Theatergeburtstag // Theatrical Birth

(since this is a post corresponding with a German blogger initiative there will be the German post first, and English one can be found below)

Tanja Praske hat in ihrem Blog zu einer Blogparade unter dem Motto “Mein faszinierendes Kulturerlebnis” aufgerufen. Und da das hier ein Blog ist, der sich mit Kultur – primär mit Theater – beschäftigt, ist das quasi genau mein Thema. Zuerst einmal: Danke, Tanja, für diesen Input!

Seit ich diese Aktion gesehen habe, habe ich natürlich darüber nachgedacht, was mein (ultimativ)faszinierendes Kulturerlebnis gewesen sein könnte. Meine erste Begegnung mit Bildern des Malers Caravaggio in einer Kirche in Valetta, Malta? Der Blick auf die Altstadt von Jerusalem vom Ölberg aus? Oder mehr Theater: Meine Theaterbesuche am Broadway vergagenen Monat? Barrie Koskys Inszenierung von Rusalka? Eine Videoinstallation zu Kurtags Kafka-Fragmenten? Meg Stuarts Built to last? Aber dann ist mir aufgefallen, dass ich all diese Sachen nicht gesehen hätte, wäre nicht etwas ganz bestimmtes in meinem Leben passiert, was inzwischen etwa sechseinhalb Jahre her ist. Damals lernte ich nämlich Tobias Rausch, Ilka Rümke und Jan Linders kennen, als ich nach einem in der Mitgliederzeitschrift der DGhK veröffentlichten Aufruf zum ‘Casting’ für das Performanceprojekt highQ – Gehirne in Hochgeschwindigkeit besetzt wurde. Das war mein einziger Ausflug als Performerin und damit bin ich sehr glücklich, denn eigentlich habe ich da gelernt ins Theater zu gehen und darüber zu sprechen.

Ich war damals 16 Jahre alt, in der 11. Klasse und verwirrt, weil die meisten meiner Klassenkameraden 18 waren und ‘erwachsen’ und Party machten. Bei highQ war ich untern den Performenden zur Abwechslung mal die älteste, der jüngste von uns war zu dem Zeitpunkt erst 8 oder 9. Zusammen haben wir in unseren Proben viel Blödsinn gemacht und waren kreativ (manchmal zu viel, manchmal zu wenig – ich erinnere mich daran wie Tobias uns Jugendliche mal dazu zwang ein Sonnett zu schreiben, das sich eben durch strenge formale Vorgaben auszeichnet. Ich bin selten so grandios gescheiert!). Und vor allem sind wir mehrmals gemeinsam ins Theater gegangen. Rückblickend ist mir das (und vieles aus der Zeit) ein bisschen peinlich, wie naiv ich und wie wenig ich über Theater wusste, aber das ist nun mal so. In meiner Erinnerung ist es so, dass irgendwann angefangen habe, auch etwas mehr ins Theater zu gehen, zuerst war das eher so ein “mitgehen” mit den Erwachsenen, großen Theaterleuten, später bin ich dann auch alleine gegangen. Sie haben mich wie selbstverständlich gefragt, wie es bestimmte Dinge an Aufführungen fand und was ich generell sagen würde. Dadurch habe ich für mich sehr schnell einen Weg gefunden, über Aufführungen und Theatererlebnisse zu sprechen, gerade dieses Sprechen spielt heute (und wird hoffentlich in meinem ganzen weiteren Leben) eine große Rolle für mich: Über Theater sprechen ist nicht nur eine Grundvoraussetzung für die theaterwissenschaftliche Aufführungsanalyse, sondern hat auch für mich privat in den darauffolgenden Jahren eine große Rolle gespielt. (weil: wer über Theater reflektieren und sprechen kann, kann das auch über andere Dinge…)

Ohne diese Erfahrung hätte ich in diesem Sommer nicht meine Bachelorarbeit in Theaterwissenschaft geschrieben, ich hätte mir nicht mit 16 in den Kopf gesetzt Dramaturgin zu werden. Gleichzeitig hätte ich natürlich Tobias nie kennen gelernt und hätte nie in der vorletzten Spielzeit mit ihm arbeiten können, als ich nämlich Interviews für die Produktion “Felix Krull und seine Erben” am Theater Kiel führen durfte.

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Tanja Praske asked on her blog for posts dealing with a fascinating cultural experience in ones life – and since this is a blog about culture, mostly theatre, it seemed to be my topic! So first of all, thank you, Tanja, for asking.

I read about that initiative a few days ago and since then I was thinking about what I could consider to be my (most) fascinating thing I experienced in the arts. My first encounter with the paintings of Caravaggio in that church in Valetta, Malta? The view over the OId City of Jerusalem from Mount of Olive? Or to be more theatrical: My visit to Broadway last month? Barrie Kosky‘s production of Rusalka? That video-installation of Kurtag’s Kafka-Fragments? Meg Stuart‘s Built to last? But then I realized that most of these thing wouln’t even have happenend to me if something very special hadn’t happened in my life. About six and a half years ago I got to know Tobias Rausch, Ilka Rümke and Jan Linders at an audition I attended after reading about it in the magazine of the German association for gifted children. After all I got cast in a performance called “highQ – Gehirne in Hochgeschwindigkeit” (“highQ – high-speed brains”) – which was my only appearance as a performer and that’s more than okay because basically that was when I learned to speak about theatre.

Back then I was 16, in 11th grade and confused – most of my classmates were 18 and of age and partying every weekend. At highQ I was the oldest of us performers, the youngest was only 8 or 9 at that time. We did a lot of nonsense at rehearsal and we were creative (sometimes a lot, sometimes not so much I remember my failed attempt to write a sonnett with all these formal restrictions once) and we also went to see some performances together. Looking back today it’s almost a little embarrassing how naive I was and how little I knew about theatre, but that’s how life works. I remember that as the time when I starting to go and see performances – at first I only went with somebody, then I started going on my own – just as I do today. Naturally the older, ‘grown up’ theatrepoeple would always ask me what I thought about certain scenes or the performance in general. Due to that I soon learned how to talk about performances and this way of talking has been very important to me ever since. Not only is talking about what you see in theatres very important to performance analysis just as we do it in the theatre studies, but also to me personally. If you can reflect and talk about theatrical performances you can also do that with other events in your life.

Without that experience I never would have written my BA thesis in theatre studies this past summer and I hadn’t decided to become a dramaturg one day when I was 16. At the same time I never would have met Tobias and never would have had the chance to work with him again second to last season when I was a interviewer for his production “Felix Krull und seine Erben” at Theater Kiel.

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6 thoughts on “Theatergeburtstag // Theatrical Birth

  1. Liebes Theaterkind, liebe Grete,

    einfach nur schonungslos wunderschön geschrieben! Ich bin sehr happy über die Blogparade, sonst hätte ich nicht so tolle Blogs kennengelernt. Dein Beitrag ist nach dem Freilichtwandertheater von Ilse Mohr der erste, der direkt aus dem “Theatermilieu” kommt – wunderbar! Bin ich froh, dass du die Performance mit 16 Jahren gemacht hast. Dein Blog nehme ich sogleich ins Feedly auf, denn ich mag deinen Stil: emotional, berührend und schön!

    Vielen Dank für Dein faszinierendes Kulturerlebnis!

    Herzliche Grüße,
    Tanja Praske

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