Theaterkind verrät … 

Broadway ohne haufenweise Geld

So einen Post wollte ich schon länger einmal schreiben, eine kleine, handliche Zusammenfassung und Link-Sammlung. Gleichzeitig bin ich ein Mensch, der auch (bei bestimmten Produktionen und Stücken) gern einmal viel Geld ausgibt – fragt mich bitte nicht, wie viel Geld ich in meinem Leben schon in Theaterkarten investiert habe. Sogar wenn ich selbst daran denke, möchte ich mir nur die Augen zuhalten, weinen und langsam, ganz langsam, rückwärts gehend den Raum verlassen.

Aber was tut man nicht alles….

Egal.

Ich hab das Gefühl, gerade am Broadway denken alle, es MÜSSTE zwangsläufig unglaublich teuer sein. Das kann es auch sehr schnell werden, aber lasst euch in paar Tipps geben.

Recherche, Recherche, Recherche!

Das ist das “Location! Location! Location!” des Broadway-Touristen. Was ich damit meine ist, guckt euch die Auslastungszahlen eurer Wunschstücke an. Am Broadway ist das relativ transparent gestaltet, jeden Montagabend (deutscher Zeit) veröffentlichen die großen Infoseiten playbill.com und broadway.com die Auslastungszahlen der vergangenen Woche und setzen sie ins Verhältnis zu der vorangegangen Woche. Anhand dieser Zahlen, kann man relativ gut einschätzen, ob es a) überhaupt möglich ist, noch Karten zu buchen (hust….Hamilton und Fun Home….) oder b) nötig ist, Karten vorher zu kaufen, wenn man es UNBEDINGT sehen will. Als ich das erste Mal in New York war, wusste ich, dass Once schon relativ lange gelaufen ist und man recht gute Chancen auf günstige Tickets hat, weshalb ich dafür nichts vorher gebucht hatte.

DISCOUNTS!

Auch wenn man vielleicht manche Tickets doch vorher kaufen möchte: Wir alle lieben Discounts, Rabattcodes und Angebote, oder? Dazu kann man sich zum Beispiel beim kostenlosen playbillclub anmelden, wo es immer einiges an Discounts gibt, die man entweder online auf Telecharge oder einem vergleichbaren Ticketportal anweden kann, oder auch persönlich im Theatre Box Office (so hab ich das zum Beispiel gemacht, als ich letztes Jahr Beautiful gesehen hab.) Es gibt auch zahlreise Newsletter, zum Beispiel einen von Broadwayworld.com, der einen regelmäßig auf Angebote (auch off-Broadway!) informiert. Fragt mich nicht, warum ich den momentan abonniert habe und warum er auch meine große Newsletter-Kündigungswelle überlebt hat….).

TKTS

Es gab Zeiten, da war die TKTS-App auf meinem Telefon fast die meist-genutzte, natürlich nach den üblichen Telefonfunktionen. TKTS ist (zumindest in New York) wunderbar und Gold wert. Wer kennt sie nicht, die roten Stufen auf dem Times Square? Dadrunter (oder viel mehr “drin”) versteckt sich der riesige TKTS Kiosk, vor dem sich jeden Nachmittag lange Schlangen bilden. An jedem Spieltag geben Shows nämlich einen Teil ihrer Rest-Kontingente an den TDF, der die TKTS-Kioske betreibt, und können wählen mit welchem Discount sie sie in den Verkauf geben wollen. So bekommt man einiges für die Hälfte, oder wenigstens für 30% oder 40% weniger. Auch da kann es sich lohnen, die App vor dem Besuch ein paar Tage lang zu beobachten, gerade wenn man länger als nur ein paar Tage in New York ist, denn das Angebot der Shows wechselt – so hab ich zum Beispiel beobachtet, dass Familienshows wie The King and I manchmal unter der Woche plötzlich bei TKTS auftauchen, während sie am Wochenende nicht zu finden sind. Ich persönlich mag den Kiosk im Süden Manhattans sehr gerne, weil der einerseits schon morgens öffnet und andererseits nicht so furchtbar überlaufen ist wie der am Times Square – auch wenn man dafür vielleicht einen etwas längeren Weg in Kauf nehmen muss. Übrigens ein Nachteil, den ich nicht verschweigen will: Man kann sich die Plätze oder das Preissegment nicht aussuchen, sie verkaufen einfach von vorne nach hinten, das heißt, man muss damit rechnen auch bei 50% Rabatt noch immer 70$ pro Ticket zu bezahlen (aber: lieber 70 als 140, oder?)😀

Rush und Lottery

Die allermeisten Shows bieten entweder einen (Students oder general) Rush oder eine Lottery an. Meine liebste Broadway-Website playbill.com hat dazu eine relativ übersichtliche Zusammenstellung, die immer aktuell ist. Das ist sicherlich die Lösung, die am meisten Zeitmanagement erfordert. Broadway Spotted (im übrigen auch eine ganz nette Website…) hat dazu vor einiger Zeit den Rush Report als Kategorie eingeführt. Dort wird jede Woche veröffentlicht, wie besucht die einzelnen Rushes / Lotteries waren und wie die Chancen sind. Für alle, die jetzt nur Bahnhof verstehen: “Rushtickets” werden meistens am Tag der Vorstellung morgens, wenn die Kasse öffnet, rausgegeben. Manche Rushes sind spezielle Students’ Rush-Angebot, das heißt, man muss einen Studentenausweis vorzeigen (deutsche Studierende: in New York und auch sonst überall ist ein internationaler Studentenausweis von isic.org Gold wert! Ehrlich – gerade diese einsprachigen Papierlappen, die viele Unis haben, auch beide, an denen ich studiere/studiert habe, werden manchmal nicht anerkannt). Während man beim Rush allein mit Timing weit kommt, braucht man bei Lotteries sowohl Glück als auch Timing – wobei manchmal aus Timing ja auch Glück entsteht oder andersrum. Lotteries funktionieren wie eine Tombola: Meist zwei Stunden vorher geht man am Theater vorbei, schreibt seinen Namen und die Anzahl der gewünschten Tickets auf einen Zettel (meistens ist nur 1 oder 2 möglich) und wirft ihn in einen Hut, eine Box oder so. Einige Zeit später (das wird einem dann gesagt) wird gezogen. Dann muss man UNBEDINGT am Theater sein. Manchmal ist die Anzahl der Tickets vorher festgelegt (und dann jeden Tag die gleiche), manchmal verändert sich die aber auch, wobei meistens ein Minimum beibehalten wird. Die Gewinner der Lottery bekommen dann einen kleinen Zettel und dürfen an der Kasse meistens ziemlich günstige Karten kaufen. – Und an alle, die jetzt denken “Ich habe NIE Glück! Ich gewinne NIE etwas!”: So geht es mir auch und ich habe vor anderthalb Jahren an einem Mittwoch-Mittag die Rocky-Lotterie gespielt und alle (!) haben gewonnen und so saß ich für 25 $ front row center im Golden Circle. Nicht alle Lotteries sind so mental wie Hamilton, Book of Mormon und Wicked. Seit neuestem gibt es auch immer mehr digitale Lotteries über die App TodayTix, zu denen ich aber noch nichts sagen kann, weil es sie bei meinem letzten Besuch noch nicht gab….Hat jemand damit schon Erfahrungen?

Standing Room Only

Stehplätze sind etwas, was vor allem in Deutschland kaum noch vorhanden ist. Manche Opernhäuser bieten das noch an, aber es hat auf keinen Fall den Stellenwert, den es z.B. in Wien hat. Einige Shows geben Stehplatzkarten raus (manchmal mit der Auflage, dass die Show ausverkauft sein muss, bevor sie das tun). Also, wenn einen das Lottery-Glück nicht ereilt hat, vielleicht klappt dann Standing Room Only.

Für Junge Leute

Ich hab den Studentenausweis schon erwähnt und einige Produzenten bieten noch bessere oder viel mehr speziellere Konditionen für Studierende und/oder junge Leute an. Das können Grenzen sein wie “unter 30” oder “unter 35” und muss nicht unbedingt an den Studentenstatus gekoppelt sein. Beispiele hierfür sind die HipTix der Roundabout Theatre Company und die LincTix vom Lincoln Center (aktuell z.B. “The King and I”) – beides ist auch vom Rahmenprogramm her ungefähr vergleichbar mit solchen “Junge Freundeskreis”-Innitiativen mancher Theater in Deutschland.

Broadway-Week

Das ist ein bisschen Schummeln, was das sehr punktuell immer nur ist, aber: zweimal im Jahr (September und Januar/Februar) gibt es die so genannte Broadway-Week, in denen viele Shows bestimmte Kontingente zum 2 für 1 Preis verkaufen. Ja, richtig. Zwei für eins. Im Vorverkauf. Ich glaube, mein nächster (oder übernächster) Trip in meine Herzensstadt muss in so einen Zeitraum gelegt werden….

Zuletzt noch ein paar Sachen, die Leute immer wieder vergessen bzw . fatalerweise machen:

a) Kauft Tickets, wenn ihr sie vorher kauft, nur über Ticketmaster oder Telecharge (wohin ihr zum Beispiel weitergeleitet werdet, wenn ihr auf die offizielle Homepage der Shows geht). Alles andere hat noch höhere Gebühren oder ist eventuell gefälscht.

b) Auch: NIE über Conciergerien in Hotels. Nein. Nein. Nein.

c) Ich wäre auch vorsichtig, wenn euch Leute entweder vor den TKTS Kiosken oder vor den Theaterkassen ansprechen. Lieber einmal zu viel misstrauisch sein, als ein gefälschstes Ticket haben.

d) Egal ob beim Rush oder bei TKTS: Stellt euch ordentlich an! Dort wird brav in der Schlange stehen groß geschrieben und das ist so entspannend. Wenn ich mir hier manchmal die ClassicCard-Schlangen angucke, wo der erste in der Reihe beim Betreten des Kassenfoyers einfach überholt wird….Deutsche können häufig nicht besonders gut anstehen, hab ich das Gefühl

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