder general) Rush oder eine Lottery an. Meine liebste Broadway-Website playbill.com hat dazu eine relativ übersichtliche Zusammenstellung, die immer aktuell ist. Das ist sicherlich die Lösung, die am meisten Zeitmanagement erfordert. Broadway Spotted (im übrigen auch eine ganz nette Website…) hat dazu vor einiger Zeit den Rush Report als Kategorie eingeführt. Dort wird jede Woche veröffentlicht, wie besucht die einzelnen Rushes / Lotteries waren und wie die Chancen sind. Für alle, die jetzt nur Bahnhof verstehen: “Rushtickets” werden meistens am Tag der Vorstellung morgens, wenn die Kasse öffnet, rausgegeben. Manche Rushes sind spezielle Students’ Rush-Angebot, das heißt, man muss einen Studentenausweis vorzeigen (deutsche Studierende: in New York und auch sonst überall ist ein internationaler Studentenausweis von isic.org Gold wert! Ehrlich – gerade diese einsprachigen Papierlappen, die viele Unis haben, auch beide, an denen ich studiere/studiert habe, werden manchmal nicht anerkannt). Während man beim Rush allein mit Timing weit kommt, braucht man bei Lotteries sowohl Glück als auch Timing – wobei manchmal aus Timing ja auch Glück entsteht oder andersrum. Lotteries funktionieren wie eine Tombola: Meist zwei Stunden vorher geht man am Theater vorbei, schreibt seinen Namen und die Anzahl der gewünschten Tickets auf einen Zettel (meistens ist nur 1 oder 2 möglich) und wirft ihn in einen Hut, eine Box oder so. Einige Zeit später (das wird einem dann gesagt) wird gezogen. Dann muss man UNBEDINGT am Theater sein. Manchmal ist die Anzahl der Tickets vorher festgelegt (und dann jeden Tag die gleiche), manchmal verändert sich die aber auch, wobei meistens ein Minimum beibehalten wird. Die Gewinner der Lottery bekommen dann einen kleinen Zettel und dürfen an der Kasse meistens ziemlich günstige Karten kaufen. – Und an alle, die jetzt denken “Ich habe NIE Glück! Ich gewinne NIE etwas!”: So geht es mir auch und ich habe vor anderthalb Jahren an einem Mittwoch-Mittag die Rocky-Lotterie gespielt und alle (!) haben gewonnen und so saß ich für 25 $ front row center im Golden Circle. Nicht alle Lotteries sind so mental wie Hamilton, Book of Mormon und Wicked. Seit neuestem gibt es auch immer mehr digitale Lotteries über die App TodayTix, zu denen ich aber noch nichts sagen kann, weil es sie bei meinem letzten Besuch noch nicht gab….Hat jemand damit schon Erfahrungen?

Standing Room Only

Stehplätze sind etwas, was vor allem in Deutschland kaum noch vorhanden ist. Manche Opernhäuser bieten das noch an, aber es hat auf keinen Fall den Stellenwert, den es z.B. in Wien hat. Einige Shows geben Stehplatzkarten raus (manchmal mit der Auflage, dass die Show ausverkauft sein muss, bevor sie das tun). Also, wenn einen das Lottery-Glück nicht ereilt hat, vielleicht klappt dann Standing Room Only.

Für Junge Leute

Ich hab den Studentenausweis schon erwähnt und einige Produzenten bieten noch bessere oder viel mehr speziellere Konditionen für Studierende und/oder junge Leute an. Das können Grenzen sein wie “unter 30” oder “unter 35” und muss nicht unbedingt an den Studentenstatus gekoppelt sein. Beispiele hierfür sind die HipTix der Roundabout Theatre Company und die LincTix vom Lincoln Center (aktuell z.B. “The King and I”) – beides ist auch vom Rahmenprogramm her ungefähr vergleichbar mit solchen “Junge Freundeskreis”-Innitiativen mancher Theater in Deutschland.

Broadway-Week

Das ist ein bisschen Schummeln, was das sehr punktuell immer nur ist, aber: zweimal im Jahr (September und Januar/Februar) gibt es die so genannte Broadway-Week, in denen viele Shows bestimmte Kontingente zum 2 für 1 Preis verkaufen. Ja, richtig. Zwei für eins. Im Vorverkauf. Ich glaube, mein nächster (oder übernächster) Trip in meine Herzensstadt muss in so einen Zeitraum gelegt werden….

Zuletzt noch ein paar Sachen, die Leute immer wieder vergessen bzw . fatalerweise machen:

a) Kauft Tickets, wenn ihr sie vorher kauft, nur über Ticketmaster oder Telecharge (wohin ihr zum Beispiel weitergeleitet werdet, wenn ihr auf die offizielle Homepage der Shows geht). Alles andere hat noch höhere Gebühren oder ist eventuell gefälscht.

b) Auch: NIE über Conciergerien in Hotels. Nein. Nein. Nein.

c) Ich wäre auch vorsichtig, wenn euch Leute entweder vor den TKTS Kiosken oder vor den Theaterkassen ansprechen. Lieber einmal zu viel misstrauisch sein, als ein gefälschstes Ticket haben.

d) Egal ob beim Rush oder bei TKTS: Stellt euch ordentlich an! Dort wird brav in der Schlange stehen groß geschrieben und das ist so entspannend. Wenn ich mir hier manchmal die ClassicCard-Schlangen angucke, wo der erste in der Reihe beim Betreten des Kassenfoyers einfach überholt wird….Deutsche können häufig nicht besonders gut anstehen, hab ich das Gefühl