Nachgefragt bei….

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…Niklas von theaterdistrikt.net

Das sind die Wochen der neuen, losen Reihen. JUHUU! Nachdem letzte Woche ja schon mein erstes “richtiges” Interview veröffentlicht wurde, das wirklich mit leiblicher Kopräsenz, wie man bei den Theaterwissenschaftler_innen so sagt, entstanden ist (soll heißen: Dennis Hupka und ich waren dazu zur gleichen Zeit am gleichen Ort und haben uns wirklich unterhalten), soll es heute nur ein weiteres ‘erstes Mal’ geben. Und zwar hat Niklas, der seinen Blog theaterdistrikt.net auch über Theater schreibt, so wie ich, einen kleinen Fragebogen beantwortet.

Parallel dazu habe ich auch Niklas ein paar Fragen beantwortet, die wiederum bei ihm veröffentlicht werden. Hier könnt ihr das nachlesen, was ich so auf wunderbare Fragen von Niklas zu sagen hab.

1) Erinnerst du dich an deinen ersten Theaterbesuch?
Im Gesellschaftshaus in Kirn (der kleinen und nicht ganz so feinen Stadt, in der ich wohne und aufgewachsen bin) gab es früher immer mal wieder Theateraufführungen von der Volkshochschule, die ich mir mit meiner Familie angesehen habe. Mein erster Theaterbesuch wird dort in meiner frühen Kindheit ein Grimm’sches Märchen gewesen sein – ich habe noch dunkle Erinnerungen an „Tischlein, deck dich“, aber ich weiß nicht, ob dies das erste war. Hätte ich damals schon alles so festgehalten und dokumentiert wie heute, könnte ich das mit ein bisschen mehr Gewissheit sagen, haha. Die erste richtig professionelle Theaterproduktion, die ich sah, war 2006 Elisabeth in Stuttgart.

2) Wann hast du gewusst, dass Musical „dein Ding“ ist?
Das kam eigentlich schon direkt vor neun Jahren durch Elisabeth. Da fing es auch an, dass ich mir CDs anhörte (und glücklicherweise war das gerade die Zeit, in der Youtube im Kommen war), verschiedene CDs von einem Musical sammelte und mich mit Darstellern beschäftigte. Aber erst mal hatte ich nur so die kommerziellen Sachen wie Tanz der Vampire und Les Misérables auf dem Radar. Je mehr ich dann über den Tellerrand schaute und entdeckte, wie vielfältig das Genre ist, desto mehr wurde es dann auch so mein permanentes „Ding“ und nicht nur eine kleine Phase.

3) Produktionsunabhängig – welches ist dein Lieblingsmusical?
Schwer zu sagen. Momentan steht bei mir Fun Home an erster Stelle, aber ob das wirklich produktionsabhängig ist, kann ich gar nicht sagen, da ich das Stück nur in einer – nämlich der Broadway-Produktion kenne und glaube, dass die gesamte Inszenierung dafür gesorgt hat, dass ich das Musical so sehr ins Herz geschlossen habe. Vielleicht würde mir das Musical in einer anderen Inszenierung gar nicht mehr so gut gefallen.

So ganz generell, produktionsabhängig und wenn ich nur vom Material ausgehe, schlägt mein Herz besonders für Next to Normal, Shrek, Carrie, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, Dogfight, Titanic und Aida. Wow, man sieht, wie toll ich mich festlegen kann.

4) Welche Produktion hat dich am meisten beeindruckt über die Jahre hinweg? Warum?
Ich bin schon wieder geneigt, Fun Home zu sagen, allerdings habe ich das erst im April gesehen und der Eindruck sitzt noch sehr frisch, also zählt das wahrscheinlich nicht als „über die Jahre hinweg“.

So ein richtiger game changer war für mich Spring Awakening im English Theatre Frankfurt. Das lag nicht mal an dem Musical selbst. Diese ganze Inszenierung öffnete mir die Augen, wie viel überhaupt im Musiktheater möglich ist, wie wirkungsvoll kleines, intimes Theater sein kann und wie viel man mit den kleinsten Mitteln wie Kreide und Kreidestaub erreichen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich seitdem ein wenig anders an Theater (und insbesondere an Musicals) herangehe, auch wenn ich diese Veränderung nicht so richtig definieren kann.

5) Welche Produktion hat dich am meisten überrascht?
Hier musste ich erst mal ein wenig überlegen. Eine große Überraschung war im letzten Herbst die deutschsprachige Erstaufführung von Carrie. Zu der Zeit hörte ich obsessiv den Carrie-Score und hatte mir felsenfest vorgenommen, mir das Stück sofort anzuschauen, wenn es nach Deutschland kommt, egal wo. Also reiste ich im Oktober 2014 mit dem Zug quer durch Deutschland in das westfälische Minden, von dem ich vorher noch nie gehört hatte. Ich muss zugeben, dass ich vorher ein wenig skeptisch war und meine Erwartungen etwas herunterschraubte, da Carrie ein Projekt der Musical-Studenten der Hochschule Osnabrück war. Ob es das wirklich wert war, dafür die lange Reise und die Übernachtungskosten auf mich zu nehmen?

Und dann wurde ich im Mindener Stadttheater richtig umgehauen. Neben der puren Freude darüber, das Musical endlich auf einer Bühne zum Leben erweckt zu sehen, war ich einfach nicht gefasst auf diesen hohen Grad an … Professionalität? Da saß wirklich alles, jeder Schritt, schon von der ersten Szene an eine richtig elektrisierende Energie, so markante junge Darsteller im perfekten Spielalter für die High-School-Schüler. Dann auch noch teilweise sehr beeindruckende Bühneneffekte und clevere Regieeinfälle. Der Abend hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.

6) Was war dein schönstes theaterbezogenes Erlebnis bisher?
2011 berichtete ich auf meinem alten Blog als begeisterter 15-Jähriger von Spring Awakening in Frankfurt und wurde daraufhin vom English Theatre eingeladen, mir das Stück ein zweites Mal anzuschauen und durfte auch meine Eltern kostenlos mitbringen und wir konnten uns hinterher in der Theater-Bar noch ein cooles Konzert der Darsteller anschauen. Das war für mich damals eine richtig große Sache, da ich die Produktion und die Darsteller beim ersten Besuch so ins Herz geschlossen hatte und der restliche Run komplett ausverkauft war.

Ich habe auch noch sehr schöne Erinnerungen an die Wicked-Dernière in Stuttgart, da ich damals zum ersten Mal eine gewisse „Bindung“ zu einem Musical an einem bestimmten Standort aufgebaut hatte und mir viel daran lag, mit den anderen Fans zusammen Abschied zu nehmen.

7) Welche Musical-CD deiner Sammlung würdest du mir empfehlen?
Mit einem Blick auf deinen Blog stelle ich fest, dass du die meisten meiner Lieblings-CDs schon kennst … das macht es mir gar nicht so einfach.😀 Ich kann dir auf jeden Fall die Off-Broadway-CD von Carrie von 2012 ans Herz legen. Ein eingängiger Score, „In“ ist wahrscheinlich meine liebste Musical-Eröffnungsnummer überhaupt, „And Eve Was Weak“ ist einfach so gewaltig, insgesamt ist das ein richtig starkes Album mit tollen Stimmen. Und wenn sich ein kleines Echo der campigen Ur-Carrie mit einschleicht, macht es die CD umso charmanter.

(Lisanne sagt dazu: Carrie kenne ich natürlich schon, hatte meine harte Obsessionsphase damit schon, direkt damals als die Off-Broadway-CD 2012 rauskam.)

Ansonsten ist die Broadway-Aufnahme von The Secret Garden ein kleines Juwel mit wunderschöner Musik. Und wo ich schon bei Lucy Simon bin: Doctor Zhivago ist zwar stellenweise schnulzig und wenn man die Liedtexte genau unter die Lupe nimmt, sind die manchmal nicht so das Gelbe vom Ei, aber trotzdem hat der Score ein paar wirklich schöne Melodien zu bieten. Auch wenn die Broadway-Kritiken ziemlich abschreckend waren (und die Show an sich problembehaftet war), lohnt es sich trotzdem, einfach mal reinzuhören.

8) Bei wem wirst du zum ‘Fanboy’?
Jeremy Jordan. Das ist für mich so jemand, der – wie man so schön sagt – das Telefonbuch vorsingen könnte und ich wäre hin und weg. (Außerdem habe ich an Sydney Lucas wirklich einen Narren gefressen.)

Im deutschsprachigen Raum lässt Bettina Mönch mein Herz immer höher schlagen.

9) Du kannst dich mit irgendeinem Menschen aus der Branche zwei Stunden lang unterhalten. Wer wäre das? Und warum?
Jeanine Tesori. Ich finde sie als Person einfach verdammt cool … ich meine, sie hat mal für ein Jahr lang in einem Leuchtturm gewohnt! UND ICH WILL MIT IHR ÜBER SHREK REDEN. Weißt du, jeder Interviewer redet mit ihr nur über Fun Home und Caroline, or Change und Violet und gelegentlich über Thoroughly Modern Millie. Aber Shrek wird immer so als die kommerzielle Auftragsarbeit abgetan und nie wirklich ausführlich besprochen. Dabei ist ihr Shrek-Score einfach so, so unterbewertet. Ich kenne kaum eine Musical-CD so in- und auswendig und wenn du sie nicht schon kennen würdest, hätte ich sie dir bei der 7. Frage ohne zu zögern empfohlen. Jeanine sagt selbst immer, dass sie die Arbeit an Shrek toll fand und ich würde so gerne mehr darüber wissen, wie die einzelnen Lieder entstanden ist, was sie sich dabei gedacht hat, einfach alles. Bis vorhin wusste ich noch gar nicht, wie sehr ich ein zweistündiges Gespräch über Shrek mit Jeanine Tesori ich in meinem Leben brauche.

(Lisanne sagt dazu: Jeanine Tesori – YES! YES! YEEEEEESSSS! Und lustigerweise sagen Musicalmenschen – beinahe egal, mit wem ich mich unterhalte – alle “Oh, ja! Shrek! Wir müssen über Shrek reden!” – ich ja auch, bei dir “drüben”)

10) Nehmen wir an, jemand würde dir die (finanzielle) Möglichkeit geben, einen musiktheatralen Traum zu verwirklichen – was wäre das?
Achtung, jetzt wird es utopisch: Wenn ich irgendwann einmal ein Theatermensch bin, der sich hoffentlich besser auskennt als ich das heute tue, würde ich so gern in einer deutschen Stadt mein eigenes kleines Fringe-Theater eröffnen (so in die Richtung Southwark Playhouse) und Stücke nach Deutschland bringen, die keine Kandidaten für die Stage sind und vielleicht auch nicht an jedem Stadttheater so gut funktionieren würden und sich auch nicht unbedingt für sommerliches Freilichttheater anbieten. Du ahnst es vielleicht schon, so etwas wie Fun Home. Aber wie du selbst schon sagtest, würde das wahrscheinlich an der Situation von Kinderdarstellern in Deutschland scheitern. Neben so kleineren „Kammerspielen“ würde ich dann auch alte und selten gespielte Klassiker auf den Plan nehmen, so in die Richtung Gypsy. Und auch jungen Autoren mit neuen Stücken eine Bühne geben. Wie gesagt, utopisch.

Nun noch kurz, was Niklas über sich selbst sagt:
Ich heiße Niklas, bin 20, habe dieses Jahr mein Abi gemacht und möchte jetzt gerne irgendwas mit Theater machen, aber was genau, weiß ich selbst noch nicht. Ich bin ein kreativer Mensch (oder versuche es zumindest), bearbeite vor allem gerne Videos, finde Pferde überbewertet und bin in London mal ins Sherlock-Holmes-Museum eingebrochen, ohne es zu wissen. Apropos London – ich werde im Herbst für ein paar Monate nach London gehen, irgendwo jobben und mir die volle Dröhnung Theater geben.

Links zu Niklas / dem Theaterdistrikt:

Theaterdistrikt – Blog

Twitter: @ThatNiklasGuy

Theaterdistrikt auf Facebook: click

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