Warum nicht leben?!

(sorry, no English version today, because I’ll like a newspaper article from a German newspaper)

Das ist der Titel eines kleinen Films, den eine Freundin von mir gemacht hat und den ich neulich endlich einmal angesehen habe. Und eigentlich ist der das genaue Gegenteil dieses Posts hier, der mit Sterben zu tun hat.

Eigentlich ist ein Parameter des (beruflichen) Erwachsenwerdens, dass Menschen sterben, die man gekannt hat. Deren Inszenierungen man gesehen hat, die man auf Bühnen erlebt hat und mit denen man vielleicht zusammengearbeitet hat. Und auch in der Familie heißt Erwachsenwerden, dass man so alt ist, dass andere Menschen noch älter sind, dass sie sterben. Und das ist traurig.

Am Montag gab das GRIPS Theater, in dem ich damals mit 18 Jahren meine erste Dramaturgiehospitanz anfing, ein Jahr später folgte eine zweite, dann eine Assistenz und dann eine Regieassistenz, bekannt, dass Franziska Steiof, eine für das Haus sehr wichtige Regisseurin und Theatermacherin vor inzwischen knapp einer Woche aus dem Leben gegangen sei. Ich hatte leider nie das Glück, mit ihr zusammenzuarbeiten, zweimal aber parallel mit ihr am Haus zu sein und ich habe inzwischen einige ihrer Arbeiten gesehen. Die, die mich im Nachhinein am meisten beeindruckt hat, war Rosa – eine Art Biographie-Musical über Rosa Luxemburg, das mich so geprägt hat, dass ich inzwischen die Gesamtausgabe von Rosas Briefen besitze und ein von ihr geprägtes Theaterstück schrieb vor zwei Jahren (lasst uns darüber lieber nicht mehr reden). Ebenso ist es aber auch mit So Lonely, in dem sie dieser ersten Liebe (vor allem des Jungen) eine so beeindruckende Materialität gibt, dass es auf der leeren Bühne des Saals im Podewil gleichzeitig unendlich erdrückend und erhebend ist.

Das letzte Mal, dass ich über sie etwas gehört habe, fand Anfang Dezember am Telefon statt. Eine Kollegin, die ich eine Woche später in Kiel treffen sollte, rief mich an und sagte, dass Franziska, die uns einen Workshop zu analytischer Fragetechnik geben sollte, aus privaten Gründen abgesagt habe. Ich kann mich erinnern, dass ich mich allein über die Erwähnung des Namens in meiner 22jährigen Naivität sehr gefreut habe (“Haha! Den Namen kenn’ ich!”) und als ich dann die Gründe für die Absage erfahren habe, war ich natürlich betroffen.

Nun ist also auch Franziska von uns gegangen.

Lasst uns hoffen, dass es wieder solche Regisseurinnen geben wird, die auf eine Art politisch sind, ohne Hammer und ohne Hau-drauf-Mentalität.

In deren Inszenierungen es auf eine angenehme Art um Menschen geht, um ihre Probleme und ihre Politizität.

Und weil andere Menschen sehr viel besser sind im Nachruf-Schreiben als ich, verlinke ich euch den Nachruf von Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung hier.

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